Günstig ist ein Ausflug ins Nobelrestaurant «Stucki» auf dem Bruderholz grundsätzlich nicht. Für ein Acht-Gang-Menü zahlt der Gast 190 Franken, für zwölf Gänge gar 240. Nicht im Preis inbegriffen ist die Busse zum Dessert: Mitarbeitende und Gäste werden neuerdings regelmässig gebüsst, weil sie ihre Autos auf den blauen Parkplätzen rund ums Restaurant abstellen.

Teilweise würden die Zettel «mehrmals täglich» verteilt, wie diverse Angestellte und ein Anwohner erzählen. Ein Polizist habe erblickt, dass Personal und Besucher des Restaurants die Parkfelder zu lange nutzen. «Seit die Parkplätze zur blauen Zone gehören, werden die Gäste schikaniert», so einer der Mitarbeiter. Zu Beginn habe das Restaurant gar die Bussen bezahlt. «Mittlerweile können wir das nicht mehr tun, weil es sich um immense Kosten handelt.»

Das Problem: Rund ums «Stucki» gibt es keine Parkplätze, auf denen vor 19 Uhr ohne Parkkarte länger als eineinhalb Stunden ein Auto stehen darf. Für einen Zwölfgänger reicht das nicht, wie die Gäste feststellen müssen. Schon mehrmals hätten sich Besucher über die Parksituation beschwert. Einige bleiben dem Restaurant nun ganz fern: «Es ist natürlich schwierig, weil wir aufgrund der Parkbussen Kunden verlieren», so der Angestellte.

Besonders kurz vor 19 Uhr würden Bussen verteilt. «Sämtliche Gästeautos werden gebüsst.» In zehn Minuten käme so locker ein Bussgeld von 500 Franken zustande. «Der Polizist wartet schon richtig darauf, die Gäste zu büssen», sind sowohl Anwohner als auch Personal überzeugt.

«Müssen Gäste besser informieren»


Auch die Mitarbeitenden werden zur Kasse gebeten. Bislang wichen sie auf die weissen Parkfelder vor dem Radiostudio aus. Allerdings liegen diese in der Gemeinde Binningen, wo seit dem 1. Januar dieses Jahres das neue Parkraumreglement gilt. Es bringt eine Erweiterung der Blauen Zone mit sich – alle weissen Parkplätze sind entfallen. Das bedeutet konkret: Sowohl in Basel als auch in Binningen braucht es nach eineinhalb Stunden Parkzeit eine Tagesparkkarte.

Rechtlich ist der Fall damit klar. Das betont auf Anfrage der bz auch der Basler Polizeisprecher Toprak Yerguz: «Die Regeln, was das Parkieren angeht, sollten mittlerweile allen bekannt sein. Wer gegen diese Regeln verstösst, riskiert eine Busse.»

Der Griff ins Portemonnaie ist so oder so notwendig: In Basel kostet die Tagesparkkarte ab März dieses Jahres zwanzig statt zehn Franken, in Binningen acht Franken. Den Mitarbeitenden, von denen viele aus dem nahen Ausland zur Arbeit fahren, ist das zu viel. Es sei ihnen aber klar, dass sie keine Forderungen stellen können. Für das Verhalten des Polizisten hätten sie «volles Verständnis», wie sie betonen.

Zum Schutz der Besucher will das Personal nun ein Schild montieren. «Wir sind uns bewusst, dass wir die Gäste besser informieren müssen», so der Angestellte. Ob auch für die Mitarbeitenden Verbesserungen vorgesehen sind, bleibt indes unklar: Geschäftsführerin Tanja Grandits möchte sich auf Anfrage der bz nicht äussern.