Restwert
Die BVB ersetzen gute Gleise, um weniger Baustellen zu produzieren

Während Jahren sanierte die BVB jeweils nur marode Gleis-Stellen. Nun fand ein Umdenken im Bereich Infrastruktur statt, was zur Folge hat, dass auch «gute» Gleisabschnitte neu saniert werden.

Benjamin Rosch
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Die BVB wollen den Flickenteppich in ihrem Liniennetz beheben.

Die BVB wollen den Flickenteppich in ihrem Liniennetz beheben.

Kenneth Nars

Seit 2010 sind die Kosten für den Schienenmeter explodiert. Damals lag der Preis für einen Meter einspuriges Tramgleise noch bei rund 20 000 Franken. Fünf Jahre später waren es 30 000. Neu ist diese Information nicht, die Finanzkontrolle notierte dies in ihrem Bericht Ende vergangenen Jahres. Über die Gründe hingegen wurde viel spekuliert, denn die «Basler Zeitung» zitierte damals den Bericht wie folgt: ««Trotz Abklärungen durch das Tiefbauamt gab es keine plausible Erklärung für diese Kostenzunahme. Auch bei unseren Prüfungen erhielten wir keine einleuchtende Erklärung.»

Die Uvek wird sich der Sache noch umfangreich annehmen, wie mehrere Mitglieder gegenüber der bz bestätigen. Eine Spur fand sie im Ersatz von Gleisen, die sich eigentlich noch in annehmbaren Zustand befinden. Im Bereich Infrastruktur hat bei den Basler Verkehrsbetrieben ein Umdenken stattgefunden: Während Jahren schuf diese Abteilung einen sogenannten «Flickenteppich», indem sie jeweils nur die maroden Stellen reparierte. Seit einiger Zeit hingegen werden ganze Streckenabschnitte saniert.

Sechsstellige Abschreiber

LDP-Grossrat Heiner Vischer hat seine Beobachtungen am Steinenberg in einer Interpellation thematisiert. Die Regierung antwortete ihm, dass die ersetzenden Gleise einen Restwert von rund 400 000 Franken haben. Einen beträchtlichen Anteil daran haben Stellen, die in noch annehmbaren Zustand ersetzt werden. Mindestens 40 Meter davon würden noch fünf Jahre halten. Es sind die geraden Abschnitte, die erst vor elf Jahren saniert worden sind.

Für Vischer ein Ärgernis: «Es ist nicht ersichtlich, warum Gleise erneuert werden, die noch fünf Jahre halten würden. Das ist unnötig.» Er vermutet, dass es noch weitere Baustellen gibt, an welchen die BVB passable Gleise ersetzen. Und tatsächlich: Auch bei der aktuell prominentesten Baustelle von Rheinbrücke bis Greifengasse werden Gleisteile vernichtet, die erst vor kurzem noch saniert wurden. Die Restwertvernichtung bei diesem Projekt beträgt 16 Prozent der Gesamtkosten von etwas über drei Millionen, also rund eine halbe Million Franken.

Der Grund für den Verschleiss noch annehmbarer Schiene sehen die BVB hingegen im Komfort: «Um die Auswirkungen auf öV-Kundinnen, Gewerbe und Anwohner möglichst gering zu halten, planen die BVB, während der notwendigen Vollsperre auch die Schienen auf der geraden Strecke zu ersetzen.» Vischer beruhigt dies nicht: «Ich werde mich mit der Antwort des Regierungsrats nur teilweise einverstanden erklären können.»

Darüber hinaus verneint Sprecherin Claudia Demel eine Verbindung zur Kostenexplosion beim Gleismeter, da der Restwert nicht Teil der Kostenkalkulation sei. Den Grund für den Preiszuwachs liege vielmehr in einer verbesserten Administration: «Die Kostenzunahme ist Folge einer heute transparenten und vollständigen Aufwanddarstellung. In der Vergangenheit erfolgten die Abrechnungen nach wenigen, groben Kriterien und waren deshalb eher ungenau.»