Basler Fasnacht

Die Fasnacht sitzt im Kleinbasel – und das Sujet-Aufsparen auf 2021 macht den Künstlern Sorgen

Die Fasnacht fand am Dienstag vor allem im Kleinbasel statt. Vor dem «Schiefen Eck» und «Schafeck» haben sich die Hartnäckigen niedergelassen. Die Fasnachtskünstler warnen derweil wegen des Sujet-Sparens bereits vor wirtschaftlichen Folgen für 2021.

Das Fasnachts-Comité stellte am Montagabend in einer Mitteilung an die Medien noch klar: Sämtliche Fasnachts-Aktivitäten bleiben untersagt. Dies wegen der Bedrohungslage durch das Corona-Virus. Das Verbot wurde weitgehend eingehalten: Am Dienstag, dem üblicherweise buntesten und ausgelassensten der drei Basler Fasnachtstage, herrschte überall weitgehend schlichter Alltag.

Überall? Nicht ganz. In einem kleinen Geviert im minderen Basel fand man sie noch, die Kostümierten. Darunter vor allem Kinder, die den Kinderumzug nicht sein lassen wollten. Die letzte Bastion der Fasnachtswilligen, das Restaurant «Schafeck», war erneut zum Bersten voll, draussen versammelten sich Erwachsene in improvisierten Kostümen und mit Grill. Auch um die Ecke beim Claraplatz sassen und standen sie ums «Schiefe Eck» – und das wars dann schon wieder mit der Manifestation von Fasnächtlern in der Öffentlichkeit.

Ein Mini-Fasnachtszug in der Rheingasse

Ein Mini-Fasnachtszug in der Rheingasse

 

Den Rest bildeten Kinder. Einzelne Familien und kleine Gruppen warfen sich ins Kostüm, freuten sich am Räpplischleudern und liessen sich auf ihren Requisiten von den Eltern ziehen. Hie und da trommelte einer, selten erklang ein Piccolo. Oft war, was man für Fasnachtsgeräusche hielt, nur Quietschen und Rattern von Trams. Kurz und gut: Nur wenn man Fasnacht suchte, fand man sie.

Ein Jahr einlagern: Folgen könnten existenziell sein

Das Fasnachtsverbot wird seit Montagabend weitgehend diszipliniert eingehalten. Gruppierungen sind in zivil unterwegs und halten sich entweder in Beizen auf, wo sie ohnehin reserviert hatten, oder finden sich zu Stubete in Privatwohnungen ein. Derweil in der Öffentlichkeit sprichwörtlich tote Hose herrscht. Die Polizei ist präsent, hat aber wenig zu tun.

Doch jetzt bahnt sich das nächste Absage-Dilemma an. Viele Stammvereine überlegen sich, das 2020 nicht ausgespielte Sujet einfach für 2021 aufzusparen. Zumal das Fasnachts-Comité der Idee einer Ersatz-Fasnacht noch am Montag eine Abfuhr erteilte.

Das stürzt nun die Fasnachtskünstler in eine Krise. Einige von ihnen leben von der Basler Fasnacht, sind von Mal-, Schneider- oder weiteren Aufträgen abhängig. Die Entlöhnung ist nicht fürstlich, denn ihre Auftraggeber, die Vereine, verfügen selbst nur über beschränkte Budgets. Fällt eine Saison aus – wie es auf 2021 hin aussieht –, würde dies mehrere Klein- und Kleinstbetriebe gefährden. Dass für die «Wenig-Verdiener» mit ebenso kleinen finanziellen Reserven das Sujet-Sparen Folgen hat, schreibt nun Laternenkünstler Pascal Joray, Vizepräsident der Basler Künstlergesellschaft, in einer E-Mail an die bz. Diese existenziellen Fragen könnten neben Schneidern auch Larvenmacher treffen.

Blaggedde-Gelder gehen dennoch an Cliquen

Tatsächlich sind viele Laternen trotz Fasnachtsabsage nicht an die Öffentlichkeit gelangt. Ein anderer Künstler sagte gegenüber der bz bereits, er hätte ja aus persönlicher Sicht nichts gegen eine mediale Präsentation seines diesjährigen Werks, der Entscheid liege aber beim Auftraggeber, dem betroffenen Stammverein. Da sich aber auch diese Clique zumindest visuell für 2021 aufsparen möchte, fiel ein mögliches Shooting flach.

Dass zumindest die Cliquen 2020 trotz geschobenem Sujet finanziell nicht leer ausgehen, hat das Comité schon bestätigt. Bereits verkaufte Blaggedde werden nicht zurückgenommen, der bereits umgesetzte Erlös wird per Subventionsschlüssel an Cliquen und Verkäufer ausgeschüttet. Auch wenn der Markt für Plaketten umgehend nach Absage der Fasnacht am Freitag zusammenbrach.

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