Am Donnerstag nimmt die steile Politkarriere des Basler GLP-Präsidenten David Wüest-Rudin ein Ende – zumindest vorerst: Mit der letzten Ratssitzung der Legislatur am Mittwoch und Donnerstag scheidet er aus dem Grossen Rat aus. Unfreiwillig. Der Gründer der Basler GLP wurde im Oktober abgewählt. Er wurde quasi Opfer des Erfolges seiner Partei: Im Wahlkreis Grossbasel-West überholten ihn Emmanuel Ullmann und Maria Bernasconi.

«Es hat schon ein paar Tage gebraucht, um das zu verdauen», sagt Wüest-Rudin heute. Er wirkt gefasst, aber auch ein wenig ergriffen. «Es bewegt mich schon, nicht mehr im Grossen Rat zu sein.»

Fünf Jahre Blitzkarriere

Vor der Gründung der Basler GLP vor fünf Jahren war Wüest-Rudin ein politisch kaum beschriebenes Blatt. Kurze Zeit, noch als Gymnasiast, war er Mitglied der Grünen im Kanton Baselland. «Das hat aber nicht richtig gepasst. Die waren mir in Finanzfragen zu links.» Nach seinem Austritt fehlte dem Politologen und Soziologen die «richtige Partei», um sich im Parlament zu engagieren – bis die GLP entstand. Nur ein Jahr nach der Gründung wurde er 2008 auf Anhieb in den Grossen Rat gewählt. «Das ging alles sehr schnell. Rückblickend kann ich auch sagen: wie gewonnen, so zerronnen.» Natürlich sei es enttäuschend, dass die GLP in Basel nicht den Aufwärtstrend erlebt habe wie in anderen Städten. «Aber immerhin konnten wir unseren Wähleranteil halten.»

Wie es nach der Abwahl des unermüdlichen Strategen mit der GLP in Basel weiter gehen soll, darüber diskutiert die Partei derzeit eingehend. «Sicher ist, dass es auch ohne mich im Grossen Rat weiter geht. Da habe ich keine Angst», sagt Wüest-Rudin. Trotz eines Sitzes weniger habe die Partei im Parlament nach den Wahlen eher an Bedeutung gewonnen, als verloren: «Unsere Grossräte werden bei der jetzigen Sitzverteilung zwischen Bürgerlichen und der Linken häufiger den Ausschlag über Entscheidungen geben.»

Präsidium: Entscheid im März

Ob Wüest-Rudin weiterhin Parteipräsident bleibt, entscheidet sich nach der Fasnacht. «So eine Entscheidung fällt man nicht alleine, noch ist alles offen.» Zu den Optionen gehört auch, dass er sich vorübergehend aus der Politik zurückzieht und zu einem späteren Zeitpunkt zurück kommt. Denn vorerst zeichnet sich nicht ab, dass einer der gewählten GLP-Grossräte frühzeitig abtritt und Wüest-Rudin das Nachrücken ermöglicht. Falls er das Parteipräsidium behält, wäre eine Kandidatur für die Nationalratswahlen 2015 «durchaus denkbar».

Vorerst aber will Wüest-Rudin den neu gewonnen freien Mittwoch seinen Kindern widmen. «Vielleicht wird es für mich schon seltsam, wenn ich künftig die Ratsglocke von draussen höre», sinniert er. «Aber möglicherweise spiele ich dann auch mit meinem Sohn im Kannenfeldpark Fussball und werde es nicht vermissen.»