Innert weniger Wochen und mit minimalem Budget wurde die Aktion aus dem Boden gestampft (die bz berichtete). Aber kann ein Plakat tatsächlich Meinungen ändern, aus Menschen, die Ausländer ablehnen, offene und tolerante Bürger machen? Nein, sagt Kampagnenspezialist Mark Balsiger – und ist trotzdem zuversichtlich, dass sich etwas bewegen kann durch Plakate.

Herr Balsiger, «Basel zeigt Haltung» mit einer Plakataktion gegen Rassismus. Ist es möglich, so Meinungen zu ändern?

Mark Balsiger: Nein. Aber es geht darum, sich gegen eine gefährliche Entwicklung zu stemmen. Der Umgangston in der Schweiz ist rauer geworden, das ist ein schleichender Prozess. Die Aktion ist von Bedeutung, weil man in so kurzer Zeit eine so breite Allianz hingekriegt hat. Die Institutionen und Organisationen geben nicht nur ihren Namen, sie artikulieren sich auch in ihren Umfeldern. Das erzielt eine Wirkung.

Diese Umfelder sind meist bereits sensibilisiert. Erreicht die Aktion die Leute, die sie soll?

Die Chancen sind intakt, dass die Botschaft auf weitere Bevölkerungskreise überschwappt und so eine grosse Abdeckung erreicht. Das Thema ist seit einigen Wochen wegen der Weltpolitik sehr präsent. Der Resonanzkörper besteht also, nun gibt man in Basel eigene Klänge dazu.

Akzeptiert, günstig und schnell realisierbar: Plakate gelten auch im Internet-Zeitalter als effektives Werbemittel.

Akzeptiert, günstig und schnell realisierbar: Plakate gelten auch im Internet-Zeitalter als effektives Werbemittel.

Die Verantwortlichen wollen eine schweigende Mehrheit ermutigen, sich gegen Rassismus zu äussern. Kann ein solcher Appell an die Zivilcourage funktionieren?

Die Wirksamkeit zu messen ist immer schwierig. Wenn man gar nichts macht, dann könnten wir einpacken. Es ist ein Weckruf an die Zivilgesellschaft. Wenn einige, die sonst lethargisch und desinteressiert sind, sich Gedanken machen oder gar gegen rassistische Äusserungen einschreiten, ist diese Aktion ein Erfolg. Letztlich aber entscheidet jeder selber, ob er hinschaut oder die Augen schliesst.

Ein Hintergrund der Kampagne ist die Angst vor einem Ja zur Ecopop-Initiative. Wie sinnvoll ist es, mehrere Themen in eine Aktion zu packen?

Es ist sehr schwierig, verschiedene Anliegen miteinander zu verquicken. Die Klarheit einer Botschaft ist wichtig. Wenn man zu viel reinpackt, wird aus einer starken Botschaft Kakofonie.

Wie viel können Plakate in einer multimedial vernetzten Welt bewirken?

Plakate sind auf die Schnelle am einfachsten realisierbar. Es ist ein zentrales, etabliertes und wichtiges Werbemittel und hat eine hohe Akzeptanz. Basel ist hervorragend geeignet für Plakatkampagnen. Es ist eine kompakte Stadt mit vielen neuralgischen Stellen. Durch die hohe Mobilität werden die Sujets gesehen. Da reichen wenige Plakate an guten Stellen, damit eine Kampagne wahrgenommen wird. In Zusammenspiel mit den Medien und mit Diskussionen ist die Reichweite ziemlich gross. Das Zentralste ist, dass die Kampagne auf verschiedenen Kanälen läuft.

Ein Kanal wird noch nicht bespielt, das Internet, das kommt später.

Eine crossmediale Kampagne braucht mehr Zeit und mehr Geld. Aber es kann auch sein, dass Eigeninitiative entsteht. Es muss nicht immer die Verwaltung sein, die den ersten Schritt macht. Es kann auch sein, dass jemand ein Bild von sich selber mit einem Plakat auf Facebook stellt und das kommentiert. Auch so kann eine Diskussion entstehen. Emotionale Themen generieren im Netz viel Aufmerksamkeit. Eine solche Eigendynamik kann auch bei dieser Aktion entstehen, das muss nicht auf professionellen Strukturen oder einem Masterplan basieren.

Die Medien wurden von den Initianten kritisiert, wegen rassistischer Kommentare, die sich online zu einzelnen Artikeln finden.

Die ursprüngliche Idee der Kommentarfunktion war es, den Text zu ergänzen und zu diskutieren. Inzwischen wird sehr oft in einem rüden Ton irgendetwas abgesondert. Langfristig führt das zu einem grossen Imageschaden für die Medienhäuser, wenn sie die Kommentare nicht besser bewirtschaften und höhere Hürden für die Teilnahme einführen.