Innert Minuten hatte eine Horde von Vermummten mit Bauhämmern zahlreiche Schaufenster in der Freien Strasse zertrümmert. Die Chaoten schmierten antikapitalistische Parolen und Kommunismussymbole an Fassaden. Auch zehn abgestellte Autos werden beschädigt. Nach wenigen Minuten ist der Spuk vorbei. Als der Mob flüchtete, gab es kaum einen Laden, der nicht Opfer dieses Anschlags geworden war. Die Polizei riegelt die Freie Strasse grossräumig ab. Zeugen werden befragt. Fassungslosigkeit ist zu spüren. Die Freie Strasse gleicht einem Schlachtfeld. Überall liegt zerstörtes Glas. Schadenbilanz: rund 600000 Franken.

Genau ein Jahr ist seit dem Saubannerzug durch Basels exklusive Shoppingmeile vergangen. Von den Tätern fehlt nach wie vor jede Spur. «Wir müssen heute davon ausgehen, dass der Fall nicht aufzuklären ist», räumt Markus Melzl von der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt ein. Der Fall sei zwischenzeitlich ad acta gelegt, bleibe aber hängig – auch wenn nicht ständig jemand am Ermitteln sei. Die Behörden gaben die Hoffnung aber nicht auf: «Es kann plötzlich neue Hinweise geben im Zusammenhang mit weiteren Ermittlungen, bei denen Parallelen festzustellen sind.»

Hinweise auf die linke Szene

Als Beispiel nennt Melzl die kürzliche Besetzung des UKBB-Areals. Denn im Fall «Freie Strasse» stehen weiterhin Linksautonome im Verdacht, welche die Villa Sauvage neben der Bell AG in Beschlag genommen haben. «Alle Hinweise deuten auf die linksautonome Szene hin», sagt der Kriminalkommissär. «Vielleicht finden wir ja doch noch einen roten Faden, den wir aufnehmen können.» Das sind Durchhalteparolen.

Das weiss auch Melzl. Denn in solchen Fällen gebe es normalerweise entweder rasch Hinweise oder gar keine mehr. «Aber vielleicht kommt es in der Szene plötzlich zu Streit, sodass einer seinen bisherigen Kumpanen doch noch verpfeift.»

Die Gemüter haben sich beruhigt

Weitere Detailskann Markus Melzl nicht nennen. Und er versteht die Enttäuschung der Direktbetroffenen. Urs Welten bestätigt: «Die Emotionen sind zeitweise sehr hoch gegangen. Mittlerweile haben sich die Gemüter aber wieder etwas beruhigt», sagt der Präsident von Pro Innerstadt. «Das Leben muss weitergehen.» Immerhin aber habe die Polizei seit der Verwüstung ihre Präsenz deutlich erhöht. «Und seither ist ja auch tatsächlich nichts mehr passiert.»

Hinzu kommen die 72 Videoüberwachungskameras, die im Herbst an 13 neuralgischen Orten installiert werden sollen. Die Regierung hat dafür einen Kredit von 680000 Franken beantragt. Damit werde der Vandalismus in Basel hoffentlich einzudämmen sein. «Die guten Erfahrungen mit der Videoüberwachung in Trams lassen hoffen», sagt Welten. Er glaubt, dass sich das Vandalismus-Problem damit für die Ladenbesitzer mehr und mehr erledigt. «Denn so etwas wollen wir nie mehr erleben.»