Basler Bürgeliche

Die Gegner der Sparkultur: Kulturinstitutionen müssen kaum Sparzwänge befürchten

Immer wieder versuchen es die Basler Bürgerlichen mit Sparforderungen. Selten präsentierte sich die Ausgangslage so gut wie jetzt.

Erster Akt, Auftritt Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann. Sie verspricht, beim Theater zu sparen, wenn nur das Parlament mehr Geld zugunsten der Kaserne spräche. Lamento der sparbeflissenen Bürgerlichen, doch diese Stimmen gehen im allgemeinen Chor der Zustimmung unter, die Kaserne erhält mehr Geld.

Schon bei nächster Gelegenheit ist von den Sparbemühungen keine Rede mehr, viel eher soll die Kulturkommission Mehrausgaben in der Höhe einer halben Million jährlich abnicken. Diese tut wie ihr geheissen und bricht auch gleich noch eine Lanze für das Sinfonie-Orchester, das ebenfalls sinkende staatliche Fördermitteln befürchtet hatte. Darin offenbart sich eine Besonderheit der hiesigen Politik: die Nähe des Grossbürgertums zur Basler Hochkultur.

Wirft man einen Blick auf die Interessenbindungen der Basler Grossrätinnen und Grossräte fällt auf: Die Bildungs- und Kulturkommission (BKK) ist mit Mandatsträgern durchsetzt. Gerade von den bürgerlichen Vertretern üben fast alle Grossrätinnen und Grossräte ein Amt aus, das in einer Beziehung mit einer staatlichen Kulturinstitution steht. Oswald Inglin (CVP) und Heiner Vischer (LDP) decken die Museen ab, wobei Inglin das Historische und Vischer das Naturhistorische Museum berät. Stephan Mumenthaler und Martina Bernasconi (beide FDP) engagieren sich im Vorstand des Barockorchesters La Cetra, eine Kooperation des Theater Basel.

Und Catherine Alioth von der LDP nimmt gleich selber Einsitz im Verwaltungsrat der Theatergenossenschaft. In den Ausstand getreten ist nur eine Person. Für die Sinfonietta ausgesprochen haben dürfte sich überdies Franziska Reinhard (SP); sie ist Vizepräsidentin des Fördervereins dieses Orchesters.

Auch ausserhalb der zuständigen Kommission sind die Bande zwischen Politik und Kultur stark. Neben der Lobbyvereinigung «Kulturstadt Jetzt!» – die inzwischen acht Mitglieder von SP über FDP bis GLP zählt – sorgen zahlreiche Einzel-Engagements für eine enge Verflechtung. Die Basler Madrigalisten, die Musik-Akademie, die GGG, die Baseldytschi Bihni – sie alle nehmen direkt oder indirekt Geld vom Staat und machen ihren Einfluss in der Politik geltend. Die Liste liesse sich – einem Milizparlament nicht unüblich – beliebig erweitern.

SVP bleibt aussen vor

Grosse Ausnahme bildet die SVP, in derartigen Kreisen ohnehin eher untervertreten. Entsprechend sagt Pascal Messerli: «Die persönlichen Verbandelungen der Politiker sind in der Kommissionsarbeit spürbar.» Es sei ein grundsätzliches Ärgernis: Erst ist man sich einig im bürgerlichen Lager, dass man den Kanton zum Sparen bringen wolle. Doch spätestens wenn konkrete Vorschläge auf dem Tisch liegen, ist es schon wieder vorbei mit der Einigkeit.

Als Beispiel führt Messerli den Neujahrsapéro an, den die Parlamentarier kürzlich aus dem Budget der Regierung gestrichen haben. «Das war, was als gemeinsamer Nenner aus einem grösseren bürgerlichen Sparpaket übrig geblieben ist.» Auch wenn die SVP hie und da Abweichler in den eigenen Reihen weiss, sagt Messerli: «Wir sind einigermassen konsequent.»

Meistgesehen

Artboard 1