Manches scheint eine so gute Idee zu sein, dass man, wenn man davon hört, fast selbstverständlich findet, dass sie umgesetzt werden soll. Beim Kinder-Audioguide, den die Fondation Beyeler anlässlich der Paul-Gauguin-Ausstellung zum ersten Mal entwickelt hat und nun kostenlos anbietet, kann es einem so gehen. Eine grossartige Idee, wo doch Museumspädagogik immer wichtiger wird und man genau weiss, die Kinder sind die Besucher von morgen. Und: Welches Kind ist beim Besuch eines Museums nicht gleich viel geduldiger, wenn es mit einem technischen Gerät ausgestattet wird?

Auch für Erwachsene geeignet

Der kindgerechte Rundgang dauert rund 30 Minuten und richtet sich an 5- bis 12-Jährige. Aber eigentlich kann man den Guide gut auch als Eltern hören und sich inspirieren lassen, wie man die Bilder selber seinen noch jüngeren Kindern erklären könnte.

Und auch die Altersgrenze nach oben hin muss man nicht so eng sehen: Abgesehen von der bewusst einfachen Sprache, können die Informationen gut auch für Teenager interessant sein: Warum beispielsweise malt Gauguin ein Pferd blau, obwohl er für einen Auftraggeber ein weisses Pferd darstellen sollte? Zwar ist das Pferd blau gemalt, aber die es umgebenden Farben erzeugen trotzdem den Eindruck, es sei weiss. Oder warum malte der Franzose so viel auf Tahiti? Die Reise dorthin war damals schliesslich ganz schön umständlich, lang und teuer.

Neun Werke werden beim Kinderrundgang genauer angesehen. Werke, die die Breite der Ausstellung spiegeln und anhand derer man viel über den Künstler, darüber, was ihn berühmt machte, und sein Leben erfährt.

Gauguins Reise nach Peru

Der Audioguide startet mit Gauguins berühmtem Selbstbildnis mit Palette (um 1893/94). Schon hier erfahren die kleinen Besucher sehr viel – auf eine Weise, auf die sie etwas damit anfangen können. Es wird beispielsweise erklärt, dass die Palette im Bild das entscheidende Attribut ist, mit dem Gauguin quasi sagte: «Schaut her, ich bin ein Maler.» Das war besonders, weil er lange gar nicht gewusst habe, was er machen wollte und viele Berufe ausprobiert hat.

Es wird den Kindern auch erklärt, wie er als Junge mit seinen Eltern von Frankreich nach Peru gegangen war und wieder heimkehren musste, als dort der Bürgerkrieg ausbrach. Wie er dann – inzwischen 17-jährig – auf einem grossen Schiff als Matrose anfangen konnte und einige Jahre zur See ging. Anhand weiterer Werke aus verschiedenen Epochen und Gegenden, wie der Bretagne, Tahiti oder den Marquesas-Inseln, erhalten die Kinder Informationen über die Rolle der Tiere in den Gemälden des Künstlers.

Ob es wieder einmal einen Audioguide für Kinder geben wird, ist noch nicht ganz sicher, aber nicht ausgeschlossen. «Wir testen jetzt einmal, wie gut das ankommt», erklärt Elena DelCarlo, Pressesprecherin der Fondation Beyeler. «Grundsätzlich bietet jede Ausstellung Inhalte für eine kindergerechte Vermittlung. Aber nicht jede Ausstellung eignet sich gleich gut für unbegleitete Touren, und dann spielen auch noch andere Rahmenbedingungen eine Rolle.»