Basel
Die Gassenschau im Kino: Weit weg von der Romantik der Fahrenden

Der Film «Mikrokosmos Gassenschau» zeigt den Alltag der wandernden Theatertruppe Karl's kühen Gassenschau abseits von den Auftritten. Regisseur Heinz Winter hat ein Auge für Details. Nun läuft der 80 Minuten lange Dokfilm in Basel.

Jasmin Grasser
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Ein Blick hinter die Kulissen von Karl's kühne Gassenschau
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«Ein bisschen verrückt»: Zuschauerin aus dem Waadtländer Dörfchen St. Triphon über die Gassenschau.
Szene aus dem Film «Microcosmos Gassenschau».
Markus Heller, Gründungsmitglied von Karl's kühne Gassenschau.

Ein Blick hinter die Kulissen von Karl's kühne Gassenschau

zvg

Theater, Artistik, Komik und Feuerwerk: All das vereint das Strassentheater Karls kühne Gassenschau in sich. Die Theatergruppe wurde 1984 gegründet. Die vier Erfinder Ernesto Graf, Markus Heller, Brigitt Maag und Paul Weilenmann lernten sich am Theater kennen. «Damals bemerkten wir, dass immer weniger Personen traditionelle Theater besuchten», erklärt Heller, der heute die Technik leitet.

Der Regisseur

Der Filmemacher Heinz Winter zog mit 20 Jahren vom Fricktal nach Baden. Dort besuchte er die Kantonsschule und spielte danach vier Jahre lang mit der Band Loungechic Produktion. Den ersten Dokumentarfilm veröffentlichte er 2009 während seiner Ausbildung an der Zürcher Hochschule der Künste. «Abschied vom Gstühl» (2009) handelt von der Gentrifizierung eines Badener Quartiers. 2008 arbeitete Winter eine Saison bei Karls kühne Gassenschau und beschloss, einen Film zu drehen. 2011 machte er in St. Triphon Aufnahmen, 18 Monate später beendete er die Arbeit am 80-minütigen Film «Mikrokosmos Gassenschau». (JAG)

Daher entschied sich die Truppe, das Theater zu den Leuten auf die Strasse zu bringen. «Wir mussten schnell in die Höhe wachsen, damit Personen in den hinteren Reihen das Stück sehen konnten», sagt Heller im Dokumentarfilm von Heinz Winter (siehe Box). Diese Entwicklung führte zu Tribünen an festen Standorten in der Deutsch- und Westschweiz. Winter filmte die Theatertruppe 2011 im welschen St. Triphon. In seinen Aufnahmen beleuchtet er das Leben hinter den Kulissen, das dem ersten romantischen Eindruck der fahrenden Künstler nicht immer entspricht.

Vielfältige Einblicke

Die Dokumentation gewährt Einblicke in verschiedene Bereiche. So sind die Zuschauer dabei, wenn das autonome Gastronomie-Team die Menüs für die Gäste vorbereitet. Winter geht auch der Frage nach, wie es sich anfühlt, ständig unter Menschen zu sein, und bekommt darauf ehrliche Antworten. Die Platzwartin beispielsweise gibt zu, dass einem die Kollegen nach einer halben Saison auf den Geist gehen können. Andere Mitarbeiter stimmen ihr zu. Neben den Gründern kommen Musiker, Schauspieler, Mitarbeiter der Gastronomie sowie Technik zu Wort.

Regisseur Winter hat ein Auge für Details: Am Anfang geht er auf die Dekorationen der Wohnwagen ein, danach wird der 80-minütige Film intensiver und familiärer. Es gibt nur wenige Aufnahmen von der Show, dafür von Mitarbeitern, die in ihrem Gemüsegarten arbeiten. Oft stehen die Kinder im Fokus, die fröhlich wirken und ihren Eltern dennoch Kopfzerbrechen bereiten, weil sie Verantwortung bedeuten.

Spannend ist, als das Gründerteam unabhängig voneinander erzählt, wie schwer die Belastung manchmal auf den Schultern lastet und wie es mit Karls kühne Gassenschau weitergehen soll.

Kult-Kino Atelier ab morgen täglich 12.15 Uhr, ausser Sonntag.