Kaserne Basel

«Die druurigschte Dääg» für eine Clique: Stadtpfyffer+ verlieren ihren Keller

Von ihrem Cliquenkeller müssen sich die Stadtpfyffer+ bald verabschieden.

Von ihrem Cliquenkeller müssen sich die Stadtpfyffer+ bald verabschieden.

Für die Fasnachtsclique Stadtpfyffer+ bricht eine Welt zusammen. Sie müssen ihren Keller in der Basler Kaserne räumen, denn die wird umgebaut.

Fast ein halbes Jahrhundert Geschichte lassen sie bald in der Tonne. Die Basler Clique Stadtpfyffer+ ist ab diesem Samstag heimatlos. Die letzten 46 Jahre probten, sammelten, bastelten und weilten die Fasnachtsveteranen in ihrem Cliquenkeller im Kasernenareal. Dieses Wochenende schlägt zumindest für ihre Memorabilia das letzte Stündchen. Sie sind nicht die ersten, die nun ihr Zuhause verlassen müssen: Bereits einer lokalen Moschee, einem Verein von Wasserfahrern, einem Künstlerkollektiv, sowie diversen anderen Kulturorganisationen erging es genauso.

Dies ist allerdings kein Trost. Obmann Urs Sandmeier ist den Tränen nahe: «Wir verlieren Jahrzehnte unserer Geschichte. Am Samstag werden wir alles wegwerfen müssen.» Wenige kleinere Erinnerungsstücke, wie eine historische Blaggedde-Sammlung, konnten bei Mitgliedern privat untergebracht werden, doch für die Clique fehlt mit dem Keller auch ihr Herzstück. Während ihrer langen Zeit in der Kaserne hatten Sie Liebe, Kreativität und diverse Renovationsarbeiten in ihr Quartier gesteckt.

Einen neuen Cliquenkeller haben die Stadtpfyffer+ in den vergangenen Monaten trotz intensiver Suche nicht gefunden. Entweder mangelte es an den Finanzen, oder das Angebot war für die Bedürfnisse einer Clique nicht geeignet: Die meisten zu vermietenden Lokalitäten sind bereits voll ausgestattet. «Dort haben weder unser Material, noch unsere Persönlichkeit Platz», erklärt Sandmeier. Und an beidem fehlt es den Stadtpfyffer+ nicht.

Fehlende Unterstützung

Vierzig Laternenseiten, sowie handgefertigte Larven und Kostüme und viele Erinnerungsstücke von historischem Wert verbringen momentan ihre letzten Tage im Kasernenkeller. Traurig sei dies nicht nur für die Clique selbst, sondern auch für die Basler Kultur an sich. Am Ende des vergangenen Jahres wurden die «drey scheenschte Dääg» zum Unesco Weltkulturerbe ernannt.

Von dieser Ehre versprachen sich auch die Stadtpfyffer+, dass sie nicht die Einzigen wären, denen die jahrzehntelange Geschichte, die sich in ihrem Keller befindet, am Herzen liegt.Um wenigstens ihr Bildarchiv vor der Mülltonne zu retten, habe die Clique sogar das Staatsarchiv angefragt: Interessiert habe sich dieses allerdings nicht gezeigt. Anfang Mai wendete sich die Clique dann in einem letzten Anlauf an den Regierungsrat.

Darin bat die Clique um Hilfe bei der Suche nach einem neuen Zuhause: «Wer kann uns im Zentrum der Stadt eine günstige Lokalität, ein Lokal ähnlich dem Keller in der Kaserne, in einer staatlichen Liegenschaft anbieten?», fragten sie in ihrem Brief. «Bis heute haben wir allerdings kein Wort gehört», erzählt Sandmeier. Auch Nachfragen der bz ergaben keine Stellungnahme zum Brief.

Trauriger Abschied

Ursprünglich sei der Auszugstermin auf den 20. Juni angekündigt gewesen. Kurzfristig wurde dieser Termin auf den 11. Juni vorverlegt: Dann werden die Schlösser ausgetauscht und die Clique muss ihr Lokal geräumt haben. Somit ergeht es ihnen gleich wie den Künstlern des Klingentalateliers, die nun mit der Ausstellung «Requiem» ihr Kasernenzuhause zu Grabe tragen.

Nach einem Requiem ist wohl auch den Stadtpfyffer+ zumute. Zwar haben sie in der Kleinbasler Beiz «Im Hahn» ein kleines Probelokal zur Verfügung gestellt bekommen. Doch wie es für die Clique nun weiter geht, das wissen sie nicht: «Wir hoffen natürlich, dass wir weiterhin gemeinsam Fasnacht treiben können», meint Sandmeier, «doch vieles, was uns ausgemacht hat, fällt nun weg».

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