«Es war von Anfang an voll. Die Idee hat sich schnell herumgesprochen», erinnert sich Anita Ruggiero. Als das Sprachcafé im April das erste Mal statt fand, waren gleich 30 Personen da. Jeden zweiten Freitag gibt es von 18 bis 20 Uhr im Kleinbasler «Café Frühling» die Möglichkeit, miteinander Deutsch zu sprechen oder zu spielen.

Ruggiero studiert Deutsch und Geschichte. Parallel dazu unterrichtet sie Deutsch. So ist auch die Idee mit dem Sprachcafé entstanden: «Es gab bisher keine Möglichkeit, unkompliziert Deutsch zu reden. Ausserdem möchten wir, dass sich verschiedene Leute mischen.»

Neben Flüchtlingen auch Expats

Tatsächlich kommen neben Flüchtlingen, Expats und Erasmus-Studenten auch Leute, die in der Hotellerie arbeiten und eine Fotografin zum Sprachcafé. Die Initianten haben sich mittlerweile in einem Verein organisiert. Die Mitgliedschaft kostet 40 Franken im Jahr. Derzeit hat er 18 Mitglieder. «Es haben nicht immer alle am Freitag Zeit, aber mindestens die Hälfte kommt meistens. Ihre Aufgabe ist es, die Gespräche anzuleiten. Wir versuchen natürlich, mit den Flüchtlingen ins Gespräch zu kommen», erzählt der angehende Sek-Lehrer Nicola Schnell.

Mit der Zeit entwickle sich ein Vertrauensverhältnis. «Es entstehen Freundschaften. Wir hören aber auch Geschichten extremer Gewalt», fährt er fort. «Es ist wichtig, sich davon auch abgrenzen zu können», ergänzt Anita Ruggiero. Die Mehrzahl der Vereinsmitglieder sind junge Frauen und viele Primarschullehrerinnen. Die Flüchtlinge sind meistens junge Männer und kommen überwiegend aus Syrien und Afghanistan.

Die Begrüssung an diesem Dezemberabend ist sehr herzlich. Um Punkt 18 Uhr füllt sich das «Café Frühling» und mehrere Tische mit den Schildern Sprachcafé sind schnell besetzt. Ruggiero verteilt Spiele. Ausserdem gibt es für die Flüchtlinge einen Getränkegutschein, mit dem sie sich an der Bar nicht alkoholische Getränke holen können.

Der Aufwand ist hoch. «Es gibt viel im Hintergrund zu organisieren», berichtet Ruggiero. Es gebe viele Anfragen, das Sprachcafé auch woanders zu machen. Auch deshalb suchen die Initianten weitere Mitglieder wie Stiftungen, die sie unterstützen.

Trotz vieler schwerer Vorgeschichten, geht es fröhlich zu beim Sprachcafé. «Es macht viel Spass und die Teilnehmer sind sehr dankbar», freut sich Ruggiero.

Einmal waren alle 18 Vereinsmitglieder bei einer afghanischen Flüchtlingsfamilie in Reigoldswil zum Essen eingeladen. Die Anzahl war kein Problem. «Sie haben zu uns gesagt, dass sie zu Hause für 70 kochen», sagt Schnell. (PSC)

www.sprachcafe-basel.ch