Es gab Zeiten, da haben die Degen-Zwillinge zu allem «Ja» gesagt. Eine Homestory bei Philipp in Liverpool? Klar, gerne doch! Ein Doppel-Interview in einer Autobahnraststätte über ihre Geschäftspläne neben dem Fussball? Sofort! Ein gemeinsames Fotoshooting im Kornfeld? Gute Idee!

Wenn man sie dieser Tage so beobachtet in Spanien, wo sie mit dem FC Basel noch bis Freitag im Trainingslager weilen, da ist auf den ersten Blick alles wie früher. Sie sind immer noch die Wirbelwinde von damals, die lautesten auf dem Platz, die ballverliebten und schnellen Supertechniker. Doch etwas ist seit einigen Monaten anders: Gegenüber Journalisten machen David und Philipp Degen komplett zu. Zumindest dann, wenn man sie um ein offizielles Gespräch bittet.

Das hat seinen Ursprung im vergangenen Herbst. Mehr und mehr gerieten die 30-Jährigen bei Murat Yakin aufs Abstellgleis, standen nur noch im Cup gegen Erstligisten in der Startformation. Es wurde über persönliche Differenzen zwischen Trainer und Spielern berichtet. Es hiess, sie würden intern Stimmung gegen Yakin machen.

Die Degens haben ihren Stolz und Ruf zu verlieren. Verständlich, wenn man wie sie mit 18 Jahren ins Basler Profikader aufgenommen wird, Nationalspieler wird, in die Bundesliga (beide) und in die Premier League (Philipp) wechselt. Dann ist das Selbstverständnis nach der Rückkehr nach Basel ein anderes, als beim Champions-League-Spiel in Bukarest Popcorn essend auf der Ehrentribüne zu sitzen. Doch weil sie in der aktuellen Situation machtlos sind und jeder Pieps als Attacke gegen den Trainer verstanden werden könnte, haben sie sich für den Maulkorb entschieden.

Dennoch bleiben sie interessante Figuren. Die Degens polarisieren seit Beginn ihrer Karriere, zu sagen hätten sie viel. Also stapeln sich bei Andrea Roth die Interview-Anfragen. Die Pressesprecherin des FC Basel sagt: «Grundsätzlich empfehlen wir jedem Spieler, Interview-Anfragen wahrzunehmen. Der Austausch mit den Journalisten gehört zum Job des Profifussballers dazu.» Doch gebe es Situationen, in denen alle Parteien ein «Nein» des Spielers zu akzeptieren und zu respektieren hätten. Sie und die Klubleitung seien im dauernden Austausch mit den Degens, «aber zwingen können und wollen wir niemanden».

Konkurrenz hat Stein im Brett

Zurück auf den Platz: Mangelnder Einsatz ist David und Philipp Degen nicht vorzuwerfen. Wenn sie wie in einem ihrer letzten Interviews sagen, sie würden sich für den Erfolg mit dem FCB zerreissen, dann gilt das auch jetzt im Trainingslager in Marbella. Trotz einer persönlich total verkorksten Vorrunde.

Dennoch müssen sie sich wohl oder übel Gedanken über die mittelfristige Zukunft machen. Was, wenn Yakin weiterhin nicht auf sie setzt? Der Trainer, der vor kurzem seinen Vertrag bis 2015 verlängert hat und somit so lange an den Klub gebunden ist wie die Degens, sagt: «Jeder hat die Chance, sich aufzudrängen.» Doch klar ist: Kay Voser und Mohamed Salah, die Philipp bzw. David auf der rechten Seite vor der Sonne stehen, haben dank grossartiger Leistungen im Herbst beim Trainer derzeit ein Stein im Brett.

Vielleicht schielen David und Philipp Degen beim heutigen Training im «Marbella Football Center» ab und zu auf die anderen Plätze. Denn am gleichen Ort wie der FCB trainieren auch der FC Luzern und die Grasshoppers. Klubs, für die ein zufriedener Degen ein Gewinn wäre.