Die Fondation Beyeler zeigt in Kooperation mit der Wiener Albertina in der ersten Schweizer Retrospektive seit Ernsts Tod gut 160 Werke. Die beiden Austellungen haben unterschiedliche Perspektiven; in Riehen sind 21 Werke exklusiv zu sehen. Museumsgründer Ernst Beyeler hatte ab 1953 als Kunsthändler mit Max Ernst zusammengarbeitet.

Unbändige Spiellust springt Betrachtende sofort an aus Ernsts frechen Dada-Collagen der Zwanziger Jahre, surrealen Gemälden der Dreissiger oder literaturinspirierten Farbradierungen der Sechziger. Grenzenloses Ausprobieren prägt das Werk des 1891 bei Köln als drittes von neun Kindern eines Freizeitmalers geborenen Künstlers.

Experimente und Neudeutungen

Kunstnomade war er schon früh, nicht nur freiwillig: 1922 zog er nach Paris, und 1941 flüchtete er als von den Nazis verfolgter "Entarteter" in die USA. Er wurde Amerikaner, kehrte aber in den Fünfzigern zurück und wurde 1958 Franzose. 1976 starb er vielfach ausgezeichnet; er liegt auf dem Pariser Künstlerfriedhof Père Lachaise.

Ernsts technische Neugier macht ihn zu einem Vorreiter der Multimedia-Kunst: Anfangs rekombinierte er Printmedien-Bilder zu Collagen, später nutzte er mehrere Techniken in seinen Werken. Die Suche nach immer neuen Ausdrucksformen und Themen macht seine rund 60 Jahre Künstlertätigkeit ebenso facettenreich wie unübersichtlich.

Nach ganzen Collage-Romanen experimentierte er mit Frottage-Technik, dem Durchreiben von Strukturen mittels Bleistift auf Papier. Später übertrug er den Ansatz auf Malerei, indem er Leinwände mit mehreren Farbschichten bemalte und mittels Strukturen wie Gittern teilweise wieder abkratzte. Das Entstandene ergänzte er zu neuen Motiven.

Farbflüsse und Einflüsse

Rätselhafte Landschaften kreierte er auch mit Dekalkomanie, einer Abklatschtechnik mit Hilfe von halbfeuchter Farbe auf Platten, die auf Leinen gedrückt eigenwillige Farbverläufe hinterlässt. An der Grenze zur Kunstmaschine waren seien Oszillations-Bilder, für deren Herstellung er Farbe aus gelochten pendelnden Dosen tropfen liess.

Mit solch halbautomatischer Arbeitsweise nahm Ernst in den Vierzigerjahren das Action Painting oder Tinguelys Zeichenapparate vorweg. Persönlich begegnete er Hans Arp oder Alberto Giacometti, liess sich aber auch von Kubisten und von Renaissance-Motiven inspirieren. Auch ein Opern-Bühnenbild zählt zu seinem Oeuvre.

Dass Max Ernst mit Leidenschaft tat, was ihn gerade interessierte und inspirierte, brachte ihm Freundschaften, aber auch Ablehnung ein. So schloss ihn André Breton 1954 von der Surrealistengruppe aus, als er den Grossen Preis für Malerei der Biennale von Venedig erhielt, obwohl Ernst schon in den Dreissigern feuriger Surrealist gewesen war.

Eine Konstante war die Faszination für starke Frauen - indes im Plural. Die drei ersten Ehen hielten nicht lange; Bestand hatte erst jene mit der amerikanischen Künstlerin und Autorin Dorothea Tanning - geschlossen an einer Doppelhochzeit 1946 neben Man Ray und Juliet Browner.