Basler Fasnacht

«Die Cliquen haben die Integration von Secondos verpasst»

Oscar Olano lernte Piccolo spielen, bevor er Deutsch konnte.

Oscar Olano lernte Piccolo spielen, bevor er Deutsch konnte.

Oscar Olano ist Präsident der Fasnachts-Gesellschaft Olympia. Im Interview mit der bz erklärt er die Gründe für die schlechten Statistiken.

Herr Olano, die Zahl der aktiven Fasnächtler ist über die vergangenen 10 Jahre betrachtet trotz Bevölkerungszuwachs rückläufig. Woran liegt das?

Oscar Olano: Das Problem liegt beim fehlenden Nachwuchs. Hier gibt es zwei gewichtige Faktoren: Zum einen ist dies das grosse Freizeitangebot. Im Vergleich zu früher ist dies heute enorm. Der zweite Punkt ist, dass es die Cliquen verpasst haben, die Secondos miteinzubeziehen.

Ist die Fasnacht ausländerfeindlich?

Diesen Eindruck habe ich überhaupt nicht. Im Gegenteil: Wenn man einmal dabei ist, gehört man auch wirklich dazu. Das Integrationspotenzial ist deshalb riesig.

Gegen die stärkere Konkurrenz lässt sich wenig ausrichten, gegen den zweiten Punkt aber schon. Bei wem liegt der Fehler?

Schwierig zu sagen. Einerseits müssen die Cliquen Wege suchen, um auf die Eltern von Secondos zuzugehen. Andererseits haben diese das grosse Integrationspotenzial der Fasnacht noch viel zu wenig erkannt. Das Comité führt meines Wissens Einführungskurse für Kinder durch, um sie zum Trommeln und Pfeifen zu animieren. Jedoch zeigt sich nicht nur bei Secondos: Wer einen familiären oder persönlichen Bezug zur Clique über Freunde oder Bekannte hat, bleibt länger dabei.

Wenn der Nachwuchs das Problem ist: Wann treten die Jungen denn aus?

Häufig beim Übertritt aus der Jungen Garde in den Stamm.

Gibt es Migrantengruppen, die stärker in der Fasnachtsszene vertreten sind?

Nein, das würde ich nicht sagen. Wir haben bei uns in der Clique keine Spanier, kaum Deutsche – dafür einige Zürcher (lacht). Ich kenne auch in anderen Cliquen kaum Ausländer.

Sie selbst kommen aus El Salvador, heute sind Sie Präsident der Fasnachtsgesellschaft Olympia, eine der ältesten Cliquen der Stadt. Wie lief das bei Ihnen ab?

Als ich Piccolo lernte, konnte ich noch kein Deutsch. Ich unterhielt mich mit meinem Instruktor Felix Peter auf Französisch. Der Bruder meiner Stiefmutter war allerdings in der alten Garde der Olympia, der familiäre Bezug zur Clique war also von Anfang an gegeben.

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