Es hat nichts genützt. Seit Jahren kämpft der Verein «Umverkehr» mit Petitionen und anderen Aktionen für den Erhalt der Nachtzüge. Ab Basel wurde 2013 bereits die Verbindung nach Moskau und im November 2014 diejenige nach Kopenhagen eingestellt. Nun entschied die Deutsche Bahn (DB), per Ende 2016 auch die Nachtzüge von Basel nach Hamburg, Amsterdam, Berlin, Prag und Dresden abzuschaffen.

«Die Nachfrage ist tendenziell gut, aber die Entscheidung dürfte im Rahmen eines grossen Spar- und Reformpakets gefallen sein», analysiert Philippe Koch, «Umverkehr»-Geschäftsführer. Tatsächlich verweist eine DB-Sprecherin auf den laufenden Konzernumbau: «Grund für die Entscheidung ist das trotz Sanierungsbemühungen anhaltend hohe Defizit der Nachtzug- und Autozugsparte mit stark negativer Prognose auch für die kommenden Jahre.»

Aus für Autoreisezug schon 2016

Die ursprünglich für Ende 2017 geplante Einstellung des Autoreisezugs zwischen Lörrach und Hamburg, der insbesondere in der Schweiz sehr beliebt ist, wird auf Ende dieses Jahres vorgezogen. «Bis 2014 nutzten rund 200 000 Fahrgäste die Autozüge jährlich. Somit hatten sich die Zahlen in den letzten 15 Jahren mehr als halbiert», so die DB.

Die Sprecherin verweist auf stark saisonale Schwankungen. «Rund 80 Prozent aller Kunden der Autozüge verreisen in den Sommermonaten Mai bis Oktober. Jährlich entstanden uns Verluste in niedriger zweistelliger Millionenhöhe.» Zudem stünden Investitionen für neue Transportwagen an, die sich nicht rechnen würden.

Bei den Nachtzügen nannte die DB gegenüber der bz für 2013 bei einem Umsatz von 48 Millionen Euro einen Verlust von zwölf Millionen Euro; vor einigen Monaten war sogar von einem Jahresverlust von 30 Millionen Euro die Rede. Nicht zu trennen sein dürften die schlechten Ergebnisse vom miesen Service, den viele Kunden der DB vorwerfen: In der Kritik stehen das alte Rollmaterial, Fehlen von Speisewagen und Wagen für Velos sowie defekte WC.

Österreicher verhandeln mit DB

Dass es auch anders geht, zeigen die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB). Sie verhandeln derzeit mit den DB über die Übernahme von Nachtzuglinien, wie die «Neue Zürcher Zeitung» berichtete. Mit Ergebnissen sei im April zu rechnen, wobei die ÖBB mit den Nachtzügen zufrieden seien. «Wir betreiben sie nicht aus Nostalgiegründen», wird Sprecher Michael Braun zitiert. Es handle sich um ein Nischenprodukt, das jedoch für einen Teil der Kundschaft eine grosse Bedeutung habe. Die ÖBB-Medienstelle bestätigte der bz die Aussagen. Auch die DB verweist auf Gespräche mit den ÖBB.

Die SBB hätten schon seit 2009 keine eigenen Nachtzüge mehr und konzentrierten sich im internationalen Personenverkehr laut Mediensprecher Daniele Pallecchi auf den Tagesverkehr im Radius von maximal vier bis sechs Stunden ab Schweizer Grenze. Gründe seien die Angebote der Fluggesellschaften und immer schnellere Zug-Tagesverbindungen. Pallecchi kündigte aber auch an, einen neuen Betreiber der Nachtzüge «bei Produktion, Betrieb, Vermarktung und Vertrieb zu unterstützen. So würden die SBB auch weiterhin ihren Beitrag an die Nachtzüge leisten.»

Die DB will im Rahmen eines neuen Nachtreisekonzepts die Anzahl an Nacht-ICE erhöhen. «In den nachfragestarken Sommermonaten soll dieses Grundangebot an Nacht-ICE zudem um zusätzliche ICE-Züge ergänzt werden», so die DB-Sprecherin. Auf grenzüberschreitenden Verbindungen in das europäische Ausland wolle man zusätzlich IC-Busse der DB einsetzen.