Die Angst vor dem Mauerfall – ein Liebesbrief

Lieber Walter

Ich bitte Dich: Bleib. Vor zwei Jahren erst kamst Du zu uns, doch hast du Dich sofort in unser Herz gegrätscht. Du bist ein Spieler, den hier alle verehren. Da ist Dein Stellungsspiel: Du liest den Gegner wie eine Kurzgeschichte von Jorge Luis Borges. Du stehst am richtigen Ort, eine mächtige und starke Córdoba-Eiche. Majestätisch wie der Mailänder Dom blickst Du auf die Gegnerschar, mit deinen Augen, so Azur wie das Trikot der Albiceleste.

«Il Muro» wirst Du genannt, dabei springst Du yaguareté dem Gegner kompromisslos in die Füsse, sollte es die Situation erfordern. Du lachst kaum. Lachen wäre Schwäche, lachen würde bedeuten, nicht zu arbeiten, sich nicht zu verreissen für die Clubfarben. Unter all Deinen Fähigkeiten ist Deine Loyalität wohl die wertvollste. Ob Sportanlage Sandreutenen gegen Münsingen oder San Siro gegen Mailand – Dein Arbeitseifer war stets der Gleiche. Vor Deinen Beinen waren sie alle gleich, stand nun «Beckham» oder «Buess», «Dabbur» oder «Drogba» auf dem Rücken Deiner Widersacher.

Defensiv-Verwalter Samuel. Mr. Walter Blue-and-White. Samuel, der Prophet, verhiess uns zwei gute Jahre, nun lass es bitte drei werden. Zu gerne würden wir noch eine Saison Deinen Kampfeswillen und bedingungslosen Einsatz sehen, mit denen Du jene in den Schatten stellst, deren Vater du sein könntest. Ich bitte Dich: bleib. (bro)

Das Gedicht für Walter: «El cantar del mío Muro»

Llorando de los ojos como no visteis tal
Asi se parten unos de otros como las uñas de la carne
Mio Muro con los sus caballeros pensó en cabalgar
A todos esperando, ka cabeza tornando va.

Vos Walter Samuel, que en buena hora naciste
No nos privaís de vuestra presencia
No nos dejaís sin nuestra mejor defensa
El Muro de Basilea, que en buena hora espada ceño.

No os vaís dejandonos sin la vista de vuestra barba
Que desde que nació con regalo fue cuidada
Que no le cogió de ella hijo de persona humana
Que no se la mesó hijo de bávara ni de milana. (dre)

Ein Liebesbrief und ein Gedicht machen den Anfang. Sie, liebe Leserinnen und Leser, können uns helfen. Senden Sie uns Ihre Bitten, Loblieder und Bestechungsversuche an: redaktion@bzbasel.ch. Wir leiten sie weiter an den Mann mit den stahlharten Schienbeinen.