Öffentlicher Verkehr

Die BVB sind auf dem Holzweg bei ihren Flexity-Trams

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Die Finanzierung der neuen Flexity-Trams ist gesichert - die Innenausstattung steht aber noch zur Debatte. Die BVB befragte dazu ihre Kunden: Eine Mehrheit der Fahrgäste ist für Holzsitze in den Trams – aber nicht in allen Quartieren.

Die Beschaffung von 60 neuen Flexity-Trams für die BVB kommt voran. Die Basler Regierung hat diese Woche beim Grossen Rat einen Kredit von 185 Millionen Franken beantragt. Zusammen mit den rund 70 Millionen Franken, die von den BVB selbst aufgebracht werden, ist die Finanzierung damit gesichert.

Alles andere als gesichert scheint die Innenausstattung des Niederflurgefährts zu sein. Zwischen dem 5. und dem 23. März haben die Basler Verkehrsbetriebe (BVB) ihre Fahrgäste aufgefordert, kundzutun, ob sie lieber auf Holz- oder auf Stoffsitzen durch die Stadt kutschieren. In der aufwändigen Marktforschung – Kostenpunkt 50000 Franken – wurde ein Combino mit Holzsitzen ausgestattet und auf verschiedenen Strecken auf die Reise geschickt.

Suggestive Art der Befragung

Über die Auswertung wird bis zur Muba, die Mitte April startet, Stillschweigen bewahrt. Dort sollen die Resultate kommuniziert und am BVB-Stand auch gezeigt werden. BVB-Sprecherin Dagmar Jenny hat jedoch bereits gesagt, dass von den Befragten eine Mehrheit von rund sechzig Prozent für die Holzausstattung votierten.

Recherchen des «Sonntags» zeigen allerdings, dass eine Nachprüfung diverse Mängel bei der Umfrage offengelegt habe. Zum einen hatte die Art der Befragung einen suggestiven Charakter, der die Umfrageresultate verfälschte. Bereits bei der «Fakten»-Darstellung erhalten die Holzsitze eindeutig bessere Noten.

Holz schwingt etwa bei der Beschreibung der Hygiene obenauf: «Die einteilige Sitzschale sowie die glatte Oberfläche führen insgesamt zu einer verbesserten Hygiene, da sich die Sitze leichter reinigen lassen.» Stoff hingegen bedeute: «Feuchtigkeit und Schmutz werden vom Polster leichter angenommen». Gleiches zur Anfälligkeit von Vandalen-Akten: «Der geringe Widerstand gegen scharfe Gegenstände führt beim Stoffsitz zu höherer Anfälligkeit.» Holz hingegen biete einen grösseren Widerstand: «Das Material wirkt dem Vandalismus entgegen.»

Unterschied in den Quartieren

Die BVB-Führung- hatte schon bei der Fahrzeugbeschaffung den ersten Entscheidungen, die zusammen mit der BLT gefällt wurden, misstraut. Sie startete eine Überprüfung und deshalb kauft Basel-Stadt nun keine Tango- sondern Flexity-Trams. Aufgrund der angenommenen Verfälschung des Umfrageresultats gab die Geschäftsleitung deshalb auch eine Detailauswertung in Auftrag, wie es die Basler nun mit der Sitzgelegenheit in den Trams halten. Das bemerkenswerte Resultat: Die Akzeptanz der Materialien Holz und Stoff schwankt erheblich zwischen den Quartieren.

Vor allem die Befragungen auf der 6er-Linie vom 5. bis zum 8. März und auf der 8er-Linie vom 11. bis zum 13. März zeigen die unterschiedlichen Präferenzen. Auf der 8er-Fahrt vom wohlhabenden, ökologisch bewussten Neubad nach Kleinhüningen, in dem ein spezifisch anderes Fahrgastpublikm wohnt, wandelte sich auch das Abstimmungsverhalten: Waren die Neubad-Bewohner grossmehrheitlich auf Holz eingestellt, so bevorzugten die Kleinhüninger ebenso eindeutig die Stoffvariante.

In den absoluten Zahlen kam dies zunächst nicht klar zum Vorschein, da sich die Neubadler sehr offensiv für Holz aussprachen, während sich verhältnismässig wenig Kleinhüninger fanden, die für die BVB-Befragung gewonnen werden konnten. Ein ähnliches Phänomen zeigte sich auf der 6er-Linie: Während sich das vorstädtische Allschwiler-Publikum lieber auf Stoff setzte, fanden es die Riehener ausgesprochen chic, die Holzschalensitze auszuprobieren.

Bombardier-Veto zu Kompromisslösung

Die Resultate verkomplizieren nun die Entscheidfindung der BVB-Spitze. Da beide Varianten etwa gleich teuer sind, fällt dieses Argument für einen eindeutigen Entscheid aus. Gegen die zur Sprache gebrachte Variante, die Flexity-Trams sowohl mit Holz- wie mit Stoffstühlen auszustatten, sprachen die Designer des Bombardier-Konzern ihr Veto aus. Auch die internen Verkehrsplaner hatten gemäss vorliegenden Informationen Bedenken, da dadurch der Ein- und Aussteigefluss gestört werden könnte.

Eine Variante, die intern weiterhin im Gespräch ist, geht von einer Modifizierung der Linienführung aus. Demnach könnte der 6er künftig von Allschwil nach Kleinhüningen und der 8er vom Neubad nach Riehen fahren. Damit wäre das Publikum – sitzmässig – zwar optimal bedient, da jedoch jede Veränderung politisch heikel ist, werden die entsprechenden Pläne strikt unter Verschluss gehalten. Dass jedoch bereits erste Fahrpläne für die neue Linienführung entworfen werden, mochte BVB-Sprecherin Dagman Jenny auf Anfrage des «Sonntag» nicht dementieren.

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