Wahlen 2020

Die chancenlosen Regierungsratswahlen: Mission Impossible für die Basler SVP

Die Basler SVP wittert die Chance, im Herbst in die Regierung einzuziehen. Der Parteipräsident Eduard Rutschmann glaubt, dass es eine «grosse Chance» sei, dass die SP nicht mehr mit den beiden Zugpferden Eva Herzog und Christoph Brutschin antreten würde. Doch bei näherem Hinsehen wird deutlich: Der SVP fehlt das Personal für das ohnehin ambitionierte Unterfangen.

Die Suche beginnt jetzt. Die Basler SVP, immerhin die zweitstärkste Kraft im Kantonsparlament, erhebt Anspruch auf einen Regierungssitz. «Ja, wir wollen diesen zu 100 Prozent», sagt SVP-Präsident Eduard Rutschmann. Doch wer soll in den Ring steigen? Während bei Rutschmanns SP-Amtskollegen Pascal Pfister die arrivierten Politiker Schlange stehen für die Wahlen im Herbst, herrscht in den Reihen der SVP vor allem eines, was die Regierungstauglichkeit angeht: Leere.

Dies hat nicht zuletzt mit den anderen bürgerlichen Parteien zu tun. Die SVP ist auf Bündnispartner aus der Mitte angewiesen. Doch die FDP, die LDP und die CVP treten mit Forderungen an. CVP-Präsident Balz Herter sagt: «Ich hätte am liebsten eine Kandidatin.» Damit liesse sich das Feld der drei männlichen bürgerlichen Regierungsräte Lukas Engelberger (CVP), Baschi Dürr (FDP) und Conradin Cramer (LDP) komplettieren.

Das Kriterium, eine Frau zu sein, erfüllt bei den namhaften SVPlern nur eine: Gianna Hablützel-Bürki, die deutlich gescheiterte Ständeratskandidatin und ehemalige Spitzenfechterin aus Riehen. Sie sagt über ihre Ambitionen: «Das ist noch weit weg. Ich habe mir noch keine Gedanken gemacht.» Möglicherweise werden diese Gedanken auch im Keim erstickt. Herter findet etwa, sie sei «gar nicht regierungstauglich».

Mehrere SVP-Politiker sagen ab

Doch selbst wenn CVP, LDP und FDP ein Auge zudrücken sollten, was die Frauenfrage angeht: Auch bei den Männern siehts bei der SVP nicht rosig aus. Hier freilich mangelt es nicht an Interessenten. Am häufigsten wird der Name Pascal Brenneisen gehandelt. Der ehemalige Novartis-Kadermann erreichte bei den Nationalratswahlen auf der SVP-Liste hinter dem abgewählten Sebastian Frehner das zweitbeste Resultat und tat gleich am Wahlsonntag seine Ambitionen für eine Regierungskandidatur kund.

Er war gestern für die bz nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Dafür viele andere, die sich zum politischen Quereinsteiger äusserten – und dies selbst in SVP-Reihen nicht sehr wohlwollend. CVP-Präsident Balz Herter formuliert es noch am mildesten: «Von den anderen bürgerlichen Parteien wäre glaube ich niemand Feuer und Flamme, wenn die SVP mit Brenneisen kommen würde.»

Ein Kandidat, der über die Parteigrenzen hinaus akzeptiert wäre, ist der ehemalige Grossratspräsident Joël Thüring. Er sagt, er könne sich eine Kandidatur «durchaus vorstellen». «Ich traue mir ein Regierungsamt zu.» Für Konkreteres sei es aber zu früh. Sein Problem dürfte sein, dass er im Wahlkampf unweigerlich mit seiner Vergangenheit konfrontiert würde. Und die weist mehrere dunkle Kapitel auf. Einmal bereicherte er sich an der Parteikasse, einmal bezahlte er den Militärpflichtersatz nicht, einmal soll er Frehners E-Mails ausspioniert haben.

Andere SVPler sind wiederum zu jung, uninteressiert oder bringen schlicht das Format nicht mit. Absagen hagelt es von den Grossräten Pascal Messerli («Ich bin zu jung»), Alexander Gröflin («Der Job geht vor»), Lorenz Amiet («Ich werde das Familienunternehmen nicht verlassen») und Sebastian Frehner. Andere wie Felix Wehrle halten sich die Option offen. Der Riehener sagt: «Moderat bin ich. Sonst wäre ich nicht in den Gemeinderat gewählt worden.» Für einen Vertreter der Bündnispartner wäre Wehrle aber «völlig chancenlos – ihm fehlt das Format».

Rutschmann frohlockt zwar: «Die SP-Zugpferde Christoph Brutschin und Eva Herzog sind weg. Das ist eine Chance für uns.» Dass die SVP sie packt, ist mit diesem Personal höchst unwahrscheinlich.

Meistgesehen

Artboard 1