Mein Leben im Dreiland
Die Freiheitsstatue steht in Colmar

Wenn man mit dem Auto den nördlichen Stadtein- oder -ausgang Colmars erreicht, wähnt man sich in New York. Auf einem kleinen Hügel inmitten eines Kreisels steht eine naturgetreue Nachbildung der Freiheitsstatue.

Peter Schenk
Peter Schenk
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Das Strassburger Denkmal vor dem Basler Bahnhof SBB.
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Dreiland Kolumne
Die Freiheitsstatue steht am Stadtaus- und –eingang von Colmar und ist eine 12 Meter hohe Nachbildung aus Kunstharz
Der Eingang des Bartholdi Museums
Porträt von Auguste Barholdi

Das Strassburger Denkmal vor dem Basler Bahnhof SBB.

Kenneth Nars

12 Meter ist sie hoch, besteht aber im Unterschied zum Original nicht aus Kupfer, sondern aus Kunstharz. Sie wurde 2004 im Rahmen einer Gedenkfeier zum 100. Todestag des Bildhauers Auguste Bartholdi in Colmar eingeweiht.

Bartholdi wurde 1834 in Colmar geboren, zog zwar mit seiner Familie 1843 nach Paris, kam aber in den Ferien oft in die elsässische Stadt zurück. In seinem Geburtshaus, das aus dem 15. Jahrhundert stammt und im 18. Jahrhundert zu einem vornehmen Patrizierhaus umgebaut wurde, befindet sich seit 1922 das Bartholdi-Museum.

Das mit Abstand berühmteste Werk des Bildhauers ist die Freiheitsstatue, aber er hat auch das Strassburger Denkmal geschaffen, das 1895 in Basel eingeweiht wurde und sich gut sichtbar im Elisabethenpark beim Bahnhof SBB befindet. Es erinnert daran, dass es Schweizer Parlamentariern während der Belagerung und Bombardierung Strassburgs durch die Preussen im August und September 1870 gelang, dass Frauen, Kinder und alte Menschen die Stadt verlassen durften.

Auch der 11 Meter hohe und 22 Meter breite Löwe von Belfort ist ein Werk Bartholdis und erinnert an den Deutsch-französischen Krieg von 1870/71 und die Belagerung von Belfort. Die Stadt soll sich damals so tapfer gewehrt haben, dass Bismarck ihr im Rahmen des Departements Territoire de Belfort die Freiheit und die Zugehörigkeit zu Frankreich zugestand. Das übrige Elsass-Lothringen fiel bis zum Ersten Weltkrieg an das Deutsche Reich.

Die Freiheitsstatue, die 1886 in New York eingeweiht wurde, hat Bartholdi von 1870 bis 1886 beschäftigt. In seinem Leben unternahm er fünf Reisen in die USA. Die erste dauerte fünf Monate und führte von Osten nach Westen. In jeder Stadt, die er durchreiste, machte er Werbung für sein Projekt.

Die Figur selbst war ein Geschenk des französischen Volkes an die USA, die Kosten für den massiven Sockel übernahmen die USA. Entstanden ist die Statue in Paris, im Mai 1885 wurden sie in Kisten verpackt mit dem Schiff in die USA geschickt. Die Figur ist 46 Meter hoch und wiegt 254 Tonnen. Mit Sockel erreicht sie eine Höhe von rund 73 Metern. Das Colmarer Museum gibt auf drei Etagen einen guten Überblick über Leben und Schaffen von Bartholdi. Etliche Werke finden sich als Modelle wieder – auch Teile der Freiheitsstatue sind ausgestellt. Zu sehen sind ferner Kunstgegenstände, die seine Pariser Wohnung geschmückt oder zur Ausstattung seines Ateliers gehört haben. Ein kleiner Saal widmet sich den Juden in Colmar. Beschriftet ist das Museum nur auf Französisch; für nicht Sprachkundige empfiehlt es sich, einen deutschsprachigen Audio-Guide auszuleihen.

Bartholdi-Museum, 30, rue des Marchands, Colmar, Mi–Mo, 10–12 Uhr, 14–18 Uhr. Di zu. www.musee-bartholdi.fr