Der Bau, in welchem das Basler Amt für Umwelt und Energie (AUE) derzeit an der Hochbergerstrasse zu Hause ist, genügt den Ansprüchen nicht mehr. Das ist unumstritten.

Das Gebäude von 1968 ist sanierungsbedürftig, verbraucht viel zu viel Energie, ist mit Asbest verseucht, und die Raumaufteilung ist alles, nur kein modernes Arbeitsumfeld.

Eine Sanierung wäre teuer, die Regierung geht von mindestens 4,5 Millionen Franken aus. Deshalb zieht sie es vor, zwei Liegenschaften im Stadtzentrum, die Spiegelgasse 11 und 15, abzureissen, und dort einen Neubau hinzustellen.

Bereits am Standort scheiden sich die Geister: Die Gegner argumentieren, dass die Verwaltung nicht noch mehr Fläche an bester Lage nutzen soll, sondern hier Büros oder Wohnungen gebaut werden sollen, die auch einen Ertrag für die Staatskasse abwerfen. Einer der Gründe, weshalb am 5. Juni über ein Referendum der Bürgerlichen abgestimmt wird.

Zu hohe Kosten

Das Hauptargument der Gegner aus den Reihen der bürgerlichen Parteien sind aber die Kosten des Neubaus: 16 Millionen Franken will die Regierung hier verbauen.

Dieser Betrag kommt zustande, weil das neue AUE ein «Leuchtturmprojekt» sein soll. Es soll 90 Prozent weniger Energie verbrauchen als der bisherige Bau, in dem die modernsten Bautechniken und Heizungsanlagen eingebaut werden.

Und auch weitere Technologien sollen eingesetzt werden: Regenwasser für die Toilettenspülungen, Photovoltaikanlagen und dazu eine Büroflächennutzung nach neuem Muster.

Doch auch Letztere stört die Gegner, besonders weil auch Mitarbeiter mit einem Pensum von nur 50 Prozent fixe, eigene Arbeitsplätze erhalten sollen.

Ein weiterer Kritikpunkt ist der Verkehr: In der autofreien Innenstadt solle man keine Amtsstelle unterbringen, die viel Publikumsverkehr generiere.

Am bisherigen Standort könne man auch mit dem Auto zum AUE gelangen. Das sei an der Schifflände nicht möglich, so die Gegner.

Die Befürworter dagegen finden das nicht nötig, schliesslich sei die Schifflände mit dem öffentlichen Verkehr hervorragend erschlossen. Das Amt gehöre genau darum in die Innenstadt, weil es viel Kundschaft anziehe.

PRO und KONTRA: Soll das neue Amt für Energie und Umwelt ein «Leuchtturm» werden?

PRO: Ein Haus, das für die Energiewende wirbt – von Beat Jans, Nationalrat SP BS:

Der Neubau für das Amt für Umwelt und Energie (AUE) ist das richtige Gebäude zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Es löst zwei Probleme des Kantons und schafft erst noch Raum für bezahlbare Wohnungen. Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist es vernünftig und nachhaltig.

Der Neubau an der Spiegelgasse wird mit Holz und wiederverwertetem Beton gebaut und erhält eine Fassade, die aus Sonnenenergie mehr Strom produziert, als das Gebäude verbraucht. Wie schön und dezent sich Solarzellen heute in Fassaden integrieren lassen, kann man beispielsweise im Gundeldingerfeld am Silobau besichtigen. Der Neubau an der Spiegelgasse spart gegenüber dem alten Standort 90 Prozent Energie. Das sind pro Jahr knapp 50 000 Franken oder 46 Tonnen Treibhausgas weniger. Und er spart erst noch Platz. Die Fläche pro Arbeitsplatz sinkt um einen Drittel.

An der Spiegelgasse, wo der Neubau stehen soll, besitzt der Kanton zwei Liegenschaften in schlechtem Zustand. Diese Häuser wurden zwar zusammengelegt, die Stockwerke sind aber immer noch versetzt. Ein Unding, dessen Sanierung ebenfalls einen zweistelligen Millionenbetrag kosten würde. Hingegen eignet sich dieser Standort nicht zum Wohnen. Er ist schattig, hat keinen Aussenraum und ist wegen der Trams ziemlich lärmig. Es ist deshalb richtig, hier ein modernes, funktionales Bürogebäude zu bauen. Und es macht auch Sinn, das AUE dort einzuquartieren. Denn der Standort ist für die jährlich rund 4000 Kunden bestens erreichbar, ohne Auto und ohne lange Reise nach Kleinhüningen. Das heutige Gebäude des AUE an der Hochbergerstrasse ist eine Energieschleuder aus asbesthaltiger Bausubstanz. Es muss renoviert werden. Nun gilt es, die Chance zu nutzen. Wenn das AUE in die Stadt zieht, kann beim Hafen günstiger Wohnraum entstehen. Solcher ist bekanntlich sehr gefragt. Die Gegner bezeichnen das neue Verwaltungsgebäude als «goldenen Luxus-Neubau». Sie hantieren dabei mit Zahlen, die einer genauen Überprüfung nicht standhalten.

