Er geht ein Risiko ein, aber bis jetzt läufts rund – Stephan Schiesser klingt erleichtert: «Es hat einen Haufen Touristen, für sie ist unser traditionell gestalteter Tea-Room eine Attraktion.» Der Inhaber der Confiserie Schiesser am Marktplatz öffnet neuerdings sein «Kaffi» im ersten Stock auch sonntags, jeweils von 10 bis 17 Uhr.

Es handelt sich um einen Versuch, der bis Ende Jahr dauert. «Wenn es gut läuft, und danach sieht es im Moment aus, kann ich mir vorstellen, den offenen Sonntag im kommenden Jahr weiterzuführen», sagt Schiesser zur bz. Am Marktplatz sei die Nachfrage «definitiv» da, besonders, seit Basel Tourismus auch Stadtführungen am Sonntag durchführe.

Nicht bedient wird derweil die Ladentheke im Erdgeschoss – für den Verkauf würde Schiesser eine Bewilligung brauchen. Im Gastrogewerbe hingegen ist die Sonntagsbeschäftigung bewilligungsfrei. Insgesamt würden am Sonntag jeweils vier Personen im Einsatz stehen, sagt Schiesser: Seine Frau, zwei Mitarbeiterinnen und er selbst. «Es war überhaupt kein Problem, Arbeitskräfte zu finden, im Gegenteil. Ich beschäftige an diesem Tag Studenten und auch langjährige Mitarbeiterinnen.»

Schiesser sagt weiter, er habe sich diesen Schritt lange überlegt. Auch habe ihn der Basler Tourismus-Direktor Daniel Egloff dazu ermutigt, «im Sinne einer Belebung der Innenstadt».
Schiesser ist nicht der erste, der diesen Schritt wagt. Bereits seit Sommer hat – neben dem Café an der Schifflände – die Confiserie Bachmann in der Gerbergasse geöffnet. Geschäftsführer Aurel Bachmann zeigt sich zufrieden, die Filiale würde gut besucht.

Noch in der Projektphase

Wenn es nach Basel Tourismus und dem Verein Pro Innerstadt geht, so markieren Schiesser und Bachmann erst den Anfang: Weitere inhabergeführte Geschäfte und Cafés in der Innenstadt sollen folgen und ihre Türen auch sonntags öffnen. Bereits im Sommer fanden entsprechende Gespräche statt.

Das Ziel: Shoppingwilligen und hungrigen Touristen etwas zu bieten. Darauf angesprochen, wiegelt Mathias F. Böhm, Geschäftsführer von Pro Innerstadt, ab: «Gespräche finden statt, ja. Aber wir befinden uns erst in der Projektphase und sind noch daran, die Hauptzielgruppe zu definieren.»

Es sei nicht die Idee, so Böhm, dass lediglich vereinzelte Läden und Cafés öffnen, sondern gleich mehrere. «Eine solche Aktion könnten wir besser bewerben, im Sinne eines ganzheitlichen Produkts.» Man diskutiere derzeit über die Umsetzung.

Fest steht: Basel Tourismus und Pro Innerstadt werden viel Überzeugungsarbeit leisten müssen. Gerade Ladenbesitzer zeigen sich skeptisch. Etwa Carmen Martino von «Swiss Candles» in der Schneidergasse: «Grundsätzlich wäre ich als Inhaberin dazu bereit, am Sonntag im Laden zu stehen. Und ich habe mich dazu entschlossen, im Dezember jeden Sonntag geöffnet zu haben. Aber wir brauchen Unterstützung, damit die Leute auch davon erfahren.» Schliesslich müsste sich die Aktion unter dem Strich lohnen.