Findet irgendwo ein Römeranlass statt, ist die Vereinigung für experimentelle Archäologie, «Cives Rauraci et Vicani Vindonissenses» (Bürger von Augusta Raurica und Bewohner von Vindonissa) kaum mehr wegzudenken. Noch nie hat sie so viele Engagements erhalten wie in diesem Jahr. So wirkte sie an Anlässen auf dem Legionärspfad mit, auf Schloss Wellenberg bei Frauenfeld, am Museumstag Olten, bei der Wiedereinweihung der Tempelruinen Petinesca bei Biel, an den Römertagen Brugg, Hüfingen (D) und Augst.

Basler gründete die Gruppe

Die Häufung der Engagements ist ein Zeichen dafür, dass das Interesse der Bevölkerung an der römischen Geschichte immer grösser wird – und dass es diese Gruppe besonders gut versteht, das Leben und Wirken der römischen Zivilbevölkerung möglichst authentisch und packend wiederzugeben. Die 30 Mitglieder sind in den 20 Jahren zu eigentlichen Fachleuten herangereift und wissen die Besucher zu begeistern und faszinieren. Einige geben ihr Wissen und Können auch an Kursen weiter. Initiant der Gruppe ist der Basler Otto Lukas Hänzi. Während seines ETH-Studiums in Architektur, Archäologie und Kunstgeschichte absolvierte er Praktika in Augst und leitete Ausgrabungen.

Vor zwanzig Jahren reiste er mit anderen Vertretern von Augusta Raurica an einen Römeranlass nach Rottweil (D). Dabei zündete in ihm der Funke. Warum gibt es nur römische Militärgruppen, aber keine zivilen? Ist das damalige Leben und Wirken der zivilen Bevölkerung nicht ebenso interessant? Flugs gründete er mit drei andern Interessierten die Vereinigung «Civis Rauracorum» – die europaweit erste, rein zivile römische Reenactment-Gruppe (Neuinszenierung geschichtlicher Ereignisse). Noch im gleichen Jahr bastelte und betrieb das Quartett einen kleinen Stand «Römisches Leben» am ersten Römerfest in Augst. Die Zahl der Auftritte – auch im Ausland – und der Mitglieder nahm daraufhin stetig zu, auch das deutsche Fernsehen zeigte Interesse.

Zusammenschluss mit Vindonissa

Als die Opladen-Cohorte Ende August 1995 nach einem Marsch Vindonissa erreichte, wurde sie von einer hiesigen Römergruppe empfangen, angeführt von Kathi Zimmermann, Irène und Martin Pfändler. Diese hatten am Jubiläum 2000 Jahre Windisch anno 1986 den «Römervirus» eingefangen. Da Hänzi am Empfang zugegen war, kam es zu Kontakten und bereits im folgenden Jahr zum Zusammenschluss und damit zur erweiterten Gruppe «Cives Rauraci et Vicani Vindonissenses». Es war dies ein Quantensprung in qualitativer wie quantitativer Hinsicht.

Mitglieder aus Basel und Brugg

Heute stammen je ein Dutzend Mitglieder aus der Region Basel und Brugg. Sie präsentieren an römisch geprägten Veranstaltungen ein breites Spektrum an Tätigkeiten und informieren darüber: Herstellung von Schreibtäfelchen, Töpferwaren, Bernstein- und Glasperlenschmuck, von Salben, Öllampen, Textilien, zeigen das Wirken eines Arztes und Friseurs, betreiben eine Garküche. Hier können die Besucher Häppchen und römischen Wein degustieren. Die Gruppe beeindruckt auch mit wunderschön dekorierten und ausgestatteten Zelten und Ständen. So verwundert es nicht, dass sie selbst schon nach Holland, Frankreich und Carnuntum/Wien engagiert wurde.

Hänzi freut sich über den Erfolg seiner Gruppe, das gute Klima und die Leidenschaft, mit welcher die Mitglieder Geschichte zum Anfassen vermitteln. Auch neue Mitglieder sind willkommen, die Interesse haben, als «Römer» Geschichte aufleben zu lassen.