Grau schimmert der Schriftzug «Sculpture on The Move» an der Fassade. Er scheint aufgemalt. Leicht irritierend, denn an hellen, von der Sonne bestrahlten Stellen verschwindet er im beigen Nichts der Fassade. «On The Move» bekommt da eine ganz neue, wohl nicht beabsichtigte Bedeutung.

Auf den ersten Blick scheint es, dass dieses Schriftband nichts mit Beleuchtungstechnik zu tun hat. «Genau das ist beabsichtigt» sagt Valentin Spiess, CEO der Firma iart, die die Anlage zusammen mit den Architekten Christ & Gantenbein entwickelt hat. «Es ist ein Spiel mit Licht und Schatten.»

Kunstmuseum Basel: Lichtfries von «iart»

Wie funktioniert das? Auf einer Höhe von zwölf Metern umzieht ein drei Meter hoher Fries das Gebäude. Seine schmalen, horizontal verlaufenden Fugen bilden ein feines Relief und werden vom einfallenden Tageslicht verschattet. In die Fugen sind weisse lichtemittierende Dioden (LED) eingelegt, die von der Strasse nicht sichtbar sind. Dort, wo die LED-Leuchten sind, wird es diffus heller. Sie leuchten also gerade dort, wo der (dunkel erscheinende) Buchstaben nicht ist.

Die Fassade wirke mal mehr und mal weniger transparent, sagt Spiess. Am Tag gleicht der Fries einer aufgemalten oder gemauerten Schrift. Bei abnehmendem Tageslicht passt sich der Fries den Lichtverhältnissen an und nimmt an Strahlkraft zu. Es entstehe die Illusion eines durchlässigen Mauerwerks, das dem Aussenstehenden einen Einblick ins Gebäude zu geben vermag.

115 Meter lang

Der Lichtfries erstreckt sich über sieben Fassadensegmente und ist insgesamt 115 Meter lang. Er besteht aus 40 horizontalen Fugen à je 1306 Pixel, was einer Gesamtauflösung von 1306 x 40 Pixeln entspricht. Die Distanz zwischen den einzelnen LED beträgt 22 Millimeter, wobei jeweils vier nebeneinanderliegende LED einen Pixel bilden. Sensoren auf dem Dach des Gebäudes ermitteln die Lichtmenge, die auf die einzelnen Fassadensegmente fällt und beeinflussen dadurch die Helligkeit der LED. Der Lichtfries wurde von Christ & Gantenbein und iart als integraler Bestandteil der Architektur konzipiert, und das von Beginn weg, als vor gut sechs Jahren das Projekt eingegeben wurde. Die Anforderungen an die Technik sei enorm, sagt Spiess. Kälte, Nässe, Hitze, UV-Licht, all die Klimaeinwirkungen spielten eine Rolle. «Das Projekt war auch nur möglich, weil alle Beteiligten bis hin zum Backsteinproduzenten intensiv zusammengearbeitet haben.»

Die vor 15 Jahren gegründete iart hat schon mehrere Projekte realisiert. Eines davon war der interaktive Katalog der Gaugin-Ausstellung in der Fondation Beyeler und eine ebenfalls interaktive Weltkarte.

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Schon früher Schlagzeilen

Für Schlagzeilen sorgte die 18 mal 8 Meter grosse 3-D-Installation an den Winterspiele in Sotschi 2014. Die kinetische Fassade des Megafaces-Pavillons konnte, vergleichbar mit einem beweglichen Nagelkissen, dreidimensionale Objekte räumlich nachbilden und so menschliche Gesichter plastisch darstellen. Sie zeigte 3-D-«Selfies» von Besuchern des Gebäudes sowie Sportfans aus ganz Russland und gab so allen die Möglichkeit, das Gesicht der Olympischen Winterspiele zu werden. Für diese Installationen holte die Firma Awards und Preise gleich im Dutzend ab. In Basel bekannt sind die iart-Leuchtschriften in den Foyers der neuen Messehalle. Sie können flexibel bespielt werden und erlauben der Messe Basel, individuell auf die jeweiligen Anlässe, Kundenwünsche und Kommunikationsbedürfnisse einzugehen.

Spiess realisierte zahlreiche Medieninstallationen in Zusammenarbeit mit Künstlern und hatte die technische Leitung bei diversen Festivals und Theaterproduktionen. Er sammelte Erfahrungen im Bereich Neue Medien und als Projektleiter in der Elektronikentwicklung.
Im September wird iart mit ihren 41 Mitarbeitenden auf das Dreispitzareal das «Transitlager» unmittelbar beim Haus der Elektronischen Künste und der Hochschule für Kunst umziehen. «Das wird ein Arbeitsort für innovative und kreative Unternehmen», sagt iart-Chef Spiess. 2014 betrug der Umsatz 6,9 Millionen Franken.

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