«Besser-werben.ch» steht als Dachwerbung auf mehreren BVB-Tram-Anhängerwagen. Doch diese Homepage gibt es heute nicht mehr. Sie war bis vor kurzem den BVB angegliedert und sollte helfen, Werbung auf Trams und Bussen zu akquirieren. Allerdings und ganz augenscheinlich mit beschränktem Erfolg. Der Grossteil der neuen Flexity-Trams und Citaro-Busse fahren werbefrei durch die Stadt. Der bei den BVB für die Vermarktung von Werbeflächen zuständige Hans-Georg Bell begründet dieses Manko mit der neuen Fahrzeugflotte, dem neuen Werbekonzept und anderen Werbeformaten. Doch auch bei etlichen älteren Trams und Bussen fehlt die Dachreklame ganz oder teilweise. Die verfügbaren Aussenwerbeflächen sind gemäss BVB-Medienstelle nur zu 65 Prozent belegt.

Fall von Selbstbeschränkung?

Mit den nicht genutzten Werbeflächen ist den BVB eine rechte Stange Geld entgangen. Das zeigen die bis kurzem geltenden BVB-Werbetarife. Für eine Dachwerbung (Combino/Flexity) haben die BVB bisher 41 000 Franken pro Jahr verlangt. Wer ein ganzes Tram oder einen Bus im Firmenlook gestalten will, die sogenannte Vollwerbung, muss dafür 300 000 Franken hinlegen. Über den Daumen gepeilt ist in den letzten Jahren bei Tram und Bus ein Millionenbetrag zusammengekommen. «Das Geschäft mit Werbemitteln in und auf unseren Fahrzeugen generiert einen zusätzlichen Ertrag zu den uns zur Verfügung stehenden Mitteln. Entsprechend kann nicht von Mindereinnahmen gesprochen werden», entgegnet BVB-Sprecher Benjamin Schmid und spricht von einem «Selbstbeschränkungskonzept».

Kein Kerngeschäft

Anders sieht die Situation bei der BLT aus. Kaum ausgeliefert, fahren die meisten der neuen Tango-Trams mit Werbung auf dem Dach durch die Gegend. 25 000 Franken kostet bei der BLT die Dachwerbung. 85 Prozent der BLT-Werbefläche sind verkauft, und dies obwohl dort nur ein Mitarbeiter im Nebenjob mit der Akquisition und Betreuung von Werbekunden betraut ist. Trotzdem wurde dieser Bereich kürzlich ausgegliedert und der Moving Media AG übertragen. «Werbevermarktung gehört nicht zu unserem Kerngeschäft», begründet BLT-Direktor Andreas Büttiker diesen Schritt. «Das ungenutzte Potenzial soll nun durch die ganz auf den Werbemarkt fokussierte Firma erschlossen werden.» Moving Media ist eine gemeinsame Tochterfirma von BVB und BLT, an der die Basler mit zwei, die Baselbieter mit einem Drittel beteiligt sind. Als erster Schritt wurden die Preise harmonisiert. Neu kostet die Dachwerbung auf einem langen Tram 31 000 Franken pro Jahr. Bei den BLT betrug sie bisher 25 000 Franken. Zum Vergleich: Die Zürcher Verkehrsbetriebe verlangen dafür 26 000, Bernmobil 15 000 Franken.

Verschiedene Tarife

Geschäftsführer von Moving Media ist der frühere BVB-Verantwortliche Hans-Georg Bell. Bei den BVB-Fahrzeugen kann er mit etwas günstigeren Tarifen auf Kundenakquisition gegen, bei der BLT muss er dagegen mit höheren Tarifen operieren. BLT-Direktor und Moving Media-Verwaltungsratsvizepräsident Andreas Büttiker erwartet dank der Auslagerung in einen rein privatwirtschaftlichen Betrieb für die nächsten fünf Jahren Mehrerträge von rund 50 Prozent (800 000 Franken), welche die öffentliche Hand entlasten und den Druck auf Tarifanpassungen reduzieren sollen. Falls moving media Basel AG diese Ziele nicht erreicht, zitiert Büttiker Shakespeare und meint lakonisch: «To be or not to be.»

Staatliche Werbekunden

Eines haben BVB und BLT punkto Werbung gemeinsam: Bei beiden platzieren die lokalen Stromanbieter EBM und IWB Werbung, obwohl sie als Quasi-Monopolisten diese gar nicht nötig hätten. So fliesst Geld von einer halbstaatlichen Kasse zur anderen. Kein Geld erhalten die BVB für das wohl schönste Werbe-Tram: das rot-blaue FCB-Tram. «Die BVB hat dieses Tram von sich aus so gestaltet und freut sich, damit ihren Teil zum positiven Image der Fussballstadt Basel beitragen zu dürfen», erklärt BVB-Mediensprecher Benjamin Schmid. Imagetransfer nennt sich das in der Werbebranche, wenn man sich im Glanze der Verdienste anderer sonnt.