Irgendwo in Basel wartete an einem Augustabend 2012 jemand vergeblich auf seine Pizza: Der Pizzakurier eilte zwar in seinem Smart bereits durch die Strassen, liess sich aber von einem dunkelblauen BMW-Cabriolet ablenken. Beim St. Johanns-Tor fielen sich die beiden Lenker gegenseitig auf: Ein wenig ausbremsen, schikanieren, provozieren, und dann nahm das Rennen seinen Lauf. Auf der Dreirosenbrücke fuhr der Smart links auf dem Tramgleis, der BMW zog auf der rechten Seite mit, das Tempo betrug zwischen 90 und 100 Stundenkilometer.

Der Smart des Pizzakuriers gewann das Rennen zwar, oder besser gesagt, der BMW-Fahrer liess ihn gewinnen: Kurz vor der Tramhaltestelle liess er ihn wieder auf die Fahrspur einbiegen. Doch die Kontrolle über sein Gefährt hatte der Pizzakurier bereits verloren: Er knallte gegen das Geländer der Traminsel und zertrümmerte die halbe Tramhaltestelle. Neun Passanten warteten dort, sie kamen mit dem Schrecken davon. Auch der heute 23-jährige Fahrer verletzte sich lediglich an der Schulter.

BMW-Fahrer stellte sich der Polizei

Der 22-jährige BMW-Fahrer mit seinen drei Insassen verduftete nach dem Crash. Ein Passant versuchte ihn in der Horburgstrasse zu stoppen, wurde dabei aber beinahe überfahren. Später stellte sich der Fahrer der Polizei. Er war bislang unauffällig, doch zwei seiner drei Mitfahrer hatten bereits früher wegen Rasergeschichten mit der Polizei zu tun.

Am Montag vor dem Basler Strafgericht waren die Aussagen der zwei Männer simpel: Es tue ihnen leid, doch provoziert habe zu Beginn jeweils der Andere. Der Verteidiger des BMW-Fahrers betonte, sein Mandant habe früher eine Invalidenrente bezogen, weil er in komplexen Situationen rasch überfordert sei. Der Pizzakurier hingegen meinte, sein Chef sei schon bedroht worden, und weil er mit dem Firmenfahrzeug unterwegs gewesen sei, habe er es mit der Angst zu tun gekriegt, als der BMW so dicht aufgefahren sei. «Knaben sollten mit Spielzeug spielen, und nicht mit dem Leben anderer Menschen», kommentierte Staatsanwalt Tomislav Hazler die Geschichte.

Das vermutlich hormongesteuerte Verhalten der Männer habe beinahe in einer Katastrophe geendet. Er forderte 24 Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung für beide Männer. Der Smart-Fahrer wurde allerdings sieben Monate nach dem Unfall beim Fahren ohne Führerausweis erwischt, deshalb solle er sechs Monate als einen unbedingten Teil der Strafe absitzen müssen. Das Dreiergericht beliess es bei Bewährungsstrafen von 24 und 20 Monaten sowie Bussen von 1500 und 1800 Franken, dazu kommen Verfahrenskosten von je über 5000 Franken.

Pizzakurier auch Drogenhändler

Beide Männer arbeiten derzeit als Handwerker und kämpfen darum, ihren Führerausweis wieder zu erhalten. Der ehemalige Pizzakurier hingegen darf sich bald vor einem Baselbieter Gericht verantworten: Nebst Pizzen hat er offenbar auch mit Drogen gehandelt. Beide haben nicht den Schweizer Pass, ihre Aufenthaltsgenehmigung ist nach dem Urteil vom Montag wacklig. Die Urteile können noch weitergezogen werden.