Wir kennen uns zwei Jahre, Sie und ich. Sie wissen: Ich bin Velokurier. Durfte Ihnen einiges erzählen rund um meine Welt auf zwei Rädern. Deshalb: Zeit für ein Geständnis. Ich besitze ein Auto. Seit zwanzig Jahren. Ein VW-Bus Typ 3 Transporter. Steht seit vier Monaten in Alba di Canazei in den Dolomiten. Nicht er, sondern das Krankenauto transportierte mich nach Hause. Hole ihn heim. Mit dem Velo. 550 Kilometer.

07.57 Uhr Tag I, Restaurant Rebstock, Eichberg 29, Dettighofen. Frage nach Wasser für mein Bidon. «Hahnenburger?» – «Ja klar, Wasser ist Wasser.» Massiver Widerspruch. «Wo ein Pferd trinkt, kann man trinken, bei Hunden nicht», habe ihm der Vater beigebracht. Weiter. Wenig Pferde unterwegs zu sehen. Schaffhausen. Konstanz. Fähre Meersburg, Elternbesuch. Tankstelle. Dann erste Hügel im Allgäu. Im Südwesten blauoranges Nachleuchten auf dem Bodensee. Rolle den Schlafsack auf der Wiese aus.


21.02 Uhr Tag II, rote Ampel, Leopoldsstrasse, Innsbruck. Grün, konzentrierter Antritt dem Entscheid folgend, ins Tal hoch auf den Brenner. B 182. Seit fünfzehn Stunden unterwegs. Hinter mir der Anstieg unter die Südflanke der Zugspitze. Velofahren wie an der Beinpresse im Fitnessstudio. Dann fünfundzwanzig Kilometer Schotterpiste im Gaistal. Jetzt im Lichtkegel der Stirnlampe. Ich fliege, der Rausch, auf den Pass. Mitternacht. Der Vernunft geschuldet, die Abfahrt bei Tageslicht. Rolle den Schlafsack auf dem Wohnmobilparkplatz aus.

13.00 Uhr Tag III, Kompatsch, Seiser Alm, Dolomiten. Zuerst fragen, wo wir sind. Dann Speisekarte. Jetzt mit zitternder Hand zur Gemüsesuppe. Salzstreuer entleert. Blick auf den Sonnenbrand an Armen und Beinen. Quere die Skipiste, wo ich vor vier Monaten runtergeblocht bin. Angekommen im Paradies. Unzählige Serpentinen zwischen Rosengarten, Langkofel, Gruppo del Sella. Unzählige auf ihren Rennrädern. Meine Königsetappe. Ein letztes Mal runter. Jage die Automobile.

Sitze auf der Hotelterrasse. Staune über die Welt und mich. Ein Einbruch wird kommen. Dann tuckere ich mit meinem Fahrzeug nach Hause. Ja, bin parat, wieder als Velokurier zu arbeiten.

ride on A#115

Wo bin ich? Machen Sie mit beim obigen Bilderrätsel von Velokurier Armin Biehler und gewinnen Sie ein Exemplar seines Buchs «A#115». 

Schreiben Sie eine E-Mail an mailadmin@biehler-film.org mit dem Lösungswort, Ihrem Namen und der Post-Adresse. Einsendeschluss: Samstag,
3. August 2019. Der Gewinner wird persönlich benachrichtigt.

Über den Wettbewerb wird keine Korrespondenz geführt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Daten aller Teilnehmer werden vertraulich behandelt.