Narrekappe
Die erste Unesco-Fasnacht: Wie fühlt sich das an?

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Naarebaschi am Cortège

Naarebaschi am Cortège

Kenneth Nars

Jetzt haben wir den ersten Unesco-Fasnachtstag hinter uns. Und siehe da: Es ist nichts anderes passiert als sonst. Der Morgenstreich hat uns um vier Uhr Hühnerhaut beschert. Es ist geruesst und gepfiffen worden, dass es eine Freude war, und auch die Gugge haben geschränzt, dass die Fassaden wackelten. Die Palette der anvisierten Sujets hat – von liebenswürdig spitzig bis ernsthaft bissig – kaum Wünsche übrig gelassen, sei es bei den Cliquen oder bei den Schnitzelbängg. Die Wagencliquen haben einmal mehr mit Ideenreichtum zugelegt, und die Chaisen haben sich nach wie vor zusammen mit den Pferden in Schönheit gebadet.

Morgestraich
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Morgestraich Basler Fasnacht. Morgestraich. Photo by Roland Schmid
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Morgestraich Basler Fasnacht. Morgestraich. Photo by Roland Schmid
Programm der Basler Fasnacht 2018 - wir sind mit Ihnen und für Sie dabei
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Morgestraich Basler Fasnacht. Morgestraich. Photo by Roland Schmid
Morgestraich Basler Fasnacht. Morgestraich. Photo by Roland Schmid
Morgestraich Basler Fasnacht. Morgestraich. Photo by Roland Schmid
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Roland Schmid

Aber da gab es doch diese kritischen Stimmen der Ur-Fasnächtler und selbst ernannten Gralshüter unserer Traditionen: Wozu brauchen wir denn ein Unesco-Zertifikat? Soll uns diktiert werden, wie wir unsere Fasnacht zu gestalten haben? Wollen wir mit Touristen überschwemmt werden, und müssen wir uns jetzt diesen Ausländern und Banausen sogar noch anpassen?

Aber eben, geändert hat sich gar nichts. Ausser, dass der Unesco-Eintrag hier und dort bei Cliquen und Schnitzelbänggen zur Ehre eines Sujets gekommen ist, wenn auch zumeist brav und harmlos. Genau diese Kontinuität ist Sinn und Zweck der Aufnahme auf die berühmte Weltliste. Mit einem solchen Eintrag verpflichtet sich ein Land, zu seinem Brauchtum ganz besonders Sorge zu tragen, Traditionen weiterzuführen, aber auch weiter zu entwickeln und vor allem weiter zu geben an die nächsten Generationen. Diese Balance zwischen Traditionspflege und Erneuerung ist bei uns von jeher ein ständiges Thema und wird mit dem Unesco-Label noch stärker ins Bewusstsein gerückt. Nicht nur für die Aktiven, sondern auch für Passive, Gäste und auch für unsere Behörden, wenn es um die Unterstützung und Förderung der Fasnächtlerinnen und Fasnächtler geht.

Und dann die Touristen: Natürlich feiern wir die Fasnacht als grosses Familienfest, an welchem die Baslerinnen und Basler sich selber genügen. Dieser chauvinistische Aspekt ist aber nur ein Teil unseres Brauchtums. Vor allem ist unsere Fasnacht den Sujets, der Kritik verpflichtet. Wir kritisieren und persiflieren. Wir zeigen mit gigantischem Aufwand der Cliquen und Schnitzelbängg auf, wo der Schuh drückt. Also können ja gar nicht genug Zuschauerscharen kommen, denen wir den Spiegel vorhalten.

Die Schweiz hat vor einigen Jahren das Abkommen betreffend immaterieller Kulturerben mit der Unesco unterzeichnet. Dass der Bundesrat dann mit Erfolg beschlossen hat, die Basler Fasnacht fürs Weltkulturerbe vorzuschlagen, dürfen wir dankbar zur Kenntnis nehmen. Man stelle sich das Basler Protestgeheul vor, wenn es eine andere Fasnacht aus der Schweiz gewesen wäre. Oder gar ein Sächsilüte.