Ticket-Wirrwarr
Die BVB bremsen Einkaufstouristen aus

Die Tramfahrt zwischen Weil am Rhein und der Nordwestschweiz bleibt ein tarifliches Wirrwarr: Für Fahrgäste aus der Basler Agglomeration gibts am Automaten in Weil keine Rückfahrttickets mehr.

Peter Schenk
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Derzeit kostet die Fahrt von Weil nach Basel am Automaten noch 3.40 Franken oder 3.10 Euro.

Derzeit kostet die Fahrt von Weil nach Basel am Automaten noch 3.40 Franken oder 3.10 Euro.

Nicole Nars-Zimmer niz

Da wundert man sich, wenn die Fahrgäste nicht klar kommen. Am vergangenen Mittwoch erklärte der BVB-Chauffeur einer Dame, die mit ihrem Billett mit dem 8er-Tram von der Endhaltestelle in Weil am Rhein nach Arlesheim fahren wollte, dass dies neuerdings nicht mehr möglich sei. Warum könne er allerdings auch nicht erklären.

Die Nachfrage bei Claudia Demel, Mediensprecherin der Basler Verkehrs-Betriebe (BVB), ergab, dass es die Billetts von Weil in die TNW-Tarifzonen 11, 12 und 13, also auch nach Arlesheim, nie gegeben hat. Darüber sollen nun auch die BVB-Chauffeure noch einmal informiert werden. Die gute Nachricht: Das soll sich ändern. «Wir arbeiten daran. Die Umsetzung ist noch nicht genau terminiert, aber für 2017 geplant», verspricht Demel.

Für 4.70 Franken nach Weil

Auf den Fahrplanwechsel zum 11. Dezember allerdings kommt eine andere Neuerung. Und die ist alles andere als positiv. Ab dann nämlich sind das GA, das Halbtax und die Schweizer Tageskarte auf dem deutschen Teilstück des 8er-Trams nicht mehr gültig. Dazu kommt eine Tariferhöhung. Statt bisher 3.10 Euro oder 3.40 Schweizer Franken, die Automaten akzeptieren beide Währungen, kostet die Rückfahrt dann 3.25 Euro.

Paradox bleibt, dass das in Basel nach Weil gelöste Billett erheblich teurer ist. Ohne GA oder schweizweite Tageskarte muss man dann mit 4.70 Franken tief in die Tasche greifen (zu den Tarifen siehe Box).

Ein kleiner Vorteil bleibt für die GA-Besitzer

Ab 11. Dezember müssen Inhaber von GA und schweizweit gültiger Tageskarte von Basel für die Fahrt nach Weil am Rhein ein Anschlussticket für 2.70 Franken lösen. Für den Rückweg benötigen sie ein 1-Zonen-Billett des RVL zum vollen Preis von 2.40 Euro. Wer ein Halbtax hat, erhält keinerlei Ermässigung mehr. Das heisst: Von Basel brauchen die Inhaber ein Zwei-Zonen-Billett zum vollen Preis von 4.70 Franken und für den Rückweg ein 2-Zonen-Billett zum vollen Preis von 3.25 Euro oder umgerechnet zum gültigen Kurs in Franken, die der Automat ebenfalls akzeptiert. Keine Sorgen müssen sich die Inhaber des U-Abos machen. Es bleibt weiterhin für Hin- und Rückweg auf der deutschen Teilstrecke des 8er-Trams gültig. Die gleiche Regelung wird es voraussichtlich auch für die 3er-Tramverlängerung nach Saint-Louis geben, die Ende 2017 fertiggestellt sein soll. (psc)

In ihrer Medienmitteilung versuchen die BVB die Verschlechterung für viele Kunden der 8er-Tramverlängerung als «transparente Tarifpolitik» positiv zu verkaufen. «Für Kundinnen und Kunden der BVB ist nicht nachvollziehbar, dass die nationalen Fahrausweise grenzüberschreitend nur auf der Linie 8, nicht aber auf den anderen Linien zwischen Basel und dem grenznahen Deutschland und Frankreich gültig sind. Dies haben seit Inbetriebnahme auch verschiedene Kundenreaktionen gezeigt», heisst es.

Hauptgrund sind die Kosten

Die Gültigkeit von GA, Halbtax und Schweizer Tageskarte geht auf einen politischen Vorstoss von 2014 zurück und ist von den BVB zwei Jahre lang getestet worden. Die Abschaffung geschieht in Rücksprache mit dem Bau- und Verkehrsdepartement. Hauptgrund dafür dürften die Kosten sein.

So haben Erhebungen Ende 2015 ergeben, dass der GA-Anteil auf der Strecke mit über zehn Prozent erheblich höher als erwartet lag. Im Unterschied zum U-Abo, das weiterhin auch nach Weil gültig sein wird, müssen BVB und Kanton dem Regio Verkehrsverbund Lörrach (RVL) Einnahmeausfälle vergüten, die durch GA, Halbtax und Tageskarte entstanden. Genaue Zahlen sind noch nicht bekannt. Laut BVB-Mediensprecherin Demel handle es sich aber um einen höheren fünfstelligen Betrag.

Als «Rückschlag für die trinationale Zusammenarbeit» bezeichnet Heinrich Ueberwasser, SVP-Grossrat und Präsident des trinationalen Districtsrats, die Massnahmen. «Wie sollen wir das Herzstück mit einem gemeinsamen Verkehrsnetz realisieren, wenn Behörden und BVB schon bei der einfachen Aufgabe des publikumsnahen Tarifs bei der verlängerten Tramlinie scheitern?», kritisiert er. «Trinationale Zusammenarbeit misst sich am Nutzen, den sie Menschen und Gewerbe bringt.»