Putzige Räuber
Die Erdmännchen im Basler Zolli sind herzig - bis sie Byppeli futtern

Laut einer Umfrage sind die Erdmännchen die Publikumslieblinge im Basler Zolli. Vor allem Kinder sind von den possierlichen Tierchen angetan – doch zur Fütterungszeit zeigt sich, dass sie trotz ihres niedlichen Aussehens kleine Raubtiere sind.

Muriel Mercier
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Im Basler Zolli lebt eine fünfköpfige Erdmännchen-Familie.
10 Bilder
Im Winter sitzen sie gerne drinnen im Etoscha-Haus.
Erdmännchen im Zoo Basel
Harmonie ist für die Erdmännchengruppe das A und O.
Würde eines für längere Zeit separiert, würde es von den anderen verstossen.
Hat Pfleger Markus Rüfenacht Futter dabei?
Ja, hat er. Lecker, Maden!
Im November sassen die putzigen Tierchen in der Aussenanlage ...
... und genossen die Sonne.
Auch hier sind sie stets wachsam.

Im Basler Zolli lebt eine fünfköpfige Erdmännchen-Familie.

Juri Junkov

Vorsichtig nähert er sich den am kalten Steinboden windenden Maden. Immer wieder äugt er nach oben, sichert sich ab, dass sich ihm nichts Ungewöhnliches in den Weg stellt. Denn so vorwitzig die Erdmännchen sich geben, so schüchtern und nervös sind sie, wenn man ihnen zu nahe kommt. Aber der Hunger des Jungen ist zu gross. Schrittchen für Schrittchen däbbelet er auf die Maden zu – und haut seine Beisserchen rein. Es tönt so, als würde er Pommes Chips essen. Tierpfleger Markus Rüfenacht angelt ein nächstes Würmchen aus dem Becher und wirft es dem pelzigen Knäuel zu. Jetzt gucken auch die anderen vier Familienmitglieder hinter den Felsbrocken hervor.

Die Erdmännchen sind die beliebtesten Tiere im Zolli. Das hat eine Umfrage auf der Zolli-Facebook-Seite ergeben. Vor allem kleine Kinder stellen sich mit strahlenden Augen vor die tiefe Scheibe im Etoschahaus. «Die Kinder sind ungefähr auf Augenhöhe mit den Erdmännchen. Wenn sie vor Begeisterung aufgeregt der Scheibe entlanglaufen, folgen die Tiere ihnen. Deswegen sind sie vor allem bei den Kindern so beliebt», erklärt Rüfenacht. Ebenso witzig ist das Bild, wenn sie auf der Aussenanlage «pflömmen» oder sich mit geradem Rücken auf ihre Hinterbeine stellen und Wache schieben.

Achtung vor den Stachelschweinen

Das Adjektiv «herzig» in Verbindung mit den Erdmännchen verschwindet sofort, wenn die Zollibesucher während der Fütterung zusehen. «Wenn ich eingefrorene Byppeli oder Mäuse ins Gehege werfen, heisst es schnell ‹Igitt, soo gruusig›.» Die Vorstellung, dass die süssen Tierchen andere Tiere fressen, existiert in den Köpfen der Leute nicht. Auf denselben Quadratmetern mit den Erdmännchen leben im Zolli die Stachelschweine, die sich ausschliesslich von Gemüse ernähren. «Die Erdmännchen machen sich auch hinter die Menus der Schweine. Deshalb gehen die Besucher wahrscheinlich davon aus, sie seien Vegetarier.» Die Erdmännchen müssen sich aber in acht nehmen vor den stachligen Nagetieren. «Die Erdmännchen wissen, wann sie parieren müssen.»

Für das Saubermachen des Geheges muss der 36-jährige Tierpfleger nicht viel Zeit investieren. Er suche die Fläche jeden Tag nach der WC-Ecke ab, was jedoch nicht so einfach ist, denn «sie machen nicht immer an denselben Ort. Und manchmal finde ich ihr WC nicht.» Es könne auch sein, dass die Tiere in einen Tunnel koten. Diese führen bis zu zwei Meter unter die Erde. Tunnel können sie selber buddeln, denn Rüfenacht lockert diese an gewissen Stellen und befeuchtet den Boden regelmässig, damit das Gehege nicht staubig bleibt.

Zu Rüfenachts Hauptaufgaben gehört, es den Tieren mit dem Futter nicht einfach zu machen. Also etwa Maden in Löcher der Bambusröhren zu verstecken. Am Liebsten mögen sie Rosenkäfermaden, Mehlwürmer oder Hackfleisch, erklärt er, der bereits seit 2005 für die Erdmännchen sorgt. «Wenns ums Essen geht, werden sie frech. Sie klettern mir manchmal auf den Schoss.» Einer krieche ihm in die mit Heuschrecken gefüllte Röhre, bevor er sie im Gehege platziert hat.

Doch so egoistisch sie auch sein können, so wichtig ist für die fünfköpfige Familie die Harmonie. Auf keinen Fall dürfe man ein einzelnes Tier zu lange von der Gruppe trennen. «Die anderen würden es danach verstossen oder verbeissen», erklärt Rüfenacht. Wenn ein Erdmännchen also medizinisch versorgt werden muss, muss es schnell gehen. Die längste Trennung eines Tieres von seiner Familie war bis jetzt eine Stunde.

Lieber Tiere als totes Holz

Markus Rüfenacht ist glücklich im Zolli. Er habe Freude an den lebendigen Tieren. Die Arbeit ist interessanter als mit toten Gegenständen, sagt er, der einst Schreiner gelernt hat. Neben den Erdmännchen kümmert er sich noch um die Vögel und Reptilien im Etoschahaus sowie um die Seelöwen. Lieblingstiere habe er keine. Am Anfang hatte er sich gewünscht, im Zolli einmal bei den Giraffen arbeiten zu können. «Mir gefallen die Tiere besser, für die sich die Massen nicht so interessieren. Ins Affenhaus zum Beispiel gehe ich nie, wenn ich einen Zoo besuche.»

Tierpfleger Markus Rüfenacht Der gelernte Schreiner Markus Rüfenacht arbeitet seit bald 14 Jahren im Zolli. Am Anfang war er im Springerdienst und übernahm die Pflege verschiedener Tiere. Seit drei Jahren kümmert er sich um die Tiere im Etoschahaus, was sehr abwechslungsreich sei. Mit den Mufflon sind Wiederkäuer darunter, Nagetiere, Vögel und Reptilien.  Zudem gehören die Seelöwen in seine Obhut. Privat hält er ausser Spaltenschildkröten keine Haustiere mehr, früher besass er sieben Schlangen, Mäuse, Ratten und einen Hund.

Tierpfleger Markus Rüfenacht Der gelernte Schreiner Markus Rüfenacht arbeitet seit bald 14 Jahren im Zolli. Am Anfang war er im Springerdienst und übernahm die Pflege verschiedener Tiere. Seit drei Jahren kümmert er sich um die Tiere im Etoschahaus, was sehr abwechslungsreich sei. Mit den Mufflon sind Wiederkäuer darunter, Nagetiere, Vögel und Reptilien.  Zudem gehören die Seelöwen in seine Obhut. Privat hält er ausser Spaltenschildkröten keine Haustiere mehr, früher besass er sieben Schlangen, Mäuse, Ratten und einen Hund.

Juri Junkov

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