Jugendtheater

Die Dreirosen-Jugend bleibt sich selbst

Im Stück «Nimmerland» wollen zunächst alle etwas vom Riesen-Joint bekommen — und zeigen dann, was der mit ihnen macht.

Im Stück «Nimmerland» wollen zunächst alle etwas vom Riesen-Joint bekommen — und zeigen dann, was der mit ihnen macht.

Das Stück «Nimmerland» beleuchtet die Identität einer jungen Generation, die oft unterschätzt wird. Die Aufführung wird von einer Soundcollage begleitet.

«Achtung, Achtung, wir bitten um ihre Aufmerksamkeit. Herzlich willkommen im Nimmerland», ertönt es in den Kopfhörern. Die Stimmung im Jugendzentrum Dreirosen ist angespannt. Was erwartet uns heute Abend? Auch die Nervosität hinter den Kulissen ist spürbar — umso mehr — weil an diesem Abend vor allem Gleichaltrige im Publikum sitzen. Und dann kann die Generalprobe zum audiovisuellen Theaterstück «Nimmerland» beginnen.

Projekt Nimmerland des Jugendzentrums Dreirosen

Projekt Nimmerland des Jugendzentrums Dreirosen

In der nächsten Stunde passiert ganz viel in den Räumen unter der Dreirosenbrücke. Jugendliche springen, tanzen, kämpfen, blödeln und sind auf einmal wieder ernst. Die Zuschauer dürfen umherlaufen, das Spiel beobachten und werden auch mal frech für ein «Selfie» zur Seite genommen. Diese Lebendigkeit gehört zum Stück, das den Alltag im Jugendzentrum zeigt.

Viele der Jugendlichen aus dem unteren Kleinbasel verbringen hier ihre Freizeit. «Ich habe Kolleginnen, die gar nicht in dieses Quartier kommen dürfen, weil ihre Eltern denken hier wird nur gekifft», sagt Jael, die am Stück mitspielt. Auch sie hoffe mit diesem Theater zeigen zu können, dass nicht immer alles so ist, wie viele denken.

Sag mir, was du denkst . . .

Während vier Wochen haben die Jungs und Mädels unter der künstlerischen Leitung der Theaterpädagogin Eva Rottmann geprobt. Doch die Auseinandersetzung mit der Identität der Jugendlichen kam schon früher. Mit gut dreissig von ihnen sprach Rottmann über ihre Träume, Ängste und Werte. Und nahm sich so Zeit für eine Generation, die sonst selten gefragt wird. Eine Soundcollage mit den Antworten begleitet das Stück über die Kopfhörer. Es sind sehr persönliche Geschichten und auch die Gleichaltrigen im Publikum sind andächtig ruhig. «Ich habe in den Interviews ein paar Jugendliche kennen gelernt, die in der Luft sind und nicht genau wissen, was sie mit ihrem Leben anfangen wollen. Die fallen aus dem formellen Bildungssystem oft einfach raus», sagt Rottmann.

Ein Fokus des Theaters sei dieser Leistungsdruck der Gesellschaft, dem viele Jugendliche nur mit Mühe gerecht werden und dann mit dem System zusammenprallen. Versinnbildlich wird das mit Auszügen aus dem Klassiker «Peter Pan» in der Soundcollage: «Wer mühelos ins Nimmerland gelangt, sind die verlorenen Kinder. Das sind die Kinder, die aus dem Kinderwagen fallen und vergessen werden.» Rottmann hat mit diesem Projekt nach anderen Antworten und Sichtweisen gesucht: «Für viele Jugendliche hier ist der Beruf schon nicht unwichtig, aber er ist nicht zentral, es geht diesbezüglich eher selten um Selbstverwirklichung, habe ich das Gefühl.» Viele der Jugendlichen seien zum Beispiel sehr familienorientiert.

. . . dann weiss ich, wer du bist

Yasmine El-Aghar, Co-Leiterin des Jugendzentrums Dreirosen, leitete das Projekt mit. «Aus Sicht der offenen Jugendarbeit ist das Theater ein Riesenerfolg. Es zeigt auch, dass es ein Bedürfnis der Jugendlichen ist, sich ihrem Umfeld mitzuteilen und damit zu interagieren.» Die Beteiligung der Jugendlichen habe sie begeistert, «denn Jugendliche machen in ihrer knappen Freizeit bei nichts mit, was ihnen nicht passt.» Auch die Dreirosen-Jugend ist zufrieden. Sie habe durch das Theater viel mehr Selbstbewusstsein, sagt Rute nach ihrem Auftritt und Matim ist sich sicher: «Was die meisten letzte Woche gedacht haben, was im Jugi läuft, das stimmt nicht. Wir haben jetzt gezeigt, dass es anders ist.»

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