Stadt versus Land

Die Chef-Post schliesst – was für ein Desaster

Soll 2018 ihre Tore schliessen: die Basler Hauptpost.

Soll 2018 ihre Tore schliessen: die Basler Hauptpost.

Die Post will die Hauptfiliale in der Basler Innenstadt schliessen. Was im Baselbiet längst Gang und Gäbe ist, empört in der Stadt die Bevölkerung.

Was Cabanas, Lothar Matthäus und McEnroe sagen würden

Eine Poststelle zu schliessen, mag ja im hintersten Baselbiet noch Sinn machen. Das aber ist die Chef-Post, hösch.

Die Hauptpost soll geschlossen werden. Das entspricht ja nichts als dem Zeitgeist, denn kaum jemand in der Bevölkerung unter 50 weiss ja noch, dass die Post nicht nur mit der Lieferung von Zalando-Päckli beschäftigt ist. Und irgendwie waren die am Schalter verkauften Benissimo-Lösli ja schon lange Zeuge davon, dass die Hauptpost mit ihrem althergebrachten Business-Modell nicht mehr ganz ausgelastet ist. Aber gleich schliessen? Um es mal mit John McEnroe zu sagen: «You cannot be serious!»

Das ist nicht irgendeine Mini-Poststelle in Ziefenkirchen oder so. Das ist die Chef-Post. Von der Stadt. Ein Ort, wo es sich noch cool anfühlt, wenn man einen eingeschriebenen Brief aufgibt, der die Kündigung beinhaltet (keine Sorge). Um es mal mit Ricardo Cabanas zu sagen: «Eine Institution!»

Klar, kann man argumentieren, da komme gleich wieder was Neues rein. Aber wollen wir wirklich noch einen Apple-Shop, noch eine Kleiderkette, noch eine Bar in diesen ehrenwerten Hallen? Ja okay, eine Bar vielleicht. Dennoch: Was kommt als Nächstes? Um es mal mit Lothar Matthäus zu sagen: «Wir sollten nicht den Sand in den Kopf stecken.» Aber da kann man ja gleich aus dem Käppeli-Joch einen Dunkin’ Donuts, aus dem Münster eine Ikea, aus dem Spalentor eine Landi machen. Die Kollegen vom Lande mögen gute Erfahrungen mit Postschliessungen gemacht haben. In der Stadt reichen die behelfsmässigen Alternativen allerdings nicht. Es ist wie bei der Fasnacht: Wenn wir etwas machen, dann richtig.

Den hässlichen Rosthaufen beim Bahnhof, den die Post ein Verteilzentrum nennt, den müssen wir behalten. Aber die sakrale Schalterhalle, die soll man uns wegnehmen? Ganz ehrlich: Gern würde man nach Bern, in die Chefetage der Post und ihnen sagen, um es mal mit Carlos Varela auszudrücken... Nein, das dann doch lieber nicht.

Eure Post geht zu – ihr werdet darüber hinwegkommen

Im Baselbiet zeigt sich, dass Kunden gut ohne Poststelle leben können – in gewisser Weise haben sie es sogar so gewollt.

Der Kollege aus der Stadt ist ja heute richtig in Zitierlaune. Da will ich nicht hinten anstehen. Beim Sterben alteingesessener Institutionen berufe ich mich auf Farin Urlaub, der sich einst fragte: «Warum hast du mich verlassen? Ich war doch immer, immer für dich da. Warum hast du mich verlassen? Ausser, wenn ich grad mal bei ’ner anderen war.»

Mit den Poststellen verhält es sich gleich wie mit den unzähligen Bäckereien und Metzgereien, die dichtmachen mussten. Sind sie erst mal nicht mehr da, bedauern viele den Verlust. Auf Nachfrage erklären die Empörten dann aber ganz beschämt, dass sie selber schon lange nicht mehr im Laden gewesen seien. An den Schliessungen sind nicht die Betreiber schuld, sondern das veränderte Nutzungsverhalten der Kundinnen und Kunden.

Für das Baselbiet sind Postschliessungen nichts Neues mehr. Allein in den letzten fünf Jahren wurden hier rund 20 Filialen aufgehoben. Auch wenn der Aufschrei jedes Mal gross war, schreit in den meisten Ortschaften heute kein Hahn mehr nach der Poststelle. Postagenturen oder Hausservices sind an ihre Stelle getreten und sind beliebt. Klar, würden sich die meisten für eine richtige Post und nicht für eine Mini-Post im Dorfladen entscheiden, hätten sie die Wahl. Doch das liegt heute nicht mehr drin.

Dass nun sogar die Hauptpost in der Basler Innenstadt daran glauben soll, überrascht lediglich in ihrer Dimension. Waren es bisher vor allem kleinere Stellen, die schliessen mussten, ist es jetzt die grosse Post im Herzen der Region. Weshalb sollen für sie jedoch andere Regeln gelten als für eine Post in Seltisberg? Das Argument der Nostalgie, an dem sich viele festklammern, genügt nicht. Auch auf dem Land sind lange existierende, tief verwurzelte Poststellen eingegangen. Wir Baselbieter sind darüber hinweggekommen – und wenn wir das können, liebe Basler, dann schafft ihr das auch.

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