Der Neubau des Klinikums 2 des Unispitals durch die Zürcher Architekten Giuliani/Höngger ist nach wie vor politisches Thema in Basel. «Nein, der Mist ist noch nicht geführt», sagt LDP-Grossrätin Christine Wirz-von Planta gegenüber der bz. Gerade am Dienstag habe sie Termine zu diesem Thema gehabt. Sie gibt sich nicht zufrieden mit der Antwort der Regierung auf ihren Vorstoss im Grossen Rat. In diesem hatte Wirz gefordert, man solle den Wettbewerb wiederholen, respektive den beiden erstplatzierten Teams die Möglichkeit geben, ihre Projekte nochmals zu überarbeiten und der Jury vorzulegen. Nun nimmt die liberale Grossrätin gar das Wort «Referendum» in den Mund.

Streit um die Optik

Hintergrund ist der Streit, der seit der Bekanntgabe des Resultats schwelt. Einigen namhaften Basler Politikern passt es nicht, dass die Basler Stararchitekten Herzog und de Meuron nur den zweiten Platz erreicht haben. Dies, weil das Projekt im Gegensatz zum Sieger keinen Turmbau vorsieht und sich darum besser ins Stadtbild füge. Die Regierung lehnt dies in ihrer Antwort ab: «Eine Überarbeitung der ersten beiden Beiträge würde den Grundsätzen von Gleichbehandlung und Transparenz widersprechen, wie sie im Vergaberecht festgelegt sind.» Wirz regt nun an, falls möglich eine sogenannte Bereinigungsphase einzuschieben, «analog wie das beim Erweiterungsbau des Kunstmuseums geschah».

Empörung bei den Experten

Benedikt Loderer, Urgestein des Schweizer Architektur-Journalismus und langjähriger Verleger der Fachzeitung «Hochparterre», reagiert gereizt auf die Debatte: «Das ist mal wieder so eine typische Basler Geschichte. Herzog und de Meuron sind in Basel eine Grossmacht wie die Pharma und die Messe. Die ertragen es nicht, dass sie in Basel nicht gewonnen haben.» Auch der Schweizer Architektenverband SIA, nach dessen Richtlinien der Wettbewerb durchgeführt werden, findet klare Worte: «Ein neuer Wettbewerb wäre volkswirtschaftlich unsinnig und gegenüber der grossen Leistung aller Teilnehmer respektlos,» schreibt der Verband. Und weiter: «Der SIA setzt sich grundsätzlich dafür ein, dass der Entscheid einer Jury respektiert wird.»

Loderer meint, da alles mit rechten Dingen zugegangen sei, heisse es zu schweigen und den Entscheid zu akzeptieren. «Und wenn HdM das Gefühl haben, es sei etwas unsauber gelaufen, sollen sie rekurrieren.» Dass politischer Druck aufgesetzt wird, sei «inakzeptabel».

Die Regierung macht in ihrer Antwort auf Wirz’ Vorstoss Mängel am Projekt von HdM geltend: Dem Projekt Kazwei fehlten die Übergangslösungen in der ersten Sanierungsphase «sowie massgebende Flächen (rund 18'000 m2 Geschossfläche)».

Diese Mängel könne man in einem zweiten Wettbewerb beheben, schrieb Wirz in ihrem Vorstoss. Darauf antwortete die Regierung, «die Verfassenden des Projektvorschlags Kazwei haben auf die projektspezifische Kritik nur teilweise reagiert». Zeit für Änderungen wäre da gewesen, denn der Wettbewerb war zweistufig. Nach einer ersten Runde wurde den Teilnehmenden mitgeteilt, in welchen Bereichen sie Verbesserungen anbringen müssten, um den Anforderungen gerecht zu werden. HdM wussten, was an ihrem Vorschlag ungenügend ist, konnten oder wollten die geforderten Änderungen aber nicht vornehmen.

Optimale Lösung gesucht

Ein Vorwurf, den Wirz-von Planta nicht gelten lässt: «Ich will die optimale Lösung, was den städtebaulichen Aspekt und was den funktionalen Aspekt angeht. Herzog und de Meuron könnten das realisieren.» Es gehe ihr dabei nicht darum, zwei Architekturbüros gegeneinander auszuspielen, betont sie weiter. «Ich hätte es an der Stelle der Regierung nicht riskiert, am Ende vor einem Scherbenhaufen zu stehen.» Und dieser drohe, wenn das Geschäft im Grossen Rat besprochen werde. Oder sonst eben später nach einer Referendumsabstimmung.