Vierundzwanzig Stunden am Tag und sieben Tage die Woche können eingeschriebene Studenten in Freiburg im Breisgau die neue Universitätsbibliothek (UB) nutzen. Die Voraussetzung dafür ist, dass sie die sogenannte «Unicard» besitzen. Der Erfolg ist riesig. Zwischen 8000 und 12 000 Besucher zählt die UB täglich.

Weil manche der über 25 000 immatrikulierten Studenten versuchten, sich mit allerlei Tricks auch in ihrer Abwesenheit ihren Arbeitsplatz zu sichern, gibt es jetzt Parkuhren, die man auf seinen Platz legen muss, wenn man weg geht. Wenn ein Platz eine Stunde nicht belegt ist, dürfen andere Studenten ihn in Beschlag nehmen und Bücher und Unterlagen zur Seite schieben.

Dabei kann man nicht behaupten, dass 1700 Arbeitsplätze wenig sind, aber sie reichen schnell nicht mehr aus. 1200 sind individuelle Arbeitsplätze in den Lesesälen und 500 Gruppenarbeitsplätze im frei zugänglich Bereich, wo sich neben Lounge und Café auch ein Medienzentrum mit Radio- und Fernsehstudios befindet. Dort können Studenten der Medienwissenschaften Beiträge erstellen. Viele Arbeitsplätze bieten spektakuläre Ausblicke. Die Nutzung ohne Unicard endet um 20 Uhr.

Die Sanierung und der Komplettumbau der alten UB wurden bereits 2009 begonnen. Die neue transparente Fassadenhaut besteht aus Metall und Glas. Der 53-Millionen-Euro-Bau stammt vom Basler Architekten Heinrich Degelo. Die Uni selbst lobt das Gebäude als «eine der modernsten und grössten Universitätsbibliotheken Europas».

Lesesäle mit 230 000 Bänden, eine Ausleihbibliothek mit 700 000 Bänden und 3,5 Millionen Medien im Magazin – die Zahlen sind beeindruckend. Probleme gibt es an jeweils zehn Tagen im März und September, wenn die Spiegelung der Fassade Autofahrer blendet. Die Uni hat dies mit Segeln gelöst, die zu diesen Zeiten vorgezogen werden. In der Probezeit wurden einige Monitore und Blue-Ray-Player gestohlen, aber die Sicherheitslücken sind mittlerweile geschlossen und der Schaden betrug nicht mehr als 1000 Euro.

Auch Befürchtungen, es könne zu heiss in der UB werden, haben sich nicht bewahrheitet. Die Innentemperatur wird durch Brunnenwasser und Wärmerückgewinnung konstant gehalten und liegt auch im Hochsommer bei 21 bis 22 Grad. Der Energiebedarf konnte durch die moderne Klimatechnik um 65 Prozent gesenkt werden.

In Basel beobachtet man die Freiburger Erfahrungen und den 24-Stunden-Zutritt mit Interesse. «Ich bin ganz der Meinung, die neue UB Freiburg bietet nicht nur baulich ein sehr gelungenes Ambiente, sondern auch einen guten Service», lobt Elisabeth Frasnelli, Direktorin der Basler Universitätsbibliothek. «Wir haben nicht nur über 24/7 nachgedacht, sondern dies auch bereits in einigen unserer Teilbibliotheken wie zum Beispiel an der Bibliothek für Altertumswissenschaften umgesetzt. Umgesetzt ist es dort, wo wir die Zugangskontrolle mittels Badge realisieren können. Dort haben Forschende und Studierende auf Antrag bereits diesen Zugang», schreibt die Direktorin.

In der Hauptbibliothek wurden die Öffnungszeiten erweitert. «Die letzte Phase 24/7 können wir aktuell aufgrund der baulichen Gegebenheiten noch nicht umsetzen, arbeiten aber mit der Universität daran. Sobald eine Zutrittskontrolle möglich ist, und der Bedarf besteht, werden wir das realisieren.»