«Abverheyt» – der baseldeutsche Ausdruck steht für misslungen. Dass sich gleich zwei Cliquen an der Fasnacht «Misslungene» nennen, hat einen tief in die Frauengeschichte zurückgehenden Grund: 1938 versuchte eine kleine Gruppe junger Frauen, die Fasnacht machen wollten, bei der «Alti Richtig» Mitglied zu werden und am Cortège mitzupfeifen.

Doch die Herren liessen das nicht zu, wodurch die «Integration» in eine Männerclique «abverheyt» war. Also gründeten die Damen flugs ihre eigene Clique. Die junge Gruppe überstand die Kriegszeit und auch die Anfeindungen der Männercliquen.

1947 – Après-Skifimmel

1947 – Après-Skifimmel

Und um Akzeptanz musste sie noch drei Jahrzehnte später kämpfen. Christine Bürgin kam 1971 mit einer Freundin zu den «Abverheyte»: «Es war damals noch nicht selbstverständlich, dass junge Frauen Fasnacht machten». Ihre Eltern seien gar darauf angesprochen worden, warum sie ihr dies bloss erlauben würden? 1975 kamen dann noch interne Meinungsverschiedenheiten dazu. Diese waren – wie in Fasnachtskreisen oft – sehr heftig und führten zu einer Cliquenspaltung.

Aufnahme aus dem Jahr 1975, als sich die «Alte Abverheyte» von den «Abverheyte» abspalteten.

Aufnahme aus dem Jahr 1975, als sich die «Alte Abverheyte» von den «Abverheyte» abspalteten.

Mit der genauen Ursache des Streits will auch über 40 Jahre später niemand so recht rausrücken. Klar ist aber, dass den älteren Mitgliedern die Ideen der Jüngeren nicht zugesagt haben. Zuerst stand die Gründung einer alten Garde im Vordergrund. Doch dann spalteten sich die älteren Mitglieder richtig ab und gründeten als eigenständige Einheit die «Alte Abverheyte».

Von alten, wunden Punkten

Das «alt» ist zum einen als «usprünglich» und zum anderen für «alte Garde» zu interpretieren: Zu den «alten» haben sich unter anderem Ruth Eidenbenz-Tschudin, Tochter des Larven-Tschudin, Gründungsmitglied und Larven-Sammlerin, sowie Marianne Baumgartner-Remund, bekannte Larven- und Kostümkünstlerin, gesellt. Der ursprüngliche Name, die Cliquenkasse und der Cliquenkeller verblieben bei den «Abverheyte». «Es ist heute noch ein wunder Punkt», gesteht Giulietta Grüninger, Obfrau der «Abverheyte».

«Es sind zwei verschiedene Cliquen mit einem gemeinsamen Ursprung», sagt Corinna Kaupp, Obfrau der «Alte Abverheyte». Beide erklären, dass man keine gemeinsamen Aktivitäten pflege und sich auch nicht austausche. Die «Abverheyte» bestehen aktuell aus 20 Pfeiferinnen und sieben Vorträblerinnen. Sie haben keine Tambouren. Die «Alte Abverheyte» sind ähnlich viele Pfeiferinnen und haben auch keine Tambouren, aber eine Tambourmajorin.

Das Nachwuchsproblem ist bei beiden Cliquen ein grosses Thema. Die «Abverheyte» versuchen mit Homepage, Flyer und eigener Pfeiferschule auf sich aufmerksam zu machen. Die andere Clique bietet ebenfalls Pfeiferunterricht an, aber individuell. Kaupp wendet sich unter anderem an Wiedereinsteigerinnen, die vielleicht einmal als junges Mädchen das fasnächtliche Handwerk gelernt haben und jetzt wieder aktiv werden möchten. Grüninger macht mit ihren Frauen an der «ersten Lektion» auf dem Barfi mit.

Männer nur als allerletze Lösung

Trotz all dieser Bemühungen räumt die Obfrau ein, dass über eine Öffnung diskutiert wurde. Doch Männer aufzunehmen sei eine der allerletzten Möglichkeiten für die «Abverheyte». Heute sind gemischt-geschlechtliche Cliquen allerdings normal und junge Leute können sich das gar nicht anders vorstellen. In den ersten Jahrzehnten der «Abverheyte» gab es noch Mädchenschulen und daher war es nichts Besonderes auch die Freizeit von Buben getrennt zu verbringen.

Die Jungen sollen an der Fasnacht mit einem «Jubiläumssujet» aufgerüttelt werden: Die Frauen feiern «50 Jahre 68er» und kritisieren die Jungen von heute als zu zahm, langweilig, angepasst und mit zu wenig Engagement versehen.

Die «Alte Abverheyte» absolvieren dieses Jahr den Cortège nicht, oder wie es Kaupp schöner sagt: «Wer uns entdecken will, muss gässle». Das lohnt sich in diesem Jahr speziell, da die Clique Stofflarven tragen wird. «An dieser Fasnacht zu Ehren an Marianne Baumgartner», erklärt Kaupp.

Die im Oktober verstorbene Larven- und Kostümkünstlerin hat Larven aus Stoff, Filz oder Wolle entwickelt. Baumgartner war ebenfalls ein Cliquenmitglied. Übrigens hat die «Alti Richtig» 1961 nachgeholt, was 1938 verpasst wurde. Mit der «Junte vo dr Alte Richtig» gründeten sie doch noch eine Frauenclique.