Zukunfsplanung

Die Forderung nach einem Baustopp beim Centralbahnplatz wird breit unterstützt

Die schmucke nächtliche Beleuchtung trügt: Der Centralbahnplatz sorgt vielerorts für Kritik. Juri Junkov

Die schmucke nächtliche Beleuchtung trügt: Der Centralbahnplatz sorgt vielerorts für Kritik. Juri Junkov

Eigentlich sollen in wenigen Wochen vor dem Bahnhof SBB die Bagger auffahren. Doch der Widerstand dagegen, den Ist-Zustand der Gleisführungen beizubehalten, steigt.

Der Druck auf das Basler Bau- und Verkehrsdepartement wächst, den Centralbahnplatz sicherer und fussgängerfreundlicher zu gestalten. Eigentlich sollen in wenigen Wochen vor dem Bahnhof SBB die Bagger auffahren und in monatelangen Bauarbeiten die zwei Jahrzehnte alten Gleise ersetzen.

Doch nun fordert Basta-Grossrat Beat Leuthardt per Interpellation einen Baustopp. Ein solcher scheine «die einzige Alternative zum Behördendesaster», schreibt der Parlamentarier, der nebenberuflich als Tramführer arbeitet. Ersetzt werden sollen vorerst maximal vier Weichen, die am Ende ihrer Lebenszeit angekommen sind.

In der verordneten Denkpause soll das Bau- und Verkehrsdepartement über die Bücher. Die Mehrkosten seien abzuwägen gegen das Lebens- und Sicherheitsgefühl der gesamten Bevölkerung für die nächsten 15 Jahre.

Es gäbe alternative Planungen

Leuthardt geht mit der Verwaltung hart ins Gericht. «Es ist offensichtlich, dass die Verkehrsführung auf dem Centralbahnplatz eine Zumutung ist. Doch die betroffenen Ämter scheinen die Bedürfnisse der Bevölkerung nicht so recht ernst nehmen zu wollen oder zu können.» So hätten die BVB bloss den Auftrag erhalten, die bisherigen Schienen zu ersetzen.

Dabei würden alternative Planungen vorliegen; etwa der Vorschlag des früheren Basta-Grossrates Urs Müller. Dieser schlägt vor, die Tramlinien zu entflechten. Die Linien 1 und 8 müssten gemäss seinem Vorschlag nicht mehr direkt vor dem Bahnhofausgang über den Platz fahren, sondern würden auf der gleichen Strecke wie der 2er geführt. Neu querte ein Gleis das nördliche, unbelebte Ende des Centralbahnplatzes, über das der 8er dann in Richtung Aeschenplatz abbiegen könnte. Vor dem Bahnhofausgang würde eine sichere Insel für die Fussgänger entstehen.

Mit relativ geringem Aufwand könnten so die Platzverhältnisse und die Sicherheit massiv verbessert werden, sagt Müller. «Das ist ein prüfenswerter Vorschlag», meint Leuthardt. In Kombination mit weiteren kleinen Massnahmen, etwa bei der Markthalle oder bei der Münchensteinerbrücke, könne so ein grosser Effekt erreicht werden. «Jede andere Behörde wäre dankbar für einen solchen Vorschlag», glaubt Leuthardt zu wissen.

Politiker jeglicher Couleur stimmen Leuthardt zu

Mit seiner Forderung nach einem Baustopp trifft Leuthardt einen Nerv. Auch bürgerliche Politiker unterstützen den Vorstoss spontan: «Ich bin vollumfänglich mit ihm einverstanden», sagt André Auderset (LDP). «Lieber jetzt einen kurzen Stopp und dafür am Schluss eine vernünftige Lösung.» Bei der Gelegenheit könne man auch die Überdachung beim Platz verbessern: «Momentan wird man weggeblasen und verregnet.»

Ebenso unterstützt SVP-Grossrat Joël Thüring Müllers Vorschlag. «Ich würde es gut finden, ginge man nochmals über die Bücher.» Auch macht er weitere Vorschläge: «Man müsste sich überlegen, was mit dem 30er-Bus passiert. Das ist ebenfalls eine sehr unglückliche Situation.»
Besonders nerven sich die Parlamentarier, dass in den vergangenen Jahren zwar eine Reihe Vorstösse zur Verbesserung der Situation eingereicht wurden, diese aber allesamt ohne Wirkung verhallten.

Vor einem Jahr etwa wurde ein Anzug von Heiner Vischer (LDP) überwiesen, der vorschlägt, mit Lichtspuren die Fussgänger vor heranfahrenden Trams zu warnen. Eine Antwort der Regierung hat Vischer bisher nicht bekommen. «Es ist unverständlich, wenn so klar dokumentiert ist, dass der Platz gefährlich ist, und sich die Regierung nicht einmal die Mühe macht, sich Verbesserungen zu überlegen», kritisiert Vischer. Er hätte sich gewünscht, dass frühzeitig ein Ratschlag vorgelegt worden wäre, und man so verschiedene Massnahmen hätte diskutieren können. «Jetzt ist es wohl zu spät.»

Auch SP-Grossrat Jörg Vitelli hält die Pläne für eine spannende Idee. «Das würde die Situation massiv verbessern.» Sinnvoll sei es, wenn man gewisse Linienführungen nochmals überdenke. Aber auch wenn sich die Regierung nun entscheide, die Bauarbeiten wie geplant durchzuziehen, solle man später trotzdem auf Müllers Idee zurückkommen.

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