Umwelt
Die erste Wildkatze seit 100 Jahren ist aufgetaucht

Im Landkreis Lörrach sind wieder Wildkatzen heimisch – das belegen jetzt Fotonachweise und Gentests. Rund zwanzig Wildkatzen streifen durch das Blauengebiet.

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Der Lockstock hat diese Wildkatze im Röttlerwald bei Lörrach dazu verführt, die Kamera auszulösen. zvg

Der Lockstock hat diese Wildkatze im Röttlerwald bei Lörrach dazu verführt, die Kamera auszulösen. zvg

bz Basellandschaftliche Zeitung

Mit Fotofallen und Gentests sind in den letzten Jahren einzelne Nachweise der nachtaktiven Tiere gelungen. In Baden-Württemberg hingegen gelten sie seit 1912 als ausgestorben. Doch nun sind erstmals auch im Landkreis Lörrach Fotonachweise gelungen, die belegen, Wildkatzen wieder in den Wäldern leben. Schon vor zwei Jahren wurde wieder eines der scheuen Tiere im Röttlerwald bei Lörrach beobachtet. Da die Wildkatzen den Hauskatzen stark gleichen, war diese Beobachtung mit Unsicherheiten behaftet. Dank genetischer Untersuchungen gibt es nun aber die Gewissheit, dass Wildkatzen in verschiedenen Waldgebieten des Landkreises Lörrach wieder vorkommen.

«Ausgerechnet im Jahr der Wälder»

Thomas Unke, Leiter der Landkreis-Forstverwaltung, hält es für «hoch erfreulich, dass es ausgerechnet im internationalen Jahr der Wälder mit dem Nachweis von Wildkatzen ein spektakuläres Beispiel für die positiven Auswirkungen der seit vielen Jahren praktizierten naturnahen Waldwirtschaft im Bereich des Natur- und Artenschutzes gibt». Denn Wildkatzen sind auf weiträumige naturnahe Areale mit hohem Waldanteil, bevorzugt strukturreiche Laubwälder, angewiesen. Deshalb zeige das Vorkommen der Wildkatzen, dass solche ökologisch intakte Waldgebiete grossflächig vorhanden sind.

Nach einer glaubhaft geschilderten Beobachtung der einzelgängerischen Wildkatzen im Jahr 2009 ist Hubertus Stratmann als einer der drei Wildtierbeauftragten der Lörracher Forstverwaltung beauftragt worden, weitere Belege für das Vorkommen von Wildkatzen zu suchen. Stratmann hat dazu in Abstimmung mit der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg selbstauslösende Fotofallen an ausgewählten Standorten im Staatswald aufgestellt und dort die so genannte «Baldrian-Lockstockmethode» angewendet. Dabei werden raue Holzpfähle in den Boden geschlagen und mit Baldriantinktur besprüht. Der Baldriangeruch zieht Wildkatzen magisch an. Wenn sich die Tiere dann an den Holzpfählen reiben, bleiben Haare in der rauen Oberfläche hängen. Diese werden dann zur DNA-Analyse herangezogen. Pionierarbeit auf dem Gebiet hat der Baselbieter Biologe Darius Weber geleistet.

Ziel der Methode ist es, neben Fotos auch einen zweifelsfreien genetischen Nachweis zu bekommen. Denn allein aufgrund äusserer Merkmale lassen sich Wildkatzen mit dem wissenschaftlichen Namen «Felis silvestris silvestris» nicht zuverlässig von wildfarbigen getigerten Hauskatzen unterscheiden, erklärt der Wildtierbeauftragte. Zudem gibt es auch Kreuzungen zwischen Wildkatzen und Hauskatzen. Diese kommen zwar selten vor, weil die Vorfahren der Hauskatzen aus Afrika stammen und es sich bei den Hauskatzen um eine andere Art handle. Erst der genetische Nachweis zählt als sichere Bestätigung.

Population noch nicht gesichert

Laut Stratmann haben die Fotofallen, die mit Infrarottechnik für Nachtaufnahmen ausgestattet sind, schon bald das Wildkatzenvorkommen bestätigt. Eine erste verwertbare Haarprobe aus dem Röttlerwald ist 2010 gewonnen worden. Im März und April dieses Jahres sind dann, drei weitere Haarproben gelungen, die alle zweifelsfrei von Wildkatzen stammen. Da die vier Nachweise zeitlich recht nahe, räumlich aber relativ weit auseinanderliegen, ist davon auszugehen, dass es sich nicht nur um vereinzelte, zufällig durchstreifende Exemplare handelt.

Vielmehr haben Wildkatzen die Waldlebensräume im Landkreis Lörrach angenommen und wieder besiedelt. Von einer gesicherten Population kann aber noch nicht gesprochen werden. (bz/öpf)

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