Burgenpreis
Die Burgen in beiden Basel aus dem Dornröschenschlaf wecken

Die Burgenfreunde beider Basel wünschen sich mehr Andreas Looslis. Denn der Verein, der sich seit 81 Jahren die Erhaltung der Burgen auf die Fahnen schreibt, hat ein Problem: Viele der rund 60 Baselbieter Burgen und Ruinen sind am Zerfallen.

Andreas Hirsbrunner
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Andreas Loosli hält diesem Trend aus eigenem Antrieb etwas entgegen: Er hat die etwa 800 Jahre alte Burg Gutenfels, die auf einer Felsspitze oberhalb der Strasse von Bubendorf nach Arboldswil steht, in den letzten Jahren vom starken Bewuchs mit Büschen befreit. Dies nach Absprache mit der Archäologie Baselland und der Burgeigentümerin, der Bürgergemeinde Bubendorf.

Einzelner kann viel bewirken

Loosli hat deshalb den von den Burgenfreunden zum ersten Mal vergebenen – ideellen – Burgenpreis erhalten. Vereinspräsident Christoph Matt anerkennt: «Die Tätigkeit von Herrn Loosli zeigt, dass der engagierte Einsatz einer Privatperson für eine Burgruine in starkem Masse zu deren Erhaltung und zur Steigerung ihrer Attraktivität für Besucherinnen und Besucher beitragen kann.»

Durch die Rodungsarbeiten werde das Mauerwerk wieder besser besonnt und könne nach Durchfeuchtungen schneller austrocknen. Zudem sei der bauliche Zustand wieder gut zu beurteilen, sodass schneller auf Schäden reagiert werden könne.

Die Landskron thront im hinteren Leimental.
5 Bilder
Die Mauern der Landskron wurden bei einer öffentlichen Aktion saniert
An den Mauern arbeiteten 14 Leute.

Die Landskron thront im hinteren Leimental.

zvg/Marcel Wagner

Ein Dutzend Looslis wären im Baselbiet nötig, sagt Michael Schmaedecke. Der Archäologe engagiert sich in seiner Freizeit ebenfalls im Vorstand der Burgenfreunde und ist beruflich bei der Baselbieter Kantonsarchäologie unter anderem für die Burgen zuständig.

Dabei gilt übrigens innerhalb der Verwaltung die Aufgabenteilung, dass die Denkmalpflege jene Burgen und Schlösser betreut, die wie zum Beispiel Wildenstein ein Dach haben, und die Archäologie die dachlosen. Schmaedecke unterteilt die in seinen Aufgabenbereich fallenden Bauwerke in drei Kategorien: die Burgen in einem guten Zustand, die Burgen im Dornröschenschlaf und die Burgen mit drohendem oder tatsächlichem Substanzverlust.

Kanton saniert nur, was er muss

In die Top-Kategorie gehört nach ihrer umfassenden Renovation die Homburg zwischen Buckten und Läufelfingen. Und ebenfalls bald dorthin aufsteigen wird die Burg Pfeffingen, die jahrelang unter Substanzverlust gelitten hat: Sie wird in den nächsten Jahren für rekordhohe sieben Millionen Franken saniert, wobei die Sanierungsdauer im Rahmen des Sparpakets gestreckt wird. Schmaedecke rechnet mit dem Abschluss der Arbeiten im Jahr 2020.

Im Dornröschenschlaf, das heisst in einem mehr oder weniger stabilen, aber weitgehend unbetreuten Zustand sind etwa Alt-Schauenburg (Frenkendorf), Münchsberg und Engenstein (beide Pfeffingen). Unter Substanzverlust wie abbrechenden Teilen vor allem als Folge von Frostschäden leiden unter etlichen andern die Ruinen Neu-Schauenburg (Frenkendorf), Ramstein (Bretzwil), Wild-Eptingen oder Fürstenstein (Ettingen). Das Problem sei, so Schmaedecke, dass der Kanton nur für die wenigen Burgen in seinem Besitz eine Sanierungspflicht habe. Bei den andern Burgen, die in Gemeinde- oder Privatbesitz sind, könne der Kanton mit seinen beschränkten Ressourcen lediglich beratend wirken.

Vorbild Reigoldswil

Als besonders positives Beispiel für eine Gemeinde, die als Burgbesitzerin das Zepter selber in die Hand genommen hat, hebt Schmaedecke Reigoldswil hervor: Die knapp 200000 Franken teure, gut gelungene Sanierung der Burg Rifenstein hat die Gemeinde mittels eines grossen Ruinenfestes und mit Unterstützung des Lotteriefonds finanziert. Ein anderes Modell spielt in Muttenz: Dort sorgt der Verein Pro Wartenberg für den Unterhalt der drei Burgen vorderer, mittlerer und hinterer Wartenberg. Schmaedecke sagt: «Wir sollten zu unsern Burgen schauen, denn sie sind als architektonische und historische Quellen sowie Landmarken ein Teil unserer Heimat.»

Und dann folgt ein überraschender Zusatz: «Wir müssen aber auch akzeptieren, dass es einzelne Burgen gibt, die wie Menschen altern und irgendwann sterben. Ihre verschütteten Teile sind dann archäologisches Potenzial für spätere Generationen. Das hat einen eigenen Reiz.»