Neue Busse
Die BVB wollen mit eigenen Innovationen Buspioniere werden

Bis 2020 wird die BVB ihre Busflotte komplett erneuern. In einem ersten Schritt werden 52 neue Dieselbusse gekauft. Für die Zukunft wird aber an eigenen Innovationen getüftelt. So sollen sich die Busse an den Haltestellen selber mit Strom aufladen.

Moritz Kaufmann
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Die BVB wollen 52 neue Dieselbusse beschaffen. Die Ausschreibung läuft ab Mittwoch.

Die BVB wollen 52 neue Dieselbusse beschaffen. Die Ausschreibung läuft ab Mittwoch.

Martin Töngi

«Sie haben den schwierigsten Job der Welt», ermahnte BVB-Direktor Jürg Baumgartner am Dienstagmittag die Journalisten eindringlich, «Sie müssen den Leuten erklären, dass Dieselbusse ökologischer sind als Gasbusse.» Aus dieser Aufforderung von Baumgartner war Nervosität herauszuhören. Die BVB müssen in den nächsten anderthalb Jahren zwei Drittel ihrer Busflotte von rund 100 Fahrzeugen erneuern. Die Diesel-Busse von MAN haben das Ende ihrer Lebensdauer erreicht. Kaufen wollen die BVB nun erneut Dieselbusse – und nicht etwa Gas- oder Hybridbusse, die landläufig als umweltfreundlicher gelten.

Sechs neue Flughafenbusse

Zusätzlich zu den 46 neuen Bussen kaufen die BVB sechs grosse Diesel-Gelenkbusse extra für die Flughafenlinie 50. Spätestens Ende 2015 werden diese die heutigen Busse ersetzen. «Doppelgelenkbusse waren kein Thema», sagte BVB-Direktor Jürg Baumgartner. Der Grund: «Basel ist eine Velostadt.» Im Langsamverkehr würden die unberechenbar schwankenden Busse nicht goutiert. Trotzdem: Die neuen Flughafenbusse seien grösser als die heutigen. (MKF)

Um kritischen Fragen zuvor zu kommen, boten die BVB neben Direktor Baumgartner auch externe Experten auf. Diese versicherten: Dieselbusse der neuesten Generation sind sauberer, leiser und effizienter als ihre mit Gas oder Benzin betriebenen Pendants.

Neue Busse ab Anfang 2015

Am Mittwoch wird der Auftrag für 46 neue Dieselbusse ausgeschrieben. Bis Mitte nächstes Jahr dürften die BVB ein Modell ausgesucht haben. Ab Anfang 2015 sollen die neuen grünen Busse durch die Basler Strassen kurven. Pro Stück rechnen die Basler Verkehrsbetriebe mit einem Preis von rund 600 000 Franken. «Dieselbusse sind das Beste, was es derzeit auf dem Markt gibt», versicherte Baumgartner noch einmal, «Gasbusse sind auf dem Stand von 2001 stehen geblieben.»
Aber: Bis 2020 müssen auch die 38 Gasbusse ersetzt werden, welche die BVB heute in Betrieb hat. Bis dann wollen die BVB – so das Bekenntnis – den «Bus der Zukunft» ausschreiben.

Joint Venture mit anderen Städten

Wie dieser genau aussieht, konnte Jürg Baumgartner gestern vor den Medien noch nicht sagen. Die BVB sind aber gewillt, selber an der Entwicklung mitzuwirken. Parallel zu den Dieselbussen kaufen die BVB vier Hybridbusse zu Testzwecken. Gleichzeitig werden Elektrobusse in der Stadt auf ihre Tauglichkeit erprobt. Selbst erklärtes Ziel der BVB ist, irgendwann in der Basler Innenstadt emissionsfrei herumzufahren. «Dieselbusse sind zwar 1000 Mal besser als Gasbusse, aber sie sind immer noch ein Scheissdreck», drückte es Baumgartner drastisch aus.
Die BVB wollen deshalb mit den Verkehrsbetrieben in St. Gallen, Winterthur und Bern gemeinsam ein Joint Venture gründen, um an neuen Technologien zu forschen. «In Europa ist die Schweiz in dieser Hinsicht am innovativsten», hält Baumgartner fest. Einzig gewisse asiatische Städte in Japan und Taiwan sowie Hongkong seien noch weiter.

Batterie an der Haltestelle aufladen

«Die Industrie ist ein wenig faul», erklärt Baumgartner das eigene Vorpreschen, «man muss sie ab und zu ein wenig zwingen.» Deshalb wolle man nun mit den eigenen Ingenieuren an neuen Innovationen tüfteln und mit den anderen Verkehrsbetrieben eine Marktmacht aufbauen. Ausserdem wolle man «den Ehrgeiz der Fachhochschulen und ETH kitzeln.» Baumgartner schwant etwa vor, dass in Zukunft Busse mit Batterien unterwegs sind, die an jeder Haltstelle kurz aufgeladen werden, sodass der Saft für 300 bis 500 Meter bis zur nächsten Station reicht.
Baumgartners Begeisterung war spürbar. Was allerdings am Ende wirklich bei dem Projekt herauskommt, ist derzeit völlig offen. Dass die Busse 2020 nicht doch wieder mit Diesel fahren, konnte Baumgartner nicht ausschliessen. Von seinem Plan scheint der BVB-Direktor aber voll und ganz überzeugt: «Ich kann nicht beweisen, dass es funktioniert.»