Mittlere Brücke

Die einzige Brücke kann keine Mittlere sein

Die Mittlere Rheinbrücke und die Notbrücke, 1902 bis 1903.

Die Mittlere Rheinbrücke und die Notbrücke, 1902 bis 1903.

Das Staatsarchiv zeigt: Kleinbasel ist eigentlich nur zum Schutz der Brücke da. Doch ihren Namen verdankt die Mittlere Brücke anderen.

Dieses «Herzstück» verbindet die Region Basel seit 800 Jahren. Mit dem Gotthardverkehr hatte die Rheinbrücke allerdings – entgegen hartnäckiger Gerüchte – nichts zu tun. Einzig die Granitplatten, mit denen 1905 die neu erstellte Betonbrücke verkleidet wurde, stammen vom Gotthard. Doch der Mythos, dass der Gotthardverkehr hier den Rhein überquerte, ja dass die Brücke sogar für ihn errichtet worden sei, scheint nicht auszurotten zu sein. Vielleicht weil der Gotthard ein derart mythischer Berg ist, dessen Bedeutung für den mittelalterlichen Fernverkehr chronisch überschätzt wird.

Natürlich war Basel ein Verkehrsknotenpunkt, auch für den Fernhandel. Aber zum einen waren andere Handelswege bedeutend wichtiger (etwa jener durch die burgundische Pforte), zum anderen ging der Transitverkehr in Basel nicht über, sondern auf den Rhein. Denn der Warentransport auf dem Wasser war wesentlich sicherer, günstiger und vor allem doppelt so schnell als die unsicheren Landwege. Der Bau der Rheinbrücke im 13. Jahrhundert steht in einem völlig anderen Zusammenhang: Es ging um die Sicherung der Macht.
Im frühen 13. Jahrhundert besass der Basler Bischof Ländereien vom Bielersee bis an den Rhein – aber eben nicht darüber hinaus. Die Brücke über den Rhein stellte eine Verbindung zu den bischöflichen Gütern im Breisgau her, die Expansion dorthin scheiterte aber dennoch: Am Widerstand der Habsburger.

Gleich alt wie Kleinbasel

Gleichzeitig mit dem Brückenbau entstand auf der anderen Flusseite eine neue Siedlung, von Bischof Heinrich von Thun mit eigenem Stadtrecht ausgestattet: das Mindere Basel oder Kleinbasel. Eine typische, wie auf dem Reissbrett gezeichnete Gründungsstadt mit drei langen Parallelstrassen und mehreren kleinen Querstrassen. Sie sollte als Brückenkopf zum Schutz der Brücke und wohl auch als Basis für die Expansion in den Schwarzwald dienen. Wann dies alles geschah, ist unklar, da das gesamte städtische Archiv beim Erdbeben von 1356 verbrannte.
Als Baujahr der Rheinbrücke wird 1225 angenommen. Aus diesem Jahr datiert eine Urkunde, die besagt, dass die Klöster von St. Blasien und Bürgeln vom Brückenzoll befreit seien, weil sie Bauholz für die Brücke geliefert haben. Ob die Brücke damals erst geplant, im Bau oder gar schon fertig gestellt war, ist unklar. Eine Besonderheit der alten Rheinbrücke war, dass sie nur auf der Kleinbasler Seite auf Steinfundamenten stand.

 Immer wieder repariert

Auf linken Flusseite, wo der Rhein deutlich tiefer ist und schneller fliesst, war der Bau von Steinfundamenten mit den technischen Möglichkeiten der Zeit unmöglich. Dort stand die Brücke auf Holzpfeilern. Mit absehbaren Folgen: Immer wieder wurden diese von Hochwassern beschädigt oder gar weggerissen. Dann kam die Rammkatze zum Einsatz, die an einem Gerüst von zwei Pferdezügen hochgezogen wurde und die Pfähle in den Flussgrund rammte. Auf einer Zeichnung von Emanuel Büchel (erstellt um 1760) sind die Unterhaltsarbeiten deutlich zu erkennen.

Mit der Korrektur des Rheines im 19. Jahrhundert verschärfte sich die Situation zunehmend. Durch die grössere Fliessgeschwindigkeit drohte der Fluss, die Fundamente der Brücke zu unterspülen. In dieser Situation entschloss man sich 1899 zu einem Neubau. Nach dreijähriger Bauzeit, während der dem lokalen Verkehr eine Notbrücke zur Verfügung stand, konnte die neue Rheinbrücke am 11. November 1905 dem Verkehr übergeben werden.
Damals erhielt sie auch ihren offiziellen Namen: Mittlere Rheinbrücke. Diese Bezeichnung wäre zuvor nicht möglich gewesen, denn erst nach dem Bau der Wettsteinbrücke (1879) respektive der Johanniterbrücke (1882) lag die alte Rheinbrücke tatsächlich in der Mitte. 

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