Jahrelang haben sie sich nicht gesehen, verharrten sie in einer Reihe auf ihrem Sockel an der Fassade des Hotels Dreikönig in Basel. Nun stehen Caspar, Melchior und Balthasar im Dreieck in der Restaurierungswerkstatt in Gelterkinden im Scheinwerferlicht.

Es riecht nach frischer Farbe. Ausser leiser Schritte ist es sehr ruhig in der Werkstatt. Konzentriert bearbeiten die beiden Restauratoren Maurizio Lavina und Sabine Maurer die historischen Figuren aus dem Jahr 1754 mit feinen Pinselstrichen.

Wer die drei Könige von weitem, als Teil der Hotelfassade kennt, erkennt sie in der Werkstatt kaum wieder. Sie sind grösser als erwartet, messen stattliche zwei Meter vom Bleisockel bis zum höchsten Punkt des Turbans und dem Zacken der Krone. Goldene Ornamente schmücken ihre Gewänder, die Saumpartien sind filigran geschnitzt. Ihre Gesichter sind sehr ausdrucksstark gezeichnet, ihre Augen haben Pupillen, fein säuberlich nachgezogen sind die Lippen und im Mund sind Zähne angedeutet.

Artisten mit übertriebenen Gesten

«Die Könige haben eine gewisse barocke Verspieltheit», sagt Stefan Buess, Inhaber der Restaurations- und Malerwerkstatt. Tatsächlich wirken Gestik und Körperhaltung der drei Könige völlig übertrieben: Die Arme mit den Gaben sind vom Körper gestreckt, der Rumpf leicht gebeugt, die Füsse angewinkelt – wie Tänzer oder Artisten. Ihre Röcke werfen Falten, als würden sie vom Wind zerzaust.

Als die Figuren geschaffen wurden, galten sie als Schutzpatrone der Reisenden. Geschnitzt und bemalt wurden sie laut dem Geschichtsbuch des Hotels drei Könige «Les Trois Rois. Einblicke in die Geschichte» (2006) in Rheinfelden von Johann Isaak Freitag, der hauptsächlich für die katholischen Kirche gearbeitet hat.

Leider allerdings haben die Könige ein kleines Identitätsproblem: «Es ist nicht überliefert, welcher welcher ist», sagt Buess. Gesichert ist nur, dass sie die drei Lebensalter und die drei Kontinente abbilden. Der schwarze König steht für die Jugend und Afrika, der Bärtige mit der Schatztruhe für das Greisenalter und Europa, der König mit den Superman-Stiefeln – rot mit Goldrand – steht für das Mannesalter und Asien.

Als die Figuren vor zwei Wochen in Gelterkinden ankamen, waren sie gezeichnet von Wind und Wetter, hatten Risse im Farbmantel, Dreck auf dem Nasenrücken und Schultern, Russ auf Turban und Krone. Kein Wunder. Fast zehn Jahre ist es her, seit sie sich zum letzten Mal frisch gemacht haben. Respektive, seit sie letztmals ebenfalls in der Werkstatt Buess restauriert wurden.

In der Zwischenzeit hat ihnen die Witterung wieder recht zugesetzt. Die Farben erwärmen sich unter der Sonneneinstrahlung unterschiedlich stark, je dunkler der Mantel oder die Haut, desto heisser wird die Stelle. Darauf reagiert das Lärchenholz, es bilden sich Risse. Durch diese wiederum dringt Wasser in die Figuren. Hinzu kommen sogenannte Auskreidungseffekte, wie Fachmann Buess erklärt: «Die Bindungsmittel in der Farbe werden abgebaut, darum blättert sie ab.»

Während die drei Könige vor der Neueröffnung des Hotels umfassend restauriert wurden, sind die Arbeiten dieses Mal eher konservatorischer Natur. «Die Philosophie ist, nur die neuen Schäden zu beheben», erklärt Restaurator Maurizio Lavina. Zuerst wurden die Figuren trocken und mit sanften Lösungsmitteln geputzt, danach die beschädigten Stellen mit vier bis fünf Farbschichten übermalt. Das und eine abschliessende Firnisschicht sollen die Figuren wieder für einige Jahre vor der Witterung schützen.

Und die Landluft bekommt den Königen offensichtlich: Nach rund 200 Stunden Arbeit sind noch an einigen Stellen Farbflicke sichtbar, ansonsten erstrahlen sie wieder in satten Farben. Ein wenig kritischer beurteilt dies der Fachmann: «In Bezug auf den Zustand vorher ist das Resultat in Ordnung.»

Sobald die letzten beschädigten Stellen retuschiert sind, die Ölfarben und der Lack getrocknet sind, werden die Könige wieder nach Basel gebracht. Wahrscheinlich werden sie Anfang Mai wieder auf ihre Sockel gestellt. Das braucht einen Hebekran, zwei starke Männer und Geduld. Denn obwohl sie recht schlank wirken, bringt jede der Figuren zwischen 100 und 120 Kilo auf die Waage. Das bedeutet, die Könige haben auch nach der Kur auf dem Land einen Body-Mass-Index von rund 30.

Allerdings: Ein wenig Übergewicht kann den Wahrzeichen nicht schaden. Denn Wind und Wetter werden ihre Substanz auch künftig angreifen. Und wer von weit her sichtbar und standhaft sein will, braucht auch eine gewisse Masse.