Krise

Die BVB haben zu wenig Personal – immer mehr Tram- und Busausfälle sind die Folge

Kurve noch nicht gekriegt: Bei den BVB fehlt Fahrpersonal

Seit Anfang Monat mussten über 50 Trams und Busse im Depot bleiben, weil Fahrpersonal fehlte. Ausfälle können kaum mehr kompensiert werden.

Die Basler Verkehrsbetriebe laufen am Limit. Alleine am Wochenende sind 20 Dienste ausgefallen, sprich 20 Tramführer oder Busfahrer, die ihren Dienst nicht angetreten haben, konnten nicht rechtzeitig ersetzt werden. Die Trams oder Busse blieben im Depot. Zum Vergleich: 2018 wurden insgesamt 25 Dienstausfälle gezählt – im ganzen Jahr.

Recherchen der bz zeigen: Die Situation spitzt sich zu. Obwohl sich die Personalsituation in den Führerkabinen schon lange äusserst angespannt darstellt, konnten die BVB lange Zeit die Löcher stopfen. Im ersten Halbjahr 2018 noch konnte für jeden drohenden Dienstausfall eine Lösung gefunden werden. Und auch in der zweiten Jahreshälfte bewegten sich die Ausfälle noch im einstelligen Bereich. Bei insgesamt rund 10'800 Diensten pro Monat fallen solche Zahlen kaum ins Gewicht. In den letzten Monaten zeigte die Kurve jedoch steil nach oben.

Keine Personalreserven mehr

Die Dienstausfälle sind unterschiedlich lang. Teilweise fallen die Trams oder Busse nur gerade mal 15 Minuten aus, teilweise mehrere Stunden. Welche Linie von einem Kursausfall getroffen wird, wird nach vordefinierten Kriterien entschieden, beispielsweise Tageszeit und Auslastung. «Ziel ist es, dass jeweils möglichst wenig Fahrgäste vom Dienstausfall tangiert werden», sagt BVB-Sprecher Benjamin Schmid.

Der Grund für den aktuellen Anstieg der Dienstausfälle hänge insbesondere mit den Mehrleistungen zusammen, die das öV-Unternehmen im Zusammenhang mit den Gleiserneuerungsarbeiten seit Ende März 2019 erbringe – aktuell beim Dorenbachviadukt und Centralbahnplatz, ab dem 20. Mai zusätzlich Gleiserneuerungsarbeiten in Allschwil, zählt Schmid auf. Sprich: Die BVB verfügen über keinerlei Personalreserven, um mehr als den täglichen Betrieb zu bewältigen. Dies zeigt auch die Häufung an Dienstausfällen rund um Fussballspiele. So fehlten nach dem Match FCB-FCZ am 4. Mai sieben Einsatzkurse, um die Fans vom Stadion wegzufahren.

«Die aktuelle Zahl der krankheitsbedingten Abwesenheiten bleibt stabil», sagt Schmid. Das ist allerdings nur sehr bedingt eine gute Mitteilung. Wie die BVB vor kurzem auf ihrer Jahresmedienkonferenz mitteilten, stiegen die krankheits- und unfallbedingten Absenzen vergangenes Jahr erneut. Pro Vollzeitstelle fallen 22,2 Tage an. Deswegen stiegen die Ausgaben für die Krankentaggeldversicherung markant an, von 2,1 auf 3,5 Millionen Franken.

100 neue Fahrer pro Jahr

Die hohe Quote bei den Krankheitsausfällen ist bei den BVB seit Jahren ein Dauerbrenner und hängt auch mit dem bekanntermassen schlechten Betriebsklima und der notorisch tiefen Mitarbeiterzufriedenheit zusammen. Auch hier ist keine Lösung in Sicht. Bei der letzten Mitarbeiterbefragung waren die Werte noch schlechter als bei der letzten grossen Krise vor zwei Jahren. Offenbar wurde das Problem von der BVB-Spitze lange Zeit unterschätzt. Dazu kommt, dass das Image des Unternehmens durch die Skandale und Krisen der letzten Jahre stark gelitten hat.

«Realistischerweise wird die Situation noch ein paar Monate so bleiben», sagt BVB-Sprecher Schmid. «Wir setzen alles daran, die Zahl der Dienstausfälle zu reduzieren, aber das geht nicht von heute auf morgen.» So rekrutieren die BVB zurzeit massiv neues Personal. «Wir bilden dieses Jahr 100 Personen für den Fahrdienst aus und 2020 nochmals so viel», sagt Schmid. Wenn man die Pensionierungen und die übliche Fluktuation abzieht, seien das jeweils 50 zusätzliche Wagenführer und Busfahrer. Dazu kommt temporäres Fahrpersonal, mit dem die BVB die Situation schon seit längerem zu entschärfen versuchen.

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