Wahlen Basel-Stadt
Die Frauen sind in Basel Wahlsiegerinnen

Während Baschi Dürr und Hans-Peter Wessels in den zweiten Wahlgang müssen und Lorenz Nägelin abgeschifft ist, dürfen sich Eva Herzog, Elisabeth Ackermann und Heidi Mück über gute Resultate freuen. Ist eine «Boygroup» nicht mehr zeitgemäss?

Noemi Lea Landolt
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Heidi Mück und Elisabeth Ackermann sind nur zwei Frauen, die am Wahlsonntag die Männer hinter sich gelassen haben.

Heidi Mück und Elisabeth Ackermann sind nur zwei Frauen, die am Wahlsonntag die Männer hinter sich gelassen haben.

Kenneth Nars

Es ist ruhig. Alle Augen blicken gespannt auf die Leinwand. Wird der nächste rote Balken das Absolute Mehr erreichen?

Ein Schrei. Lautes Jubeln geht in tosendem Applaus unter. Sie hat es geschafft. Elisabeth Ackermann wird die zweite Frau in der Basler Regierung. Alle umarmen sie, gratulieren. Schon kurz darauf wird es noch einmal laut in der rot-grünen Ecke im Congress Center Basel. Heidi Mück kann sich den achten Platz sichern. Ausgerechnet die Kandidatin der Basta hat SVP-Mann Lorenz Nägelin überholt.

Der Wahlsonntag war ein guter Tag für Rot-Grün, und ein noch besserer für die Frauen. Neben Ackermann und Mück hatten gestern noch mehr Frauen Grund zum Jubeln. Allen voran Eva Herzog: Die SP-Regierungsrätin hat am Sonntag zum dritten Mal in Folge die meisten Stimmen von allen Kandidierenden geholt. 33'576 waren es dieses Mal, 30'182 vor vier und 26'676 vor acht Jahren.

Sogar Martina Bernasconi, die von Anfang an ohne Chancen war, konnte sich am Schluss über mehr Stimmen freuen, als sie erwartet hätte, oder ihr Wahlumfragen prophezeit hatten. «Das liegt aber eher daran, dass ich gut vernetzt bin, und nicht daran, dass ich als Frau eine Alternative zu den bürgerlichen Kandidaten war», sagt sie. Trotzdem hält sie es für einen Fehler, dass auf der Liste der Bürgerlichen keine Frau war: «Sie hätten auch mit einem Fünfer-Ticket antreten sollen. Mit einer Kandidatin der GLP.»

Testosteron-Liste zieht nicht

Die klaren Verlierer des Wahlsonntags sind die Männer. Baschi Dürr und Hans-Peter Wessels müssen in den zweiten Wahlgang. Lorenz Nägelin ist abgeschifft; obwohl die Bürgerlichen betonen, dass vor ihm noch kein SVP-Kandidat so viele Stimmen geholt hat wie er. Auch im Grossen Rat sind ausser Pasqualine Gallacchi nur Männer nicht wiedergewählt worden. Namentlich Felix Meier, Murat Kaya, Dieter Werthemann, Michel Rusterholtz und Eric Weber.

Reine Testosteron-Listen sind vor allem bei den bürgerlichen Parteien nichts Neues. Trotzdem stellt sich die Frage: War ihre «Boygroup» ein Fehler? Immerhin hat das Basler Stimmvolk 2014 deutlich Ja gesagt zur Frauenquote in Verwaltungsräten. Ein starkes Zeichen für die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Gut möglich also, dass die Wählerinnen und Wähler sich auch in der Regierung etwas mehr Ausgeglichenheit wünschen.

Man habe im Vorfeld schon diskutiert, eine Frau aufzustellen, heisst es bei den Bürgerlichen. «Ich bin selber angefragt worden, aber ich wollte nicht kandidieren», bestätigt LDP-Präsidentin Patricia von Falkenstein. Sie habe einen Sohn, der noch zur Schule geht, Eltern, die langsam älter werden, und sie sei selber sehr zufrieden als LDP-Präsidentin und Grossrätin. «Dazu kommt, dass wir mit Conradin Cramer einen super Kandidaten ins Rennen schicken konnten.» Wenn schon, hätte die Frau also aus einer anderen Partei kommen müssen, und da habe es dieses Jahr keine Kandidatinnen gegeben, die infrage gekommen wären. Das zeigt, dass die Parteien dranbleiben müssen: «Wir müssen mehr machen, damit wir in Zukunft auch gute Frauen aufstellen können», fordert von Falkenstein.

Geschlecht ist nur ein Argument

FDP-Präsident Luca Urgese glaubt nicht, dass die Bürgerlichen mit einer Frau im Vierer-Team besser abgeschnitten hätten: «Es ist immer einfacher, im Nachhinein nach Gründen zu suchen, weshalb das Resultat so ausgefallen ist.» CVP-Präsidentin Andrea Strahm hält es immerhin für möglich, dass das Resultat mit einer Frau auf der Liste besser ausgefallen wäre. «Es gibt bestimmt Wähler, denen das wichtig ist.» Für den zweiten Wahlgang sieht sie es aber nicht als Nachteil, nur mit Männern anzutreten: «Wir haben ja jetzt zwei Frauen in der Regierung.»

Einig ist man sich von links bis rechts, dass das Geschlecht nie das einzige Argument ist, jemanden zu wählen oder nicht. Aber es sei ein Argument, sagt Tonja Zürcher, Co-Präsidentin der Basta. «Bei diesen Wahlen besonders, weil mit Eva Herzog bis jetzt nur eine Frau in der Regierung war.» Dieses herrschende Ungleichgewicht hat sich Rot-Grün bei den Wahlen zunutze gemacht, indem die Linke neben Eva Herzog noch zwei weitere Frauen nominiert hatte.

31 Sitze für die Frauen

In der Regierung lautet die Bilanz vor dem zweiten Wahlgang also: plus ein Sitz für die Frauen. Das Verhältnis 2:5 statt 1:6. Im Parlament bleibt der Frauenanteil unverändert. Wie schon 2012 sind unter den 100 Gewählten 31 Frauen. Die meisten sitzen für die SP im Grossen Rat. 15 Sozialdemokratinnen wurden gewählt – eine weniger als vor vier Jahren. Mit sechs Frauen und acht Männern ist bei den Grünen das Geschlechterverhältnis praktisch ausgeglichen. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der CVP: Hier sitzen vier Männer und drei Frauen im Parlament. Je zwei Frauen und zwei Männer schickt die GLP ins Parlament. Zudem wurde Annemarie Pfeifer von der EVP wiedergewählt.

Wieder keine FDP-Frau

Für die restlichen bürgerlichen Parteien SVP, FDP und LDP sitzen in der kommenden Legislatur vier Frauen im Parlament. Als einzige Partei mit Fraktionsstärke hat es die FDP, wie schon vor vier Jahren, nicht geschafft, eine ihrer 26 Grossratskandidatinnen ins Parlament zu bringen. Anders die SVP: Während sie letztes Jahr ohne Frauen in die Legislatur gestartet war, rückte im Verlauf der Amtsperiode Daniela Stumpf nach. Gestern wurde mit Gianna Hablützel-Bürki eine zweite SVP-Frau gewählt. Für die LDP sitzen Patricia von Falkenstein und die neu gewählte Catherine Alioth im Rat.