Spendenaufruf

Die Buchhandlung «Labyrinth»: Auf der Suche nach Geld und Kundschaft

«Labyrinth» schafft es nicht auf einen grünen Zweig – trotz Nähe zur Uni. Jetzt gibt es aber wieder Hoffnung.

Vier Jahre nach der Neugründung steht die Buchhandlung Labyrinth erneut kurz vor dem Aus. In einer Mail Anfang Januar formulierten die Geschäftsleiter ihre Notlage. 75'000 Franken sind das Ziel.

Die Buchhandlung Labyrinth am Nadelberg ist vielleicht bald Geschichte. Anfang Januar formulierten die Geschäftsleiter Matthias Staub und Thomas Rehmer ihre Notlage in einer E-Mail, die sie an 2500 Personen verschickten. Aufgrund der finanziellen Situation könne die Buchhandlung so nicht weiter existieren. Deshalb rufen sie dazu auf, die Buchhandlung zu unterstützen: «Dringend gebraucht: grosszügige Spenden und Kundschaft».

75'000 Franken sind das Ziel. Mit den Spenden will sich das Team von den Minusbeträgen befreien. Die E-Mail hat noch ein weiteres Ziel. Die Kunden sollen animiert werden, wieder vermehrt Bücher im «Labyrinth» zu kaufen. Nur so könne das Geschäft langfristig überleben. «Leseratten aus allen verborgenen Winkeln Basels: Vereinigt Euch!», lautet der Aufruf.

Die Buchhandlung Labyrinth hat sich auf geisteswissenschaftliche Bücher spezialisiert. Sie liegt direkt gegenüber des Englischen Seminars. Auch das Deutsche Seminar und das Kollegienhaus sind nicht weit. Das Haus zur Alten Treu, das die Buchhandlung seit 1984 in ihrem Erdgeschoss beherbergt, war in den 20er Jahren des 16. Jahrhunderts das Zuhause von Erasmus von Rotterdam.

Man könnte meinen, die Nähe zur Universität könne eine kleine Buchhandlung vor dem Untergang bewahren. Dennoch kämpft das «Labyrinth» immer wieder ums Überleben. Erst vor vier Jahren verkündete die Geschäftsleitung eine Neugründung. Damals brachten der Online-Shop und eine stärkere Fokussierung auf den «Forums-Charakter», also Veranstaltungen, neuen Wind in den Laden.

Ausserdem wurde das Team durch Studierende ergänzt, die unter anderem dafür sorgten, dass die Semesterliteratur immer bereit lag.

Schwarze Zahlen bis Ende Jahr

«Das Problem ist, dass wir während der Neugründung zu wenig Zeit in die Beschaffung von weiteren Geldern investiert haben», sagt Staub. Deshalb laute nun das Ziel, liquid zu sein und Ende des Jahres schwarze Zahlen zu schreiben.

Damit dies gelingt, hat das Team beschlossen, die Buchhandlung wieder vom Forums-Charakter zu befreien. Für Lesungen und Gespräche soll künftig der Forums-Verein zuständig sein, der rechtlich-wirtschaftlich unabhängig von der Labyrinth GmbH agiert.

Solidarität auf Instagram

Die Reaktionen auf den Aufruf seien sehr positiv, sagt Staub. Insgesamt 43 000 Franken seien bislang zusammengekommen. Ausserdem habe man in den letzten Tagen wieder mehr Bücher verkauft.

Dazu beigetragen haben könnte auch ein Aufruf aus der Studentenschaft: Erich Ehrhardt, Masterstudent der Philosophie, verfasste eine E-Mail, die er an die gesamte Universität verschickte. Darin lobt Ehrhardt das «Labyrinth» als «eine der wenigen Buchhandlungen in Basel, in der sich Bücher kaufen lassen, die einen vor den Kopf stossen». Ausserdem verlost Erhardt 10-Franken-Gutscheine.

Auch andere Studierende sprechen der Buchhandlung virtuell ihre Unterstützung aus. Unter dem Hashtag #lovelabyrinthbasel posten sie auf Instagram ihre neusten Buchkäufe.

Entscheid vertagt

Der Spendenaufruf läuft voraussichtlich heute Donnerstag aus. Die Suche nach Sponsoren wird das Team aber noch länger beschäftigen. Eine Entscheidung werde vermutlich nicht vor Ende März fallen, sagt Staub.

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