Jubiläumsfest

Die FCB-Aufstiegsspieler von 1994 erinnern sich in der Basler Fussballbeiz Didi Offensiv an das «geilste» Fest ihrer Karriere

Für manch grossen Fussballer war das Ende der Fussballkarriere mehr oder weniger gleichbedeutend mit dem Ende des Lebens. Sobald ihnen kein Trainer mehr die Laufwege zwischen Mittelpunkt und Strafraum erklärte, verloren sich ihre Fährten in Alkohol, Drogen und Schulden. Wehmütig klammern sie sich an die Vergangenheit.

Fünf Gegenbeispiele fanden sich am Donnerstag im Didi Offensiv am Erasmus-Platz ein. Die Aufstiegsspieler von 1994, Massimo Ceccaroni, Stefan Huber, Ralph Steingruber, Reto Baumgartner und Thomas Karrer waren beim Jubiläumsfest der inoffiziellen FCB-Fanbeiz Didi Offensiv zu Gast, um in Erinnerungen zu schwelgen. Alle stehen sie heute beruflich «mit beiden Beinen im Leben», wie Cecca nicht ohne Stolz sagte. Keiner ist versumpft, der eine oder andere wie Baumgartner (Bereichsleiter Berufsbildung beim Gewerbeverband) oder Steingruber (Aussendienstverantwortlicher bei Swisslos) hat sogar eine anständige Karriere hingelegt. Keiner will das Rad der Zeit zurückdrehen.

Und trotzdem. Der Aufstieg vor 25 Jahren war schon «das Geilste, was ich im Fussball erlebt habe», sagt Cecca, und alle am Tisch nicken. Nach dem entscheidenden Punktgewinn in Genf war man mit dem Flugzeug nach Basel zurückgekehrt – nichtsahnend, was einen hier erwarten würde. «Damals gab es keine Social Media, wir wussten von nichts», erinnert sich Steingruber. «Und dann kommst du an, und schon am Flughafen ist der Wahnsinn los. Die Fans haben uns die Schuhe und Mützen abgezogen, das war das geilste Fest.»

Klartext des früheren Präsidenten Epting

Was sich im Fussball in den vergangenen 25 Jahren verändert habe, sei unglaublich. Die Saläre sind heute hundertmal höher. Damals kickten selbst in der Nati A noch Halbprofis mit. Die Aufstiegshelden von 94 gingen neben dem Fussball noch einer geregelten Arbeit nach. «Mit den zweieinhalbtausend Franken im Monat Fussballsalär hätten wir sonst ja unter der Brücke schlafen müssen», sagt Cecca, der als Polizist arbeitete. Verrückt sei es gewesen, Feierabendkicker zu sein und trotzdem vor 42 000 Zuschauern zu spielen wie gegen den FCZ. Da hätten halt die Beine gezittert, gibt die Verteidiger-Legende zu. «Das war wohl der Grund, dass wir den Sieg nicht nach Hause bringen und den Aufstieg vorzeitig sichern konnten.»

Auch das Präsidentenamt war schlecht bezahlte Knochenarbeit, erinnert sich Peter Epting. Der Aufstiegspräsident war vor allem damit beschäftigt, Klinken zu putzen. «Als wir aufstiegen, musste ich wieder zu allen Firmen gehen und betteln.» Wenige Jahre zuvor war der FCB fast Konkurs gegangen. Ein FCB-Fan im eigentlichen Sinn sei er nie gewesen, sagt Epting, in seinem Job bei Burckhardt & Partner habe er Wichtigeres gehabt im Leben. Der Aufstieg sei deshalb auch nicht einer der schönsten Momente seines Lebens gewesen. Ein typischer Ehrenämtler halt, der die Entwicklungen nach seinem Rücktritt skeptisch begegnet. «Uns wäre es nie, nie, nie in den Sinn gekommen, Geld aus dem FCB zu nehmen», sagte Epting den Gästen im Didi Offensiv – dies in Anspielung an Bernhard Heusler, der den Verein für «man sagt es», 25 Millionen Franken an Bernhard Burgener verkauft habe. Glücklicherweise habe «Börni» den Verein von Heusler übernommen, es hätte ja auch ein Chinese oder Katari sein können. Ob jetzt gerade der Fussball das Richtige sei für Börni, das bezweifle er zwar. «Aber nun betrete ich wirklich heikles Terrain», sagte Epting unter Gelächter.

Die Rivalität zwischen Smajic und Berg

Auf sichererem Terrain bewegte man sich am Tisch um Cecca und Huber. Hier dominierten die Erinnerungen an die Aufstiegssaison. «Ich kann mich noch genau erinnern, wie wir nach Jugoslawien ins Trainingslager gefahren sind», sagt Baumgartner, der von 1990 bis 1994 beim FCB Verteidiger war. Mit dem Bus sei man dahin gefahren, weil für einen Flug das Geld gefehlt habe. Am letzten Abend des Lagers ging man in die Disco. «Die war ganz leer», erinnert er sich. Und vor Journalisten und Papparazzi musste man noch keine Angst haben. Der FCB war zweitklassig, viele Printjournalisten mieden selbst die Auswärtsspiele in der Liga und so wussten die Spieler: «What happens in Yugoslavia, stays in Yugoslavia.»

Dass es neben dem Feld mitunter drunter und drüber ging, wäre bei den heutigen Erfordernissen im Spitzensport nicht möglich. Doch es führte auch dazu, dass das Team «einen unglaublichen Mannschaftsgeist» entwickelte, wie Cecca sagt. Klar gab es engere Freundschaften; er etwa konnte es mit Marco Walker und Mario Cantaluppi gut. Aber es gab keine Grüppchen. Auf den langen Heimreisen jasste man in den hintersten Bus-Reihen oder spielte Uno. Und wenn mal Gefahr für das Teamgefüge drohte, biss man sich gemeinsam durch. Im ersten Jahr nach der Verpflichtung von Admir Smajic entstand eine Rivalität zwischen den beiden Mittelfeldspielern Örjan Berg und Admir Smajic. Das Publikum stand klar auf der Seite des kampfstarken Norwegers, der geniale Smajic musste unten durch. «Aber auch das Problem lösten wir», sagt Ceccaroni. Eines sei klar: Der Teamspirit sei entscheidend gewesen für den Aufstieg 1994. «Denn die allerbesten Fussballer waren wir ja nicht», sagte ein entwaffnender Ceccaroni.
Die Ehrlichkeit – sie kam nicht zu kurz an diesem Abend.

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