Treue Fans der Electro-Parade griffen tief in ihre Taschen und sammelten innerhalb von zwei Wochen 7360 Franken per «Crowdfunding» – oder anders gesagt per Schwarmfinanzierung auf der Webseite wemakeit.ch. Die Plattform unterstützt kulturelle Projekte in den Bereichen Musik, Literatur oder Design.

Noch vor wenigen Tagen sah es finster aus für die unkommerzielle Parade für elektronische Musik. Die Organisatoren mussten plötzlich für die Kosten der Polizei aufkommen, weil ein neues, 2011 in Kraft getretenes Gesetz dies verlangt.

Schnelle Lösung

Der Moment der Wahrheit sei ein Schock für das OK gewesen, wie Präsident Alain Szerdahelyi sagt. «Crowdfunding» sei die letzte Chance gewesen, um an genügend Geld zu kommen. Kurzerhand reichte das OK das Profil der JSG auf der Website ein – dieses wurde bewilligt.

Die passionierten Fans liessen sich nicht lumpen: 53 Mal wurden 50 Franken gespendet, 11 Mal 100, 1 Mal 400 – einer Person war das Überleben der Parade gar 500 Franken wert. Man habe zwar erwartet, dass der Betrag zusammenkomme. «Wir hätten aber nie gedacht, dass es so schnell klappt.» Einige der Spender kennt Szerdahelyi. Personen, die einst auf einem Wagen Musik gemacht haben oder Kulturschaffende.

Ideal für Nischenprodukte

Die Schwarmfinanzierung ist in Basel ein junges Förderungsgefäss der Kulturabteilung. Leiter Philippe Bischof präsentierte das Projekt im vergangenen April in Zusammenhang mit dem neuen Kulturleitbild. Damals sagte er, das Gefäss sei interessant, «weil es hier keine Spartentrennungen gibt und vor allem weil Nischenprodukte Erfolg haben.»

Das Projekt könnte besser nicht laufen. Mitte Juni – eine Woche, nachdem die vom Kanton unterstützte Plattform online gestellt worden war – wurde der neue Skatepark am Klybeck-Quai so finanziert. Innerhalb von 30 Stunden kamen damals 4000 Franken zusammen.

Der Jungle Street Groove ist bereits das fünfte Basler Projekt, das per «Crowdfunding» ermöglicht wird. Bischof ist zufrieden mit dem Resultat: «Ich bin überrascht und freue mich, dass es bei sehr verschiedenen Projekten so gut funktioniert.»

Keine Lösung auf Dauer

Für den JSG-Präsidenten Alain Szerdahelyi ist wemakeit.ch – obwohl erfolgreich – keine Lösung. «Langfristig fahren wir eine andere Strategie. So macht es keinen Spass.» Das OK setzt auf Stiftungen, hat bisher aber nur Absagen erhalten. Dafür, dass ein Veranstalter für die Kosten aufkommen muss, die er generiert, hat Szerdahelyi Verständnis. Aber: «Wir generieren Mehrwert in der Stadt. Wir machen nicht nur Lärm und konsumieren Drogen.» Andere kulturelle Veranstaltungen erhalten vom Kanton Unterstützung, die der JSG auch brauchen könnte.

Philippe Bischof erklärt, dass der Basler Rockförderverein (RFV) den JSG bereits finanziell unterstütze. «Der Kanton darf nicht ein Projekt über mehrere Kanäle unterstützen.» Aber: «Die Tatsache, dass über ‹Crowdfunding› genügend Geld für den JSG zusammengekommen ist, wird die Veranstalter ermutigen.» Und wenn man hier von Gratis-Kultur spricht, sieht man erneut, dass es diese nicht gibt. «Ich finde es sehr positiv, dass die Leute bereit sind, Geld für einen unentgeltlichen Anlass zu spenden, der ihnen am Herzen liegt.»

Die Organisatoren des Jungle Street Groove bekommen derzeit Unterstützung der Basler Juso. Diese hat die Initiative «lebendige Kulturstadt für alle» eingereicht, die momentan bei Regierungsrat Guy Morin vorliegt, erläutert Partei-Präsidentin Sarah Wyss. Bis in drei Wochen soll diese beantwortet sein. «‹Crowdfunding› ist eine gute Lösung. Aber es muss grundsätzlich so sein, dass kulturelle Anlässe in Basel von kantonalen Behörden gefördert werden.»