Öffentlicher Verkehr
Die BVB kaufen 60 «Drämmli» für 220 Millionen Franken

Die Basler Verkehrsbetriebe (BVB) haben sich für die «Flexity-Trams» von Bombardier entschieden und kaufen gleich 60 Stück. Viele der Offerten waren in Punkto Leistung vergleichbar, ausschlaggebend aber war letztlich der unschlagbare Preis.

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BVB-Direktor Jürg Baumgartner freut sich, dass der Verwaltungsrat einstimmig der Empfehlung der Geschäftsleitung gefolgt ist: «Basel ist seit je her eine Tramstadt, die Drämmli sind identitätsprägende rollende Wahrzeichen von Basel.» Der Kauf ist der grösste Beschaffungsauftrag, den die BVB in ihrer 116-jährigen Geschichte vergeben hat. Vorbehältlich des Entscheids des Grossen Rats um die Bewilligung eines Darlehens sollen ab 2014 die ersten „Flexitys" in Basel eintreffen.

Das «Flexity» verkehrt bereits in Übersee

Das «Flexity» verkehrt schon in Städten wie Augsburg, Brüssel, Genf, Graz, Innsbruck, Marseille, Palermo und sogar Toronto. Dass das Tram bereits in Deutschland und Frankreich zugelassen ist, wird als Vorteil im Hinblick auf die Verlängerung von BVB-Tramlinien nach Weil am Rhein (D) und Saint-Louis (F) gewertet.

Neben Bombardier hatten auch die Schwizer Stadler Rail und der deutsche Siemens-Konzern. Die Entscheidung ist dem BVB denn auch nicht leicht gefallen: «Die Angebote der Hersteller sind in Bezug auf die Leistung durchaus vergleichbar, alle haben die Leistungskritierien gut bis sehr gut erfüllt. Das entscheidende Argument für Bombardier, den grössten Tramhersteller Europas, war letztlich der Preis», erklärt Martin Gudenrath, Verwaltungsratspräsident der BVB.

Der Preis ist heiss

Dies heisst im Klartext: Bis zu 70 Millionen Franken war Bombardier günstiger als die Konkurrenz. So hat die Stadler ihren «Tango» für 294 Mio. Fr. bei einem Niederflur-Anteil von 75 Prozent und für 257 Mio. Fr. bei 100 Prozent Niederflur offeriert. Siemens seinerseits, die der BVB schon 28 «Combino»-Trams geliefert hatte, verlangte für 60 Exemplare des neuen «Combino II» 282 Mio. Franken. Verglichen mit diesen Zahlen scheint die Summe, die Bombardier verlangt, geradezu klein: 220 Millionen Franken für 60 Trams, d.h. 3,66 Mio pro Tram.

Ursprünhlich waren die BVB von einem Kostenrahmen von 300 Millionen Franken ausggangen.

Schon 2013 kommen ersten beiden Kombinationen

Schon 2013, rechtzeitig zur Inbetriebnahme der Verlängerung der Tramlinie 8 nach Weil am Rhein, sollen die ersten beiden «Flexitys» auf dem Schienennetz verkehren. Ab 2014 soll Bombardier pro Monat zwei Züge ausliefern, die hauptsächlich in Österreich und Deutschland produziert werden. Auch der Bombardier-Standort Villeneuve im Waadtland ist an der Herstellung beteiligt.

Die BVB bestellen das «Flexity»-Tram als Ersatz für 101 alte Trams in zwei Varianten: Von der 43,2 Meter langen Version mit acht Türen und einer Kapazität von 254 Passagieren werden 43 Exemplare beschafft. Hinzu kommen 17 sechstürige 31-Meter-Kurzzüge, die 183 Fahrgäste aufnehmen können. Der Deal mit Bombardier umfasst zudem eine Option auf 51 weitere Trams zum gleichen Preis.

Ursprünglich für den «Tango» entschieden

Die BVB und die Baselbieter BLT hatten ursprünglich ihre Trams gemeinsam beschaffen wollen und sich für den «Tango» von Stadler entschieden. 2010 machte die BVB jedoch einen Rückzieher, weil das «Tango»-Tram mit nur 75 Prozent Niederflur als nicht ideal für den Einsatz in der Stadt beurteilt wurde. In den Vororttrams der BLT stehen die Stadler-Trams jedoch bereits im Einsatz.