Mitte Juli. Und nichts mit Feierabend-Chillen am Rhein. Wie es eigentlich im Sommer üblich wäre. Der Blick aus dem Fenster zeigt anderes: Regen, Regen, Regen. Und auch die Wettervorhersagen versprechen keine Besserung: Es regnet noch einige Tage weiter. Nicht nur Grillieren am Rhein ist derzeit kein Thema, sondern auch Hineinspringen fällt ins Wasser, denn mit dem vielen Regen steigt auch der «Bach»-Pegel.

Geschwindigkeit wird reduziert

696 Zentimeter hoch steht das Rheinwasser am Pegelstand Basel-Rheinhalle. Noch 4 Zentimeter und die Stufe der Hochwassermarke I ist erreicht. Dann müssen erste Einschränkungen in Bezug auf die Schifffahrt vorgenommen werden, wie Fritz Hodel, Abteilungsleiter Schifffahrtspolizei Basel, erklärt. Die Schiffe dürfen dann nur noch in dem mittleren Drittel der Rheinbreite fahren wegen der Uferbeschädigung durch Sog und Wellenschlag, die die Schiffe auslösen. Zudem würde die maximale Geschwindigkeit bachabwärts auf 20 Kilometer pro Stunde reduziert.

Dem Rhein entlang sind rund 20 Pegel installiert, anhand derer die Schifffahrt gesteuert wird. Zwei Mal täglich werden die für die Schifffahrt relevanten Zahlen durchgegeben. Anhand dieser wissen die Kapitäne, wie viel Ladung sie mitnehmen dürfen. «Die Kapitäne müssen die Wettervoraussicht studieren und dementsprechend das Gewicht ihrer Ladung bestimmen.»

Doch auch wenn der Rheinpegel den Spaziergängern am Ufer derzeit hoch scheint, ist das keine aussergewöhnliche Marke. Der Pegel steigt mehrmals im Jahr auf 700 Zentimeter. Normalerweise liegt die Höhe des Flusses zwischen 550 und 600 Zentimetern. Richtig gefährlich wirds ab 790 Zentimetern. Dann werde die Schifffahrt bei Marke II in Basel eingestellt, sagt Hodel. «Die Mittlere Brücke hat mit 5.40 Metern die tiefste Bogenhöhe.»

Die Eisbären wissen, wie’s geht

Für Rheinschwimmer ist nun das Treibenlassen im Rhein definitiv tabu. «Das ist schlicht lebensgefährlich.» Die «Eisbären» kennt der ehemalige Schifffahrtskapitän natürlich. «Bei ihnen handelt es sich um erfahrene Schwimmer, die wissen, wie man sich bei solchen Bedingungen verhält. Sie bleiben in Ufernähe.»

Das Problem sind die Unerfahrenen, die einfach ins Wasser springen. Zwar werden jeden Sommer die Schiffe geprüft, ob deren Schiffshorn funktioniert. Das sei eine Auflage, so der ehemalige Schiffskapitän. Um Unfällen vorzubeugen, muss auf dem Bug jedes Schiffes ein Besatzungsmitglied stehen und Ausschau halten. Der jeweilige Kapitän nämlich ist einem Sichtschatten von bis zu 500 Metern ausgeliefert. «Aber selbst wenn das Besatzungsmitglied vorne eine Warnung durchgibt, kann der Kapitän mit seinem Schiff nicht mehr ausweichen, höchstens das Tempo drosseln.»

Damit die Marke II erreicht wird, braucht es dann allerdings noch einiges an Niederschlag. Hochwasser kommt in Basel höchstens alle 50 Jahre vor. Also keine Angst: Obwohl die Basler noch bis Anfang nächster Woche die Abende zu Hause verbringen müssen, wird der Rheinwasserpegel laut Vorhersage nicht mehr weiter über 700 Zentimeter steigen.