Frankreich
Die französische Grossregion bekommt einen Namen

Die neue ostfranzösische Grossregion, die sich aus der Champagne-Ardenne, Lothringen und dem Elsass zusammensetzt, hat endlich einen offiziellen Namen: Bei einer Umfrage, die vor allem im Internet stattfand, haben sich 75 Prozent von 289'000 Teilnehmern für die Bezeichnung «Grand Est» entschieden.

Peter Schenk
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Die Regionen Champagne-Ardenne, Lothringen und Elsass wurden am 1. Januar 2016 fusioniert.

Die Regionen Champagne-Ardenne, Lothringen und Elsass wurden am 1. Januar 2016 fusioniert.

Der Name ist zwar nicht originell und auch ins Deutsche übersetzt als Grosser Osten nicht sehr schön, aber lag als Lösung auf der Hand. Dabei wäre der Schuss beinahe nach hinten losgegangen. Um den Namen zu finden, hatte die Grossregion nämlich einen Ausschuss eingesetzt. Der setzte sich aus 60 Personen zusammen: Experten, Beamte und ausgeloste Bürger. Wie das manchmal bei Ausschüssen so geht, war das Ergebnis von drei langen Samstagssitzungen alles andere als überzeugend.

Zu Beginn 200 Vorschläge

Der Ausschuss hatte zuerst 200 Namensvorschläge auf 15 reduziert, um sich schliesslich auf 3 zu einigen: La Nouvelle Austrasie als Hinweis auf ein altes fränkisches Reich, den Fantasienamen Alcalie und Rhin-Champagne, eine Kombination der berühmten Weinregion mit dem Fluss Rhein.

Letzterer war der Lieblingsname von Philippe Richert, dem bürgerlichen elsässischen Präsidenten der Grossregion. Seine Begründung: Es würde die weltberühmte Marke Champagner mit dem europäischen Fluss Rhein verbinden. Insbesondere die Lothringer aber sollen sich mit Händen und Füssen gegen diesen Namen gewehrt haben. Sie befürworteten stattdessen «Grand Est», den die Kommission lediglich auf dem vierten Rang platzierte und über den nicht mehr abgestimmt werden sollte.

Richert sprach sich mit seinen drei Vizepräsidenten ab und kam zum Schluss, «Grand Est» entgegen den Vorstellungen des Ausschusses wieder in die Endauswahl aufzunehmen. Das Ergebnis der Umfrage gab ihm recht. «Nouvelle Austrasie» hätten gerne einige Historiker als Namen gesehen, kam aber lediglich auf knapp 30'000 Stimmen (10,4 Prozent). Für «Rhin-Champagne» konnten sich 28'000 Personen begeistern (9,8 Prozent) und «Acalie» endete mit knapp 14'000 Stimmen (4,8 Prozent) auf dem letzten Rang.

Knapp 217'000 Teilnehmer wollten «Grand Est». Deutlicher hätte die Abstimmung nicht ausfallen können. Allerdings kann man nicht nachvollziehen, welche Region wie gestimmt hat. Als Ergänzung wird auf offiziellen Dokumenten die Bezeichnung «Alsace-Champagne-Ardenne Lorraine» benutzt, kündigte Richert an. Neben dem bereits genannten Übersetzungsproblem stellt sich auch die Frage, wie die Einwohner der Region genannt werden sollen. Eine Frage, die sich die Tageszeitung «L'Alsace» durchaus zurecht stellte, und gleich einige Beispiele brachte wie «Les Grands-Estiens», Les Grands-Estois» oder aber «Les Grand-Orientaux». Überzeugen dürfte davon keine Bezeichnung.

Am 29. April vor das Parlament

Richert wird den neuen Namen «Grand Est» dem Regionalparlament bei der nächsten Sitzung am 29. April vorschlagen. Dass das Parlament gegen «Grand Est» stimmt, ist so gut wie ausgeschlossen. Gleichzeitig wird Richert Strassburg als Hauptstadt und Sitz der Exekutive vorschlagen. Hier werden auch die verschiedenen Kommissionen zusammentreten.

Die Vollversammlungen werden, wie im Wahlkampf versprochen, in Metz stattfinden. Dort wird auch der sogenannte Ceser (Conseil économique, social et environnemental régional) tagen. Der Ceser ist ein Konsultativorgan, das keine Entscheidungskompetenzen hat, aber zu vielen wichtigen Fragen um eine Stellungnahme gebeten wird. Es setzt sich aus Vertretern der Unternehmen, der Gewerkschaften, Vereinen und qualifizierten Personen zusammen.

Die Entscheide des Parlaments werden dann schliesslich an die nationale französische Regierung weitergeleitet, die diese dem Staatsrat, dem Conseil D'Etat, unterbreitet, das oberste französische Verwaltungsgericht und das Beratungsgremium der Regierung. Endgültig äussern zur Rechtsgültigkeit der Entscheidungen wird sich der Staatsrat bis spätestens zum 1. Oktober.

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