Der DHL-Flug QY4911 nach Leipzig ist seit 11. November letzten Jahres 48 Mal nach 23 Uhr vom Euroairport gestartet. Seit diesem Zeitpunkt erfasst die bz sämtliche nächtlichen Abflüge, wie sie offiziell auf der Website des Euroairports angegeben (und nach einer Woche wieder gelöscht) werden. Die Analyse zeigt: Hauptverursacher der unbeliebten Spätstarts sind Frachtflieger, auf die über 87 Prozent der Starts fallen.

Der Flughafen ist derzeit in Verhandlungen mit diversen Fluggesellschaften, wie Direktor Matthias Suhr vergangene Woche sagte. Mit entsprechender Zurückhaltung reagierte Pressesprecherin Vivienne Gaskell auf Anfragen zu Details. Sie sagt: «Generell ist es so, dass die Expressfracht früh morgens landet und spät abends abfliegt. Dies entspricht deren Betriebsmodell. Gemeinsam mit unseren Partnern suchen wir nach Lösungswegen, um den Betrieb in den Nachtstunden, insbesondere zwischen 23 Uhr und Mitternacht, zu optimieren.»

Dabei zeigt die bz-Analyse: Der Grossteil der Starts nach 23 Uhr geht auf einige wenige Verbindungen zurück. Alleine die vier Cargo-Verbindungen nach Leipzig, Paris, Brüssel und Köln/Bonn machen über 50 Prozent aller Starts nach 23 Uhr aus. Und: Eine Vorverlegung der Starts, wie sie gemäss Flughafendirektor Suhr bei einem der DHL-Flüge gelungen ist, bringt nur beschränkt Linderung, weil die tatsächlichen Starts häufig viel später erfolgen als im Flugplan vorgesehen und auch später als die teilweise ebenfalls ausgewiesene Blockzeit (der Moment, wenn das Flugzeug abgedockt wird). So ist ein Flug von Wizz Air vom 27. Dezember, der um 22:15 Uhr geplant war, tatsächlich erst um 23:59 Uhr nach Skopje abgeflogen.

Ähnliches gilt für mindestens ein Dutzend weitere Wizz-Air-Flüge. Gaskell bestätigt: «Im genannten Zeitraum hat Wizz Air insgesamt 9 Starts nach 23 Uhr durchgeführt, 7 davon nach Skopje und 2 nach Bukarest», wobei sie sich jeweils auf die frühere Block-Zeit bezieht und nicht die reellen Startzeiten. Auch hier seien «Verbesserungswege Gegenstand der Gespräche». Wizz-Air (Marktanteil am EAP im Passagier-Geschäft 6 Prozent) verzeichnet im Erhebungszeitraum damit mehr Starts nach 23 Uhr als Easyjet (Marktanteil 59 Prozent), wobei beim britischen Billigflieger nur die nicht in Basel stationierten Maschinen Spät-Starts machen. Landungen wurden nicht berücksichtigt.

Probleme mit «Pharma-Express»

Besonders eng kalkuliert zu sein scheint ein Frachtflug nach Doha von Qatar Airways. Der in früheren Medienberichten «Pharma-Express» genannte Airbus A-330 fliegt viermal wöchentlich abends von Genf nach Basel und danach weiter in die katarische Hauptstadt. In den rund 14 Wochen seit Beginn der Erhebung flogen QR8244 respektive QR8292 sechs Mal nach 23 Uhr und zweimal gar nach Mitternacht los. Der Flughafen bezieht sich darauf, dass die «Blockzeiten» bei diesen beiden Starts jeweils vor Mitternacht waren.

Jeder dritte Start Richtung Stadt

Ebenfalls auf der EAP-Website publiziert werden Piste und Startrichtung der Flüge. Dabei zeigt sich: Von den 288 seit Aufzeichnungsbeginn registrierten Starts nach 23 Uhr gingen 102 in Richtung Basel, das entspricht einem Anteil von 35 Prozent. Gaskell sagt: «Nach 23 Uhr ist es grundsätzlich nicht möglich, direkt nach Süden zu starten. Zudem müssen ab 22 Uhr und bis 7 Uhr morgens gemäss Ministerialerlass alle Starts von der Pistenschwelle beginnen.» Dadurch gewinnen die Flugzeuge schneller an Höhe.