So blenden sie aus, dass ein Teil der Baukosten durch günstigere Energieausgaben wieder kompensiert wird. Auch die besondere Situation am Fischmarkt wird übersehen. Dort ist Bauen wegen der Erschliessung und der Baustellenorganisation nun einmal teurer als auf der grünen Wiese. Ebenfalls sind Kosten von 600 000 Franken für die archäologische Bodenforschung einberechnet.

Ein privater Investor würde an diesem Standort nichts anderes tun. Er würde einen Neubau mit Büros errichten und dieselben Mietpreise verlangen. Somit ist dieser Neubau in keinem Fall eine Fehlinvestition. Sollte der Kanton eines Tages zur Überzeugung gelangen, dass es einen anderen, besseren Standort für das Amt für Umwelt und Energie gibt, dann verfügt er über ein hervorragendes Bürogebäude, das sich bestens vermieten lässt. Ich unterstütze dieses Projekt aus Überzeugung und freue mich, dass endlich auch in Basels Innenstadt ein grosses Gebäude nach allerneusten Energie- und Umweltstandards gebaut werden soll.

KONTRA: Nein zum vergoldeten AUE-Luxusneubau – von Luca Urgese, Präsident FDP BS

Am 5. Juni stimmt Basel-Stadt über einen 20 Millionen Franken teuren Neubau für das Amt für Umwelt und Energie (AUE) ab, dessen Projektname «Ca’d’oro» («goldenes Haus») Programm ist. Ineffiziente Flächennutzung. Dieser als «Leuchtturmprojekt» verkaufte Neubau ist alles andere als ökologisch. Die vorgesehene Bürofläche (1629 Quadratmeter inklusive Nebenflächen für 74 Vollzeitstellen) soll völlig ineffizient genutzt werden, indem beispielsweise die antiquierte Regel angewendet wird, jedem Mitarbeiter mit einem Pensum von über 50 Prozent einen eigenen, festen Arbeitsplatz zuzuweisen.

Während es in der Privatwirtschaft heute üblich ist, die Räumlichkeiten möglichst effizient zu nutzen, sehen die geplanten Büroräumlichkeiten nette Zweierbüros mit sehr viel Platz für Aktenschränke vor. Papier statt Arbeitsplätze: Dies ist das Gegenteil einer verdichteten und effizienten Flächennutzung. Eine Arbeit der FHNW hat zudem aufgezeigt, dass wegen des Schattenverlaufs der Wirkungsgrad der Solarpanels an den Fassaden zwischen drei und zehn Prozent beträgt. Zum Vergleich: Üblich sind bei Solardächern um die 20 Prozent. Im energiepolitischen Fokus sollten vorbildliche Gebäudesanierungen stehen, nicht kostspielige Neubauten.

Der Kanton wendet für dieses Projekt über 20 Millionen Franken auf, zusammengesetzt aus Investitionen von 16 Millionen Franken plus Kosten für Landerwerb von nochmals mindestens 4 Millionen Franken. Dies ergibt in einer marktüblichen Kalkulation jährliche Mietkosten von über 500 Franken pro Quadratmeter. Der Kanton leistet sich also aus ideologischen Gründen völlig überteuerte Büroflächen für seine Angestellten.

Die Verwaltung setzt seit über einem Jahr die verkehrsfreie Innenstadt durch mit dem Ziel, so wenig motorisierten Verkehr in der Innenstadt wie möglich zu haben. Daher ist es geradezu absurd, wenn nun das AUE in der Innenstadt angesiedelt wird.

Das Amt ist in Kleinhüningen am richtigen Standort und auch mit dem Auto gut erreichbar, wenn etwa Gewerbetreibende zwischen zwei Baustellen dort vorbei müssen. Die Erreichbarkeit mit dem Auto würde sich mit dem Neubau erheblich verschlechtern. Kommt hinzu, dass das AUE mit seinem Fuhrpark den ohnehin schon knappen Parkraum in der Innenstadt belegen wird, indem Parkplätze für die eigenen Fahrzeuge gemietet werden müssen.

Die Innenstadt gehört zu den attraktivsten Standorten unseres Kantons. Hier sind private Betriebe anzusiedeln, die Kundschaft bringen, Wertschöpfung generieren und Leben in die Stadt bringen. Es gibt hingegen keinen vernünftigen Grund, Verwaltungsstellen an bester Lage anzusiedeln.

Dieses Projekt ist vor allem eines: ein überteuerter Prestigebau, der nicht hält, was er verspricht. Angemessene Büroräumlichkeiten stehen in unserem Kanton ausreichend zur Verfügung. Deshalb ein klares Nein zu diesem vergoldeten Luxusneubau.