Basel-Mulhouse

Die Euphorie nach dem Stillstand: Am Euro-Airport stehen alle Zeichen auf Normalbetrieb

Nach den neusten Lockerungen herrscht auch am Euro-Airport beinahe wieder Normalbetrieb. Ein Augenschein zeigt wie dort so langsam wieder Urlaubsstimmung aufkommt.

«Heute ist ein erfreulicher Tag», sagt Stefan Wyer, und blickt rüber zu einer fünfköpfigen Familie, die sich vor ihrem Abflug unter freiem Himmel verpflegt. Die Eltern verteilen Sandwiches, das jüngste Familienmitglied döst im Maxi-Cosi, und die älteste Tochter prüft mit kritischer Miene den Handyempfang. Ihre Masken haben sie unters Kinn geklemmt.

Bei 26 Grad kommt am zweiten Sommerferienwochenende ein zaghafter Hauch von Urlaubsstimmung am Euro-Airport (EAP) auf. Wyer ist die Euphorie, als er seine Maske kurz ablegt, ins Gesicht geschrieben. Ungewisse Monate des Stillstands liegen hinter dem neuen Chef des Medienteams; Wyer übernahm sein Amt just zu Beginn der Coronakrise. «Wir befinden uns nun praktisch zur Hälfte im Normalbetrieb», betont er, als wir ihn kurz nach zwölf Uhr vor den Toren des Flughafens treffen. 35 Maschinen starten an diesem Sonntagmittag vom monatelang praktisch stillgelegten Rollfeld. Vor einem Jahr, am 5.Juli 2019, waren es rund 80.

Automat verkauft Snickers und Masken

Endlich komme wieder Leben in die gespenstische Stille, frohlockt Wyer. Aus dem vollen 50er-Bus steigen etliche Reisewillige mit Fernweh, einige mit Mundschutz, andere decken sich am Kiosk mit dem Obligatorium ein. Besonders Schweizern sei die Maskenpflicht, die im Innern des Flughafens bereits seit vier Wochen herrsche, noch nicht bewusst, sagt Wyer und zeigt auf Automaten, die neben Snickers auch Masken auf Knopfdruck ausspucken.

In der Abflughalle herrscht geschäftiges Treiben, etliche Passagiere stehen für eine Verbindung nach Istanbul an, der Mindestabstand wird eingehalten. Neben Reisen aus familiären Gründen nehme nun auch die Zahl an Touristen zu, betont Wyer. Kurz vor 13 Uhr wird die Warteschlange vor dem Easyjet-Check-in länger – Destination ist der süditalienische Badeort Brindisi. Er begleite seine betagten Eltern zum Check-in, sagt ein junger Mann. Eine Frau rückt derweil ihren beiden Töchtern im Schulalter die gemusterten Stoffmasken zurecht. Ein Kleinkind mit Maske hält sich an seinem Stofftier fest. Maskenpflicht herrsche ab zwölf Jahren, und dennoch läge es den meisten Eltern am Herzen, auch ihre jüngeren Kinder zu schützen, sagt Wyer dazu.

Er konstatiert, dass die Rückmeldungen der Passagiere zur Sicherheit bis anhin gut seien. Der Reinigungsaufwand sei aufs Maximum hochgefahren worden, viel benutzte Flächen würden regelmässig desinfiziert. Wegen der aufwendigeren Abläufe sei es indes ratsam, anstatt zwei bereits drei Stunden vor dem Abflug im Flughafen einzutreffen, so Wyer weiter. Das Sicherheitspersonal müsse etwa nach jeder Passagierkontrolle die Handschuhe wechseln, das brauche Zeit.

Vor lokalen Lockdown sind die Touristen nicht gefeit

«Ich fühle mich gut aufgehoben», sagt Petra de Francesci, die mit ihrem 17-jährigen Sohn für dreieinhalb Wochen nach Brindisi reist. Am Strand und in den Hotels sei die Situation entspannt, weiss sie von Freunden. Auch eine junge Touristin schätzt das Risiko, sich in ihrer Feriendestination Gran Canaria mit Covid-19 anzustecken, nicht höher ein als in der Schweiz. Mehr Sorgen bereiten ihr die täglich angepassten Quarantäne- und Ausreisebestimmungen. «In die Ferne kommt man immer», scherzt Euro-Airport-Mitarbeiter Raphael Weissreiner dazu. Gegen lokale Lockdowns seien Reisende jedoch nicht gefeit, sagt er.

Mit sehr ernster Miene erinnert sich Weissreiner an die Tage, an denen die Karte mit von Covid-19 betroffenen Gebieten von Stunde zu Stunde mehr Infektionsherde aufwies. Die Billigairline Easyjet, die nach wie vor der Hauptcarrier am EAP ist, habe seine Flotte regelmässig zur Wartung nach Genf geflogen. Schliesslich müssen auch die Piloten im Training bleiben, betont er. «Nun wacht der Flughafen langsam aus seinem Dornröschenschlaf auf.» Um die Plätze in den Maschinen zu besetzen, verringern die Airlines ihre Frequenzen, seien dadurch jedoch ausgebucht. Berlin ist beispielsweise bisher sechsmal täglich angeflogen worden, heute startet lediglich eine Maschine in die Bundeshauptstadt.

«Zum Gate bitte», hallt es aus den Lautsprechern. Dort treffen wir auf Familienzonen, in denen kein Abstand eingehalten werden muss. Die Passagiere werden zudem gestaffelt zum Boarding gerufen.

«Die Leute wollen wieder reisen,» sagt Wyer. «Nur die Stimmung fehlt noch ein wenig», ergänzt Weissreiner. Nun gelte es, eine Balance zu finden zwischen Bewahrung der Gesundheit und Wirtschaftlichkeit, so Wyer weiter.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